#verafake RTL räumt Fehler bei "Schwiegertochter gesucht" ein - und zieht Konsequenzen

Freitag, 13. Mai 2016
Andreas Schneiders und Simon Steinhorst mimten die Teilnehmer bei "Schwiegertochter gesucht"
Andreas Schneiders und Simon Steinhorst mimten die Teilnehmer bei "Schwiegertochter gesucht"
Foto: ZDF

Gestern machte ZDF-Moderator Jan Böhmermann publik, dass er einen eigenen Kandidaten in der RTL-Sendung "Schwiegertochter gesucht" eingeschleust hat. Der Beitrag macht seither unter dem Hashtag #verafake im Netz die ganz große Runde. Jetzt hat sich auch RTL zu der Angelegenheit geäußert.
Per Pressemitteilung räumt Unterhaltungschef Tom Sänger "Fehler im Bereich der redaktionellen Sorgfaltspflicht" ein. Dazu stehe man gemeinsam mit der Produktionsfirma Warner. Die aktuelle Staffel werde daher von einem neuen Team realisiert. "Gemeinsam mit dem Produzenten sorgen wir dafür, dass sich die Fehler nicht wiederholen", so Sänger. Auch René Jamm, Geschäftsführer der zuständigen Produktionsfirma Warner Bros. ITVP Deutschland, kommt sich in der Mitteilung zu Wort. Er beginnt sein Statement mit einer Respektsbekundung an Jan Böhmermann: "Wir sind ihm komplett auf den Leim gegangen, denn er hat uns einen sympathischen Schwiegersohn präsentiert. Wir haben uns in ihn 'verliebt' und in diesem Fall gleichzeitig unsere redaktionelle Aufsichtspflicht missachtet. Wir werden dafür die Verantwortung übernehmen und inhaltlich sowie personell umstrukturieren."

Der Gastgeber des "Neo Magazin Royale" bei ZDFneo hatte in einem Video am Donnerstagabend in seiner Show gezeigt, wie seine Redaktion zwei Schauspieler als Kandidaten in Vera Int-Veens Reality-Doku "Schwiegertochter gesucht" eingeschleust hatte. Andreas Schneiders (55) hatte sich als biertrinkender Vater René ausgegeben, Simon Steinhorst (30) als Eisenbahnfreak Robin. Ihre vorgetäuschte Suche nach einer Frau für Robin lief vom 10. April. ire/mit Material von dpa

Zu den einzelnen, in der Sendung vorgebrachten Vorwürfen, wie etwa Bezahlung und Beeinflussung der Teilnehmer, nimmt RTL wie folgt Stellung (Auszug aus der Pressemitteilung im Wortlaut):

Bezahlung: Die Protagonisten erhalten 150,-€ netto an Aufwandsentschädigung für die Dreharbeiten. Jedem Arbeitslosen - in diesem Fall haben die beiden Schauspieler angegeben, arbeitslos zu sein - würden bei einer höheren Summe die Bezüge wie das Arbeitslosengeld gestrichen. Die Aufwandsentschädigung ist nicht die Motivation der Protagonisten, die im Rahmen einer TV-Sendung einen Partner suchen. 

Gesundheitserklärung: TV-Produktionen wie diese sind gegen sogenannten Personenausfall versichert. Versicherungen fordern daher entsprechend verpflichtende Angaben der einzelnen Protagonisten ein, etwa zu Krankheiten und aktuellen medizinischen Behandlungen, Behinderung oder auch Alkoholkonsum. Diesen Fragebogen hat die Produktionsmitarbeiterin beim Dreh abgefragt. Der entsprechende Eintrag zum Alkoholkonsum in dem Fragebogen war falsch und somit eindeutig ein Fehler.

Vertrag: Im Neo Magazin Royale wird bemängelt, dass der Vertrag bewusst erst knapp zwei Monate später zugesandt wurde. Richtig ist: Der bereits deutlich früher durch die Produktion postalisch verschickte Vertrag kam immer wieder zurück, da die beiden Schauspieler in der von ihnen angemieteten Wohnung nach dem Dreh nicht gemeldet und somit auch nicht erreichbar waren. 

Schildkröten & Puzzle: Wer gern Schildkröten sammelt, bekommt diese oft auch geschenkt. Ob Schildkröten oder Puzzle, es handelt sich um Gastgeschenke, nicht um gezielte Manipulation oder Verdrehung von Tatsachen. 

Vorsagen: Dem Protagonisten wurde ein konkreter Textvorschlag gemacht, um seine Liebe zu Schildkröten zu dokumentieren. Das war genau genommen falsch.

Vorlage Ausweis: Es war ein Fehler, nicht auf Vorlage des Ausweises zu bestehen. Andere Dokumente wie Mietvertrag oder eidesstattliche Erklärung lagen in gefälschter Ausführung vor.

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