#nolympia Hamburg 2024 "Die Quittung" - so reagieren Medien und Hamburger Kreativagenturen

Montag, 30. November 2015
Gestern Abend stand das Ergebnis fest: Nein zur Bewerbung Hamburgs für Olympia 2024
Gestern Abend stand das Ergebnis fest: Nein zur Bewerbung Hamburgs für Olympia 2024
Foto: Twitter/Sven Giegold
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Schock, Enttäuschung, aber natürlich auch Jubel: Die Reaktionen gestern Abend auf das Abstimmungsergebnis fielen zum Teil heftig aus. Hamburg wird sich nicht um die Olympischen Spiele 2024 bewerben. Nun gehen - nach jetzigem Stand - die Städte Los Angeles, Paris, Rom und Budapest ins Rennen. Die Kommentatoren der großen deutschen Medienseiten suchen nach dem Warum, Hamburger Kreativagenturen lassen ihren Gefühlen auf Facebook und Twitter freien Lauf. HORIZONT Online mit einem Überblick.

Peter Ahrens, Spiegel Online

"In diesem Jahr ist das gesamte System kollabiert, Spitzenfunktionäre sind inzwischen abgesetzt, sitzen in Haft oder warten auf ihren Prozess. Täglich kommen neue Meldungen darüber, wie versumpft der Sport an seiner Spitze durch die Verbandsherren geworden ist. Der komplette organisierte Hochleistungssport ist durch die Verbände diskreditiert, und jetzt bekommen sie von den Bürgern dafür die Quittung."

Tim Sohr, Stern.de

"Das Ergebnis kommt nicht überraschend, es deutete sich in Hamburg schon seit Wochen an: Gegen Olympia zu sein, das war so angesagt wie Burger-Restaurants oder das neue Lied von Adele. (...) Mit dem 'Nein' zu Olympia zeigen die vermeintlich vorausschauenden Gegner, dass ihr Horizont kurz hinter dem eigenen Gartenzaun aufhört. Natürlich hätte ein 'Ja' nicht bedeutet, dass die Spiele anschließend auch an die Elbe gegangen wären. Garantiert ist in diesen unsicheren Zeiten nämlich wenig. Aber wer nicht lebt, wird nichts erleben. Hamburg sei das Tor zur Welt, heißt es, aber die Bürger haben dieses Tor verriegelt und den Schlüssel weggeworfen. Die traurigste Erkenntnis daran ist nicht, dass sie den Schlüssel womöglich nicht wiederfinden werden. Sondern dass sie ihn überhaupt nicht wiederfinden wollen."

Christoph Kapalschinski, Handelsblatt Online

"Es muss jetzt um ein Konzept gehen, wie sich der deutsche Sport in der Zukunft aufstellt. Dass sich Hamburg nicht bewirbt, ist eine Chance, um Wege jenseits des Medaillenwahns zu finden. Vielleicht denkt irgendwann auch das IOC wirklich um und macht aus seinem Giga-Event wirklich wieder ein nettes Sportfest. Bislang sind den schönen Absichtserklärungen zu Bescheidenheit keine Taten gefolgt. Daher ist es ein richtiges Signal, wenn Deutschland zeigt: Wir wollen kein Milliardengrab Olympia. Also, jetzt bitte keine Diskussion um Berlin 2028 oder Frankfurt 2032. Steckt die Milliarden lieber in den gelebten Sport."

René Hofmann, Süddeutsche.de

"Nach dem Nein für Winterspiele in München hat sich der organisierte Sport nun schon die zweite donnernde Absage bei der Bevölkerung eingehandelt. Diese wird lange nachhallen. Olympia in Deutschland - auf Sicht ist diese Idee zu begraben. All den Sportarten, denen sich nur alle vier Jahre eine große Bühne bietet, muss das einen Schrecken einjagen. Und auch IOC-Präsident Thomas Bach kann das Votum nicht gefallen. Es zeigt, dass sein Programm zur Reformierung des Internationalen Olympischen Komitees nicht überzeugt."

