Zum "Writers-in-Prison-Day" Deutsche Medien veröffentlichen Text der "Cumhuriyet"-Redaktion

Montag, 14. November 2016
Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau
Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau
Foto: Alex Grimm / Getty Images

Aus Solidarität mit der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" veröffentlichen zahlreiche deutsche Medien am Dienstag einen Text der türkischen Kollegen. "Wir beobachten seit Monaten, wie sehr die Pressefreiheit in der Türkei unter Druck gerät und dass Kolleginnen und Kollegen festgenommen werden", sagte am Montag Bascha Mika, Chefredakteurin der "Frankfurter Rundschau", auf deren Initiative die Solidaritätsaktion zurückgeht. "Wir leben in Deutschland in relativer Sicherheit, das heißt aber nicht, dass wir uns zurücklehnen dürfen."
Zum "Writers-in-Prison-Day" am Dienstag wollten mehr als 30 deutsche Tageszeitungen und mehrere große Online-Medien daher ein Zeichen setzen, um gegen die Verfolgung der Journalisten in der Türkei zu protestieren. In ihrem Text beschreiben die türkischen Journalisten ihre Erfahrungen mit der Arbeit unter erschwerten Bedingungen, nachdem mehrere Redakteure festgenommen worden waren: "Wir Mitarbeiter versuchen, ruhig und gelassen zu bleiben. Es gilt eine Zeitung herauszubringen. Wir haben keine Alternative, als unserem Beruf nachzugehen." Die Festnahmen seien nicht überraschend gekommen. "Wie alle Oppositionellen wollte man die 'Cumhuriyet' zum Schweigen bringen. Dabei machte die 'Cumhuriyet' keine Opposition, sondern nur Nachrichten." Aber das politische Klima sei während des Ausnahmezustands rauer geworden.

"Die Nachricht unserer Freunde aus dem Gefängnis – 'Uns geht es gut, lasst es euch auch gut gehen' – ist die Garantie, dass wir in unserem Beruf, im Journalismus, gewinnen werden", erklärt die "Cumhuriyet"-Redaktion. "Wir wollen nur eines: die Pressefreiheit."

Das Ziel sei, für jene eine Stimme zu sein, die keine haben. "Unsere Arbeit ist schwer, der Druck ist groß, die Bedrohungen ernst. Aber nichts davon wird uns abhalten." Der "Cumhuriyet"-Text endet mit einem Zitat von Chefredakteur Murat Sabuncu, den er aus der Untersuchungshaft geschrieben habe: "Wir werden uns nur unserem Volk und unseren Lesern beugen!"

Der Vorsitzende der Stiftung der Zeitung, Akin Atalay, war erst am Freitag festgenommen worden. Sabuncus Vorgänger als Chefredakteur ist Can Dündar, der die Türkei bereits vor dem Putschversuch im Juli verlassen hat und inzwischen in Deutschland im Exil lebt. Dündar und der Hauptstadtbüroleiter der Zeitung, Erdem Gül, waren im Mai zu fünf Jahren und zehn Monaten beziehungsweise fünf Jahren Haft verurteilt worden. Sie wurden für schuldig befunden, geheime Dokumente veröffentlicht zu haben, die türkische Waffenlieferungen an Islamisten in Syrien 2015 belegen sollen. dpa
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