taz.de Warum die "taz" keine Bezahlschranke haben will

Freitag, 19. Juli 2013
taz.de erstrahlt ab sofort in neuem Gewand
taz.de erstrahlt ab sofort in neuem Gewand


Die linksalternative "taz" tickt anders als die meisten Tageszeitungen - und findet das selbst auch ganz gut so. In einem Beitrag in eigener Sache auf taz.de erklärt taz-Urgestein und Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch nun, warum der Verlag auch im Netz andere Weg beschreitet und eine Bezahlschranke kategorisch ablehnt, während fast alle Verlage derzeit eifrig an Paid-Content-Modellen arbeiten. Ob das Modell von taz.de auf andere Zeitungen übertragbar ist, erscheint indes fraglich.
Anlass für die Wortmeldung des Geschäftsführers ist der Relaunch von taz.de. Mit der neuen Website schlage taz.de ein neues Kapitel auf: "Die ganze taz wird auf taz.de publizieren." Und alles, was auf der Seite bisher frei verfügbar war, wird auch frei bleiben. "Eine Bezahlschranke wollen wir nicht, weil wir davon ausgehen, dass wir sie nicht brauchen", betont Ruch. "Unsere LeserInnen beteiligen sich freiwillig und engagiert bei 'taz-zahl-ich'."

Die Zeitung setzt im Internet mit Erfolg auf ein Bezahlmodell, dass auf Freiwilligkeit beruht: Wenn einem Leser ein Artikel gefallen hat, kann er aus freien Stücken dafür etwas bezahlen. Der voreingestellte Obolus beträgt 50 Cent, man kann aber auch mehr spenden. Verschiedene Bezahlmöglichkeiten wie Paypal, per Handy oder mit Kreditkarte erleichtern zahlungsbereiten Nutzern die Entscheidung.

Mit der bisherigen Strategie der meisten Verlage, im Netz vor allem über den Aufbau von Reichweite auch die Werbeerlöse anzukurbeln, geht Ruch hart ins Gericht: Mit der Jagd nach Reichweite hätten sich die Verlage "eine grandiose Fehleinschätzung geleistet". News-Seiten würden heute vor allem für Google optimiert, nicht für die Leser. Ruch: "Es fallen einem die alten Sprüche aus der Umweltbewegung der 1980er Jahre ein: Erst wenn der letzte zahlende Abonnent gegangen ist, werdet ihr merken, dass man Klicks nicht essen kann." Nun kämen die "Programmierer in ihren Entwicklungsstuben" gar nicht mehr hinterher, die vielen neuen Bezahlmodelle umzusetzen, stichelt der Geschäftsführer.

Dass sich die "taz" auch im Internet einmal mehr für einen anderen Sonderweg entschieden hat, verwundert nicht. Allerdings kann es sich wohl auch nur eine Zeitung wie die "taz" mit ihren treuen und engagierten Lesern leisten, auf die Einsicht ihrer Zielgruppe zu bauen. Das weiß auch Ruch: "Die taz ist mehr als eine Zeitung. Sie ist Teil eines gesellschaftlichen Trends, der aufzeigt, dass es sehr wohl Alternativen zu den eingefahrenen Wegen gibt." Über die vielzitierten "Lousy Pennies" mag sich Ruch nicht beschweren - im Gegenteil: "Wunderbar, dieses Internet. Und die taz war schon ganz am Anfang dabei." dh
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