#wasfrauenfordern "Emotion", Fischer-Appelt und Appinio starten Gleichstellungs-Aktion

Freitag, 26. Mai 2017
Franziska von Lewinski, Fischer-Appelt, und Katarzyna Mol-Wolf, Emotion, initiieren #wasfrauenfordern
Franziska von Lewinski, Fischer-Appelt, und Katarzyna Mol-Wolf, Emotion, initiieren #wasfrauenfordern
Foto: Fischer-Appelt, Emotion/Caren Detje

"Emotion", Fischer-Appelt und Appinio starten die bundesweite Aktion "#wasfrauenfordern" zum Thema Gleichstellung und fordern Frauen wie Männer auf, ihre Wünsche mitzuteilen, um diese nach der Bundestagswahl der neuen Regierung zu übergeben.

Geht es um Gleichstellung, bestimmen meist negative Fakten die Debatte: Mal ist es der Gender Pay Gap, der den Ausschlag für die Diskussion liefert, warum Frauen für die gleichen Jobs noch immer so viel weniger verdienen als die Männer; mal die gläserne Decke, deren Existenz wohl kaum jemand noch abstreitet, über deren Ursachen aber gestritten wird. Und mal ist es die Objektivierung von Frauen in der Werbung, die vielen Agenturen und ihren Auftraggebern immer wieder in den Sinn kommt, wenn die gute Idee ausbleibt.

Postkarte für die Aktion #wasfrauenfordern
Postkarte für die Aktion #wasfrauenfordern (Bild: Fischer-Appelt)
Die Zeitschrift "Emotion" und die PR-Agentur Fischer-Appelt beziehungsweise deren führenden weibliche Köpfe Katarzyna Mol-Wolf und Franziska von Lewinski wollen das Thema nun positiv gestalten: Mit dem Start der bundesweiten Aktion #wasfrauenfordern rufen sie mit einem Sonderheft von "Emotion", auf Facebook und weiteren Social-Media-Kanälen sowie Postkarten und der von Springup gestalteten Website www.wasfrauenfordern.de Frauen wie Männer auf, ihre Anliegen zum Thema zu posten.

"Meinung sagen, Haltung zeigen. Darum geht es in Zeiten rückwärtsgewandter Politik à la Trump und AfD mehr denn je. Medien müssen jetzt hinhören. Nicht vorschreiben", begründet Chefredakteurin Mol-Wolf das Engagement von "Emotion". Zu dem Engagement und Zuhören gehört auch eine repräsentative Studie, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Zeitschrift durchführt, sowie eine Online-Befragung und Abstimmung über die Appinio-App. Die Ergebnisse der Umfrage wollen die Kooperationspartner nach der im Herbst anstehenden Bundestagswahl "der neuen Bundesregierung öffentlichkeitswirksam übergeben – verbunden mit der Aufforderung, entsprechend politisch zu handeln", teilen sie zum Start der Initiative mit. "Wir wollen Frauen und Männer gleichermaßen mobilisieren und herausfinden, was sie sich für mehr Gleichberechtigung wünschen und fordern", sagt Fischer-Appelt-Vorstand von Lewinski. ems

Welche Forderungen Fischer-Appelt-Vorstand Franziska von Lewinski und Emotion-Chefredakteurin Katarzyna Mol-Wolf an die eigene Branche haben, was sie von der Quote halten und selbst für das Thema Gleichstellung tun, beantworten Sie hier im Interview:

Was müsste sich in Ihrer jeweiligen Branche grundlegend ändern, um Gleichstellung zu ermöglichen?
Katarzyna Mol-Wolf: „Traditionelle Medienhäuser und Agenturen sind unter Druck, sich zu verändern. Zum Glück haben schon viele die Weichen weiblicher gestellt. Doch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie - vor allem in Führungspositionen steckt noch in den Kinderschuhen. Hier brauchen wir noch mehr Frauen, die in der Führungsrolle als CEO oder Senior Manager andere Frauen nicht nur nach sich ziehen. Sondern auch zeigen, dass Führung Spaß macht und heute auch mit meiner Rolle als Mutter gut zu vereinbaren ist. Neben diesen Rolemodels, müssen sich Frauen aber auch selbst mehr zutrauen und dürfen sich nicht zu schnell zufrieden geben. Sie müssen sich vielmehr für ihre Position stark machen. Auch wenn es um das Gehalt geht. Denn es gibt keinen Grund, warum wir Frauen immer noch weniger verdienen. Das Bild einer weiblichen Führungskraft muss zur Selbstverständlichkeit werden, auch für Männer. Noch sehe ich bei den üblichen Branchenevents viel zu viele Männer nicht nur im Publikum, sondern vor allem auch auf der Bühne.“

