re:publica 2016 Wie Youtube im Rennen mit Snapchat und Facebook mithalten kann

Dienstag, 03. Mai 2016
Volles Haus bei der re:publica 2016
Volles Haus bei der re:publica 2016
Foto: re:publica/Gregor Fischer (CC BY 2.0)

Youtube hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Von der demokratischen Plattform für enthusiastische Videomacher zu einem Konzern, der immer häufiger von Influencern genutzt wird. Snapchat hat Youtube in Sachen Videonutzung bereits überholt. Jetzt macht Facebook auch noch mit Livestreaming ernst. Die Google-Tochter braucht nun mehr "Highlight-Inhalte", fordert der Medienwissenschaftler Bertram Gugel auf der Media Convention.

Der sich rapide verändernde Onlinevideo-Markt macht es Youtube derzeit schwer. Die Konkurrenz belagert die Plattform von allen Seiten. Zwar wachsen die täglichen Videoabrufe überall, doch bei Facebook und Snapchat derzeit besonders stark. Über zehn Milliarden Video-Abrufe zählte die Hype-App mit dem Geist laut Gugel Ende des vergangenen Jahres – Youtube liegt zum ersten Mal knapp darunter. Und nun gesellt sich auch noch Facebook mit ähnlichen Reichweiten zu diesem Duo. "Wir sind an einem Punkt angekommen, bei dem wir nie wieder mehr Views auf Youtube als auf Facebook oder Snapchat zählen werden", sagt Gugel.

Doch wie kam es zu diesem Szenario? Besonders Snapchat habe vieles richtig gemacht und Schritt für Schritt die richtigen Features eingeführt, um den Traffic zu erhöhen: 2012 die Videos, 2013 die Stories sowie die Funktion "Discover" und 2014 schließlich Messaging. Bei Facebook war und ist das nicht anders: 2003 die Profile, 2006 der Newsfeed, 2013 die Videos, 2014 der Messenger und in diesem Jahr Live-Streaming.
„Wir sind an einem Punkt angekommen, bei dem wir nie wieder mehr Views auf Youtube als auf Facebook oder Snapchat zählen werden.“
Bertram Gugel
Doch muss man Youtube mit Plattformen wie Facebook und Snapchat vergleichen? Oder mit dem klassischen Fernsehen, wie es üblicherweise Vermarkter machen? Nein, sagt Gugel. "Was, wenn Youtube anders ist?", fragt er ins Publikum. Der Medienwissenschaftler plädiert dafür, die Google-Tochter mit Diensten wie Netflix, Spotify oder Amazon Prime zu vergleichen. Grund: "Videos dienen auf diesen Plattformen als Zweck." Facebook etwa nutze Videos nur, um den User länger auf der Plattform zu halten. Als nettes Feature obendrauf quasi.

Und weil auch bei Youtube Video als Zweck verstanden wird, sollte die Plattform genau wie Netflix, Amazon und Spotify in hochwertigen Content investieren, heißt es. "Youtube braucht mehr Highlight-Content", fordert Gugel. Amazon investiert etwa in eine deutsche Serie mit Matthias Schweighöfer, Spotify verpflichtete vor wenigen Tagen für eine sicher nicht unerhebliche Stange Geld die ARD-Radiosendung "Sanft und Sorgfältig" mit Olli Schulz und Jan Böhmermann.
Snapchat Logo
Bild: Snapchat

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Zwar seien mit kostenpflichtigen Angeboten wie "Youtube Red" (derzeit nur in den USA) die ersten Schritte in die richtige Richtung gemacht, aber bislang sei das noch zu wenig. "Youtube lebt noch immer von Hits", analysiert Gugel. Gemeint sind einzelne, häufig geklickte Videos, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden und vom nächsten Viral abgelöst werden. Nichtsdestotrotz seien hochwertige Inhalte vorhanden. Man muss sie derzeit leider noch mit der Lupe suchen. Angebote wie "Bundesliga bei Bild", stark wachsende Schlager-Kanäle und professionell produzierte Kinder-Kanäle stimmen Gugel positiv. ron

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