Branche Ausblick 2013

Dienstag, 18. Dezember 2012
Hartmut Scheffler, Vorstandsvorsitzender ADM und Geschäftsführer TNS Infratest (Quelle: TNS)
Hartmut Scheffler, Vorstandsvorsitzender ADM und Geschäftsführer TNS Infratest (Quelle: TNS)

Zur Entwicklung der Marktforschungsbranche in 2013 und den wichtigsten Themen im kommenden Jahr geben Verbandssprecher und Institutsgeschäftsführer eine Einschätzung. Nicht einfache Herausforderungen aber eine durchaus positive Entwicklung mit leichtem Wachstum sind daraus das Fazit.

Hartmut Scheffler, Vorstandsvorsitzender ADM und Geschäftsführer TNS Infratest
Die Menge verfügbarer Daten wird extrem zunehmen. Dies führt in der traditionellen Marktforschung dazu, das Business Modell der Zukunft neu zu definieren. Dennoch wird auch die traditionelle Marktforschungsbranche 2013 ein leichtes Wachstum verzeichnen können. Daneben wird es ein signifikantes Wachstum anderer Anbieter geben. Bestimmte Themenfelder werden an Bedeutung zunehmen: Verbindung von Offline- und Onlinekontakten, um die Customer Journey ganzheitlich zu verstehen, Mobile als Erkenntnisinteresse und methodische Chance, Datensynthese bzw. -integration mit Big Data und Informations- und Datenveredelung mit Qualitätsversprechen. Keine andere Branche, keine neuen Anbieter haben eine vergleichbar gute Ausgangsposition zur Bearbeitung dieser vier Themen wie die traditionelle Marktforschungsbranche.  

Dr. Frank Knapp, Vorstandsvorsitzender BVM und Vorstand Psyma (Quelle: Psyma)
Dr. Frank Knapp, Vorstandsvorsitzender BVM und Vorstand Psyma (Quelle: Psyma)
Dr. Frank Knapp
, Vorstandsvorsitzender BVM und Vorstand Psyma
Marktforschung ist immer konjunkturabhängig, daher ist in den nächsten Jahren mit Schwankungen der Auftragslage zu rechnen. Allerdings ist Deutschland nach wie vor einer der stärksten Märkte in Europa und bietet damit gute Zukunftsaussichten. Wichtige Themen sind die Nutzung von Big Data, denn menschliche Einstellungen und menschliche Verhaltensweisen finden einen immer stärkeren digitalen Niederschlag. Aufgabe der Marktforschung mit ihren einzigartigen Skills wird es sein, diesen Daten Bedeutung und Handlungsorientierung zu verleihen. Zudem wird Accountability noch wichtiger, denn Marktforschung wird sich noch stärker einer Nutzenargumentation stellen müssen. Stärker im Vordergrund wird außerdem eine ganzheitliche Betrachtung der Customer Journey stehen, um den Erfolgsbeitrag aller Marketing-Instrumente erfassen zu können.  



Christoph Irmer, Vorstand DGOF und Geschäftsführer ODC Services (Quelle: ODC)
Christoph Irmer, Vorstand DGOF und Geschäftsführer ODC Services (Quelle: ODC)
Christoph Irmer
, Vorstand DGOF und Geschäftsführer ODC Services
2013 wird ein spannendes Jahr! Die wesentlichen Fragen lauten: Wie entwickelt sich die makroökonomische Situation und welche Auswirkungen hat dies auf die Budgets der Auftraggeber? Wie geht es mit Themen wie Big Data, Mobile Research oder Social Media Research weiter? Inwieweit wird der Konsolidierungsprozess in der Branche noch voranschreiten? Das Jahr 2013 wird einiges für die Marktforschung zu bieten haben – ich sehe dem zuversichtlich entgegen. Das Thema Multi-Mode wird definitiv wichtiger. Hier denke ich, liegt ein Schlüssel zum Erhalt der Teilnahmebereitschaft an Umfragen. Wenn wir es schaffen, Befragten personen- und situationsabhängig die passende Methode zur Teilnahme an Befragungen anzubieten, steigt der Convenience- Faktor und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Person tatsächlich an einer Umfrage teilnimmt.  