Franziska von Lewinski: Wenn ich mir die Agenturbranche anschaue, ist aus meiner Sicht die flächendeckende Einführung flexibler Arbeitszeiten ein erster und wichtiger Schritt: Frauen und Männer sollten die Möglichkeit haben, von überall aus zu arbeiten. Zudem plädiere ich für Offenheit gegenüber individuellen Lösungen für Mütter und Väter. Es muss einfach normal werden, dass auch Frauen in Führungspositionen Kinder bekommen, ohne dadurch Nachteile zu haben.

Sind Sie für oder gegen eine Quote? Warum?von Lewinski: Auf jeden Fall für die Quote. Denn 1. muss sich die Kultur in Führungsgremien ändern und 2. sind gemischte Teams nachweislich erfolgreicher. Und die eine Frau reicht eigentlich noch nicht in Führungsgremien, es braucht mindestens zwei, da sich sonst die Kultur nicht ändern wird.

Mol-Wolf: „Ich halte die Quote mittlerweile für ein Mittel zum Zweck. Ein Herzensthema ist sie für mich nicht. Doch die letzten Jahre und Jahrzehnte haben leider gezeigt, dass Großunternehmen und Konzerne von allein nur wenig verändern. Noch gibt es zu viele Männer an den entscheidenden Posten, die einem Aufbrechen alter Strukturen angstvoll entgegenblicken und das Gefühl haben, dass wir Frauen doch nun schon weit genug gekommen sind und dass wir es bitte auch nicht übertreiben sollen. Die Gesellschaft ist da teilweise schon etwas weiter, als manche Branchen in der Wirtschaft. Ich setze deshalb auf die Quote als Initialzündung. Wir können nicht noch mal Jahrzehnte warten, bis gleichberechtigte Teilhabe stattfindet. Denn, wenn mehr Frauen ihre Fähigkeiten im Top-Management beweisen können, wird die Quote schnell obsolet – denn die Erfolge für die Unternehmen werden sich rasch einstellen und das wird auch den konservativsten Unternehmenschef zum Umdenken bewegen.“

Was machen Sie in Ihren Teams, um Gleichstellung zu fördern?
Mol-Wolf: „Bei uns arbeiten in Verlag und Redaktionen mehrheitlich Frauen. Viele haben Kinder. Uns ist es wichtig, dass der Job zum Leben unserer MitarbeiterInnen passt. Das funktioniert bei uns auch über vielfältige flexible Arbeitszeitmodelle. Ich muss zugeben, dass diese Flexibilität in der Praxis, z. B. bei so ganz alltäglichen Themen wie Terminvereinbarungen, nicht immer einfach ist. Aber für uns (meine Co-Geschäftsführerin Anke Rippert und mich) gehört das zu einer modernen Unternehmensführung dazu. Wir möchten mit unserem Verlag ein Vorbild-Unternehmen sein. Eine Männer-Quote braucht es bei uns nicht. Denn ich kann persönlich garantieren, dass weder Geschlecht, noch Herkunft oder Familienstand bei uns im Unternehmen Einfluss auf Einstellung, Gehalt oder Vorankommen haben. Ich hätte gerne mehr Männer in unseren Teams, aber sie trauen sich wohl nicht ;-) “

von Lewinski: Zum einen sind unsere Systeme und Tools so aufgestellt, dass man von überall aus arbeiten könnte, sofern man einen Internetanschluss oder WLAN zur Verfügung hat. Wir bieten unseren Mitarbeitern bei fischerAppelt flexible Arbeitszeiten und Eltern - selbstverständlich auch in Führungspositionen - Lösungen, die zur individuellen Lebenssituation passen. Wir setzen auf gemischte Teams und gleichberechtigte Bezahlung. Interview: ems

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