"taz"-Chefredakteure Ines Pohl und Andreas Rüttenauer "Verkaufen eine Haltung, die zur Marke passt"

Donnerstag, 09. April 2015
Chefredakteurin Ines Pohl, seit 2009 an der Spitze der "taz"
Chefredakteurin Ines Pohl, seit 2009 an der Spitze der "taz"
Foto: taz

Beide sind sie seit April 2014 gleichberechtigte Chefredakteure der "taz". Andreas Rüttenauer, 47, ist seit 2001 bei der Tageszeitung, Ines Pohl, 48, wechselte 2009 direkt von der Ippen-Gruppe an die Spitze des Titels. Während Pohl ein gewisses Fremdeln mit der "taz"-Kultur, aber Machtbewusstsein nachgesagt wird, gilt Rüttenauer als "taz"-Anarch, den so schnell nichts aus der Ruhe bringt. In HORIZONT geben sie nun ihr erstes gemeinsames Interview.

Ines Pohl und Andreas Rüttenauer über ...

... die Spionage-Affäre bei der "taz":

Ines Pohl: "Je enger die Kollegen miteinander gearbeitet haben, umso präsenter ist das Geschehene. Sie sehen ja tagtäglich den verwaisten Schreibtisch in der Berlin-Redaktion. Was bleibt, ist das Unbehagen, wie anfällig Daten für unerlaubten Zugriff sind." Andreas Rüttenauer: "Aus dem Umfeld des Chaos Computer Clubs haben wir Bernd Fix ins Haus geholt, ein Urgestein aus der Hacker-Szene. Er hat uns für Datenschutz sensibilisiert und unter anderem gezeigt, wie man E-Mails verschlüsselt. Dafür ist bei uns die Hemmschwelle deutlich gesunken. Mein Büro sperre ich aber nach wie vor nicht ab. Mit der permanenten Angst, dass so etwas wieder passiert, könnte man nicht arbeiten. Dafür braucht man ein Grundvertrauen, und das ist nicht erschüttert."
Andreas Rüttenauer ist seit April 2014 Chefredakteur der "taz"
Andreas Rüttenauer ist seit April 2014 Chefredakteur der "taz" (Bild: taz)

... Erlösmodelle jenseits des Journalismus:

Rüttenauer: "Was wir verkaufen, ist eine Haltung - eine Haltung, die zur Marke 'taz' passt.

Pohl: "Ich habe kein Problem mit Burdas Tierfutter. Wichtig ist, Wege zu finden, unsere Arbeit als Journalisten finanziert zu bekommen. Das Anzeigengeschäft hat bei uns noch nie funktioniert. Was wir mit unserem Abomodell machen, nennt man heutzutage Bundling. Crowdfunding hat die 'taz' mit ihrem Genossenschaftsmodell schon gemacht, bevor es diesen Begriff gab. Nun kommen Immobilieneinnahmen hinzu. Sollten wir damit in die Lage kommen, zehn oder 20 Redakteure zu finanzieren, fände ich das super."

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Das komplette Interview lesen HORIZONT-Abonnenten in der kommenden Wochenzeitung, die am 09. April 2015 erscheint und auch auf Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonennten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.

... die politische Ausrichtung:

Pohl: "Die 'taz' gibt als wichtige, einzigartige Stimme mit ihrer publizistischen Ausrichtung in der deutschen Medienlandschaft Impulse in den politischen Diskurs. [...] Wenn es um Gleichberechtigung geht. Um Globalisierungs- und Flüchtlingsfragen. Wenn es um Länder geht, auf die sonst keiner guckt. Auch, wenn es um wirtschaftliche und finanzpolitische Analysen geht."

... die Zukunft der "taz":

Pohl: "Die 'taz' wird gedruckt noch zehn, vielleicht 20 Jahre erscheinen. Und ich denke, dass es auch danach noch ein abgeschlossenes Produkt geben wird, aber dann wahrscheinlich in digitaler Form."

Rüttenauer: Darüber hinaus entwickeln wir redaktionell Neues. Mitte des Jahres wollen wir im vorderen Teil der Zeitung eine tägliche
Europa-Seite einführen. Dort sollen unsere Korrespondenten aus dem Blickwinkel ihres Landes über Europa berichten.

Interview: Ulrike Simon
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