Matthias Hartmann, CEO GfK SE (Quelle: GfK)
Matthias Hartmann, CEO GfK SE (Quelle: GfK)
Matthias Hartmann
, CEO GfK SE
Themen wie die Eurokrise, das US-Staatsdefizit und die Abschwächung der Weltwirtschaft werden uns und unsere Kunden auch im nächsten Jahr beschäftigen. Für die Marktforschungsbranche erwarte ich weiter moderates Wachstum. Zwar sind unsere Dienste gerade auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gefragt, denn wir zeigen unseren Kunden neue Geschäftsmöglichkeiten auf. Aber wir müssen uns darauf einstellen, dass die Budgets knapper werden und sich die Aufträge in Richtung der Wachstumsmärkte verlagern.
Die zunehmende Digitalisierung des Lebens ist eines der großen Themen des nächsten Jahres. Smartphones und Tablet-PCs haben innerhalb kürzester Zeit einen festen Platz im Leben der Verbraucher eingenommen und sie verändern das Medien- und Einkaufsverhalten nachhaltig. Hier sind von uns Marktforscher schnell innovative Lösungen gefragt.  



Ralf Ganzenmüller, CEO Ipsos Germany (Quelle: Ipsos)
Ralf Ganzenmüller, CEO Ipsos Germany (Quelle: Ipsos)
Ralf Ganzenmüller
, CEO Ipsos Germany
Die Marktforschungsbranche durchläuft aktuell einen Evolutionsprozess, der dazu führen wird, dass die Hälfte dessen, was die Branche aktuell macht, in fünf Jahren nicht mehr existieren wird. In 2013 werden wir eine erhöhte Akzeleration der Veränderungsgeschwindigkeit erleben. Dabei werden wir mehr und mehr zum Datenmanager, der die unterschiedlichsten Daten miteinander verbindet. Dazu müssen wir noch dichter an den Konsumenten in seiner digitalisierten Lebenswelt herankommen – und gleichzeitig wie nie zuvor die IT beherrschen, um Daten effektiv ermitteln, aufbereiten und analysieren zu können. In diesem Bereich findet eine der größten Erweiterungen statt, die unsere Branche je erlebt hat. Neue Player machen den Markt nicht gerade übersichtlicher. Doch letztlich ist es gerade das, wobei wir unsere Kunden unterstützen müssen: die Welt für sie einfacher zu machen. 


 
Stephan Teuber, Geschäftsführer GIM Gesellschaft für Innovative Marktforschung (Quelle: GIM)
Stephan Teuber, Geschäftsführer GIM Gesellschaft für Innovative Marktforschung (Quelle: GIM)
Stephan Teuber
, Geschäftsführer GIM Gesellschaft für Innovative Marktforschung
Wir rechnen mit einem leichten Wachstum der Branche und einem stärkeren Wettbewerb durch Do-It-Yourself Marktforschung auf Kundenseite – speziell in den Gebieten Onlineforschung und Social Media. Es findet ein Strukturwandel statt: Die Anzahl der klassischen Institute sinkt, gleichzeitig betreten neue Anbieter den Markt. Diese halten sich zum Teil nicht an das Ethos und die Regeln der Marktforschung, was die ganze Branche in Verruf bringen kann. Hier müssen wir alle wachsam sein.
Das Tempo im Ad-Hoc- Geschäft nimmt weiter zu und das internationale Geschäft wächst. Deutsche Institute werden zunehmend zu Lead-Instituten für internationale Studien bzw. Kunden. Big Data wird deutlich gepusht und ermöglicht, auch ohne herkömmlichen forscherischen Hintergrund auf den Markt zu drängen.
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