Übernahme Welche Rolle N24 bei Axel Springer spielen wird

Dienstag, 10. Dezember 2013
Der angehende Welt-Herausgeber Stefan Aust
Der angehende Welt-Herausgeber Stefan Aust

Axel Springer hat sich mit dem Nachrichtensender N24 einen zentralen Baustein für seine journalistische Digitalstrategie gesichert - und das offenbar zu einem sehr überschaubaren Kaufpreis. Stefan Aust, Miteigner von N24 und ab Januar neuer Herausgeber der Welt-Gruppe kann bei Axel Springer damit endlich seinen Traum einer vollständig integrierten Medienmarke verwirklichen. Wohin die Reise geht, hat Axel Springer am Montag selbst angekündigt: N24 wird künftig als zentraler Bewegtbildlieferant für alle Marken von Axel Springer fungieren. Der Medienkonzern "versteht N24 in erster Linie als Online-Bewegtbild-Produzenten mit angeschlossenem Sender", schreibt das "Handelsblatt". Der Wiedereimnstieg in TV-Geschäft werde lediglich "billigend in Kauf genommen", meint Medienredakteur Kai-Hinrich Renner. Das mag arg zugespitzt sein, dürfte aber den kern der Sache treffen. Mit N24 sichert sich Axel Springer vor allem einen Bewegtbild-Lieferanten für seine Medienmarken im Internet - allen voran dem Flaggschiff Bild.de und Welt Online.

Die Umsatzerlöse und Vermarktungsmöglichkeiten von N24 sind dagegen eher überschaubar. Laut Bundesanzeiger hat N24 Media 2011 einen Umsatz in Höhe von 87 Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von 2,86 Millionen Euro erzielt - somit dürfte der Kaufpreis bei maximal 120 Millionen Euro liegen, rechnet das "Handelsblatt" vor. Springer zahle in der Regel das Neun- bis Zwölffache des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen.

Eine zentrale Rolle bei der Zusammenführung der Welt-Gruppe mit N24 dürfte dem neuen Herausgeber der Welt-Gruppe Stefan Aust zukommen, der den Sender gemeinsam mit Torsten Rossmann und anderen Partnern 2011 von Pro Sieben Sat 1 übernommen hatte. Für N24 ergebe sich mit der Übernahme "die Möglichkeit, in der digitalen Zukunft eine wesentlich wichtigere Rolle zu spielen, als der Sender es allein hätte schaffen können", sagte Aust der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Ein Medienunternehmen müssen heute aus drei Säulen bestehen: Print, Online und TV. "Nur in dieser Kombination ist Publizistik zukunftstauglich. Text, Bilder und Filme ergänzen einander und wachsen zusammen. Ich freue mich jedenfalls sehr, bei dieser Expedition in die Zukunft dabei sein zu können."

Im Zusammenhang mit Austs Wechsel zu Springer wird auch wieder sein Wunschprojekt eines digitalen Nachrichtenmagazins mit dem Arbeitstitel "Die Woche" ins Spiel gebracht. Springer arbeitet unterdessen an einem Portal für investigativen Journalismus und verhandelt in diesem Zusammenhang mit einem anderen ehemaligen "Spiegel"-Chefredakteur, Georg Mascolo, einem der Nachfolger von Aust. Auch hier würde sich ein Kreis schließen.

Springer-Chef Mathias Döpfner scheint in jedem Fall fest entschlossen, die Wette, die er der Branche kürzlich öffentlich angeboten hat, zu gewinnen: "Ich wette, dass in fünf Jahren der Qualitätsjournalismus bei Axel Springer eine noch größere Rolle spielen wird als heute", sagte er im Oktober beim Publishers' Summit des Zeitschriftenverlegerverbandes VDZ. Mit der Integration von N24 in die Welt-Gruppe stehen die Chancen damit besser denn je. dh
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