Michael Reinsch, Faz.net

"Noch weniger aber als Politik und Politikern scheint die Öffentlichkeit dem Sport und ihren Vertretern zu glauben. Das dürfte weniger Alfons Hörmann betreffen, den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbund. Er setzte den Kandidaten Hamburg anstelle des Kandidaten Berlin durch. Vielmehr richtet sich der Blick auf seinen Vorgänger Thomas Bach. Ihn, den Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, holt die Ablehnung der Kandidatur Münchens um die Winterspiele 2018 ein. (...) Mit seinem Versprechen von der Reform des größten Sportfestes der Welt lieferte er Hamburg kein Argument pro Bewerbung. Diejenigen, die dafür sprachen, landeten stets bei dem dialektischen Dreher, gerade weil der internationale Spitzensport so verkommen sei, müsse man Olympia die Chance geben, sich mit Spielen in Deutschland zu erneuern. Der Traum von Olympia in Deutschland ist gestorben, lautete eine Klage am Sonntagabend. Er war, das zeigt sich nun, schon vor der Abstimmung ausgeträumt."

Oliver Fritsch, Zeit Online

"Der entscheidende Grund war das Misstrauen der Bürger gegenüber dem Sport. Das wohlverdiente Misstrauen, muss man sagen. Einigen Insidern ist schon lange klar, dass der Sport eine vordemokratische Institution ist. Unter Werten versteht sie die Nullen vor dem Komma. Teilweise muss man von organisierter Kriminalität sprechen, wie bei der Fifa. Dieses Wissen über den Saustall Sport ist inzwischen bei Publikum angekommen."

Christian Hönicke, Tagesspiegel

"Einen entscheidenden Anteil an der Ohrfeige durch die Bürger hat wohl – wie auch beim Tempelhofer Feld in Berlin – die Politik. Konkret: Olaf Scholz (SPD). (...) Scholz scheiterte, weil er sein Versprechen nicht hielt, transparent zu arbeiten. Die wichtigste Frage ließ er unbeantwortet: Wer zahlt’s? Und wer zahlt drauf, wenn’s erwartungsgemäß teurer wird?"

Ulrich Exner, Die Welt

"Das 'Nein' zu Olympia in Hamburg ist also ein ziemlich groß beschriebener Denkzettel, nicht nur für Olaf Scholz. Sondern für die Politik insgesamt, die wieder einmal, wie so häufig bei Volksabstimmungen in Hamburg, die Menschen nicht überzeugen konnte von ihrem Weg. Die mehr Widerstand mobilisiert hat als Zustimmung. 50 Prozent Beteiligung an der Abstimmung, das klingt ordentlich. Das heißt aber auch, dass trotz bester Bedingungen, 50 Prozent nicht abgestimmt haben. Dass der Hälfte der Menschen, die alle Abstimmungsunterlagen quasi auf dem Silbertablett nach Hause geschickt bekommen hatten, Olympia das Kreuzchen nicht wert war, das sie hätten setzen müssen. Insofern hat Hamburg dieses große Fest der Jugend und der Zuversicht, das Olympische Spiel sein können, auch nicht verdient."

Und so wurde das Ergebnis in den Social-Media-Kanälen kommentiert:

Facebook-Post von Stefan Zschaler, Geschäftsführer von Leagas Delaney Hamburg:
Stefan Zschaler Facebook-Post
Stefan Zschaler Facebook-Post (Bild: Screenshot Facebook)
Facebook-Post der Hamburger Agentur Thjnk:
Thjnk Facebook-Post
Thjnk Facebook-Post (Bild: Screenshot Facebook)
Facebook-Post von Arno Lindemann, Geschäftsführer LLR Hamburg:
Arno Lindemann Facebook-Post
Arno Lindemann Facebook-Post (Bild: Screenshot Facebook)
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