#verafake Böhmermann foppt RTL mit falschem Kandidaten bei "Schwiegertochter gesucht"

Freitag, 13. Mai 2016
Jan Böhmermann hat einem Fake-Kandidaten bei "Schwiegertochter gesucht" einen Coup gelandet
Jan Böhmermann hat einem Fake-Kandidaten bei "Schwiegertochter gesucht" einen Coup gelandet
Foto: Screenshot Youtube/ZDFneo
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Was für ein Comeback: Nach der Affäre um sein Erdogan-Schmähgedicht und fünfwöchiger Sendepause hat sich Jan Böhmermann mit einem Knall auf ZDFneo zurückgemeldet. Im "Neo Magazin Royale" offenbarte Böhmermann, dass er einen falschen Kandidaten bei der RTL-Show "Schwiegergetochter gesucht" eingeschleust hatte - ein Coup im Stile von Günter Wallraff, der ja sonst ausgerechnet bei RTL investigativ recherchiert.
Während die meisten Zuschauer wohl darauf schauten, wie Böhmermann sich nach seiner selbst auferlegten Pause präsentiert, verlas der zunächst Witze von Zuschauern - schließlich wolle er sich selbst mit möglicherweise strafrechtlich verfolgbaren Pointen nicht mehr aufs Glatteis begeben. Dann erzählte der 35-Jährige die ganze Geschichte um den Sendungshashtag #verafake, der anders als sonst nicht in einer Hashtagkonferenz ermittelt worden war.
Nachdem er zunächst einen Trailer mit allen Kandidaten der RTL-Sendung zeigte, erklärte der Moderator, dass sein Team zwei Schauspieler engagiert habe, die als der 21-jährige Robin und dessen Vater René in der Kuppel-Show mitmischen sollten. Und das natürlich nicht einfach zum Spaß. Vielmehr wolle das das "Team Royaleraff" im Rahmen der "Fernseh-Nothilfe" von ZDFneo zeigen, "was für eine Scheiße Moderatorin Vera Int-Veen und RTL mit Menschen abziehen, die sich nicht wehren können". Also verpassten Böhmermann und sein Team den beiden Protagonisten nicht nur einen merkwürdigen Look und alte Klamotten, sondern richteten in Duisburg zudem eine "Assi-Wohnung" ein – und konnten mit dieser Bewerbung bei RTL überzeugen. Dann dokumentiert der Beitrag, wie der Privatsender offenbar mit den Realityshow-Kandidaten Verträge abschließt. Für 10 bis 30 Drehtage gibt es eine Aufwandsentschädigung von 150 Euro, eine eidesstattliche Versicherung darüber, dass man nicht geistig beeinträchtigt ist, muss unterschrieben werden, eine Kopie des Vertrages gibt es erst, nachdem der Dreh abgeschlossen ist. Zudem half RTL bei der Geschichte um Robin nach, Redakteure sagten Texte vor und statteten die Wohnung mit Plüsch-Schildkröten aus, um das Reptilien-Hobby des Fake-Kandidaten noch glaubwürdiger zu machen. Schließlich hielt auch die Beichte von Vater René, er trinke täglich acht Bier, die Produktionsfirma nicht vom Aufzeichnen ab.
RTL reagierte gestern Abend noch hastig via Twitter. "Wir schauen uns #verafake an und sprechen mit dem Produzenten von #Schwiegertochtergesucht. Update folgt!", hieß es da gegen 22:30 Uhr, als das "Neo Magazin Royale" schon rund zwei Stunden in der ZDF-Mediathek verfügbar war und kurz danach auf ZDFneo im linearen TV lief. Der Webauftritt zu Fake-Kandidat Robin war auf der "Schwiegertochter gesucht"-Website auch am Morgen nach der Ausstrahlung noch online, ist mittlerweile aber von RTL aus dem Netz genommen worden. tt
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