"Zu verspielt und oberflächlich" Die neue "Allegra" im Expertencheck

Dienstag, 05. April 2016
Allegra liegt nach 10 Jahren Abstinenz wieder im Kioskregal
Allegra liegt nach 10 Jahren Abstinenz wieder im Kioskregal
Foto: Axel Springer Mediahouse

Seit einigen Tagen liegt "Allegra" wieder am Kiosk. In diesem Jahr wird die Frauenzeitschrift aus dem Axel Springer Mediahouse sechsmal erscheinen, in kommenden Jahr dann sogar monatlich. Wie schätzen Media-Experten die Erfolgsaussichten des Titels im eng besetzten Segment der Frauenmagazine ein? HORIZONT Online hat nachgefragt.
Die Urteile der Experten zum Neustart von "Allegra" fallen gemischt aus. "Ein mutiges und äußerst ambitioniertes Unterfangen in einem recht vollen Haifischbecken mit begrenzter Nahrung", meint zum Beispiel Michael Mülbüsch, Chief Investment Officer bei Mindshare. Auch Anne-Katrin Bida, Leiterin Beratung Media bei Pilot Hamburg, schätzt die Erfolgssaussichten von "Allegra" eher durchwachsen ein. Das Heft gefalle ihr persönlich zwar sehr gut, der Zeitpunkt für ein Comeback sei aber schwierig, "da es ohnehin schon so viel Bewegung durch Neustarts und Titelüberarbeitungen gibt". Guido Friebel, Director Print bei ZenithOptimedia, schätzt die Situation ähnlich ein: "Immer mehr Magazine kämpfen um einen Regalplatz am PoS und um die Gunst der Leserinnen. Der Markt hat sich zunehmend vom Massenangebot zum Nischenangebot entwickelt." Für eine kleine Nische sieht er aber durchaus Potenzial für "Allegra". Ob Axel Springer ein Platz in der Nische ausreicht, wird sich zeigen.

Anne-Kathrin Bida, Leiterin Beratung Media, Pilot Hamburg

Anne Kathrin Bida
Anne Kathrin Bida (Bild: Pilot Hamburg)
Wie schätzen Sie die Erfolgschancen von "Allegra" anno 2016 ein?
Durchwachsen. Das Heft ist klasse sowohl für Leser als auch für Kunden. Aktuell ist es jedoch ein schwieriger Zeitpunkt für ein Comeback, da es ohnehin schon so viel Bewegung durch Neustarts und Titelüberarbeitungen gibt. Plus: Gerade die junge Zielgruppe liest immer mehr im Netz statt Zeitschriften zu kaufen. Viele dieser Neuerungen werden über die Prototyp-Phase nicht hinauskommen und ich bin mir nicht sicher, ob "Allegra" es schaffen wird.

Wie gefällt Ihnen die Neuauflage persönlich?
Sehr gut, weil sie sowohl inhaltlich als auch optisch modern und frisch ist, außerdem informativ, kritisch und tiefgründig. "Allegra" hat zudem den Anspruch, neue Geschichten zu bringen, die man nicht schon überall woanders gelesen hat – sehr positiv, wie ich finde.

Michael Mülbüsch, Chief Investment Officer, Mindshare

Michael Mülbüsch zieht in die Geschäftsführung von Mindshare ein
Michael Mülbüsch zieht in die Geschäftsführung von Mindshare ein (Bild: Mindshare)
Wie schätzen Sie die Erfolgschancen von "Allegra" anno 2016 ein?
In einem Satz: Ein mutiges und äußerst ambitioniertes Unterfangen in einem recht vollen Haifischbecken mit begrenzter Nahrung. Aber auch wenn man den Vergleich nicht sauber führen kann, "Barbara" hat vorgemacht, dass man sich trotzdem seinen Platz schaffen kann.

Wie gefällt Ihnen die Neuauflage persönlich?
Für einen Mann keine leichte Frage… Konzeptionell gut gemacht, in Teilen natürlich auch etwas austauschbar aber sie hat eine echte zweite Chance am Markt verdient – wir drücken die Daumen.

Guido Friebel, Director Print bei ZenithOptimedia

Guido Friebel
Guido Friebel (Bild: ZenithOptimedia)
Wie schätzen Sie die Erfolgschancen von "Allegra" anno 2016 ein?
Schon wieder eine neue Frauenzeitschrift? Neu nicht unbedingt, eher eine alte Bekannte. "Allegra" kommt nach zwölf Jahren zurück und ist kein bisschen älter geworden. Sie ist sich treu geblieben und bietet einen Mix aus spannenden Themen, in der Fashion und Beauty nicht die Hauptrolle spielen.

Aber seit der Einstellung der "Allegra" im Jahr 2004 ist das Zeitschriftenangebot für Frauen massiv ausgebaut worden. Immer mehr Magazine kämpfen um einen Regalplatz am PoS und um die Gunst der Leserinnen. Der Markt hat sich zunehmend vom Massenangebot zum Nischenangebot entwickelt. Potenzial für eine kleine Nische gibt es für "Allegra" durchaus. Das Magazin unterscheidet sich deutlich vom Rest der deutschen Frauenmagazine, hat eine eigenständige Positionierung und wird sich im Lesermarkt auf kleinem Niveau etablieren.

Das Magazin bietet somit der werbungtreibenden Industrie ein attraktives Umfeld. Aber da der Werbekuchen für Printmedien ja bekanntlich nicht größer wird, steht Media Impact vor einer Herausforderung – der Vermarktung. "Allegra" ist ein Exot im Magazinportfolio von Media Impact. Zu unterschiedlich sind die Zielgruppen der übrigen Frauenzeitschriften wie beispielsweise "Bild der Frau", "Frau im Spiegel" oder "Die Aktuelle". Für eine gemeinsame Vermarktung mit den Lifestyle-Supplements "Blau" und "Icon" fehlt der "Allegra" jedoch der Luxus-Approach. Wir sind gespannt wie dieser Spagat gelingt.

Christiane Cammin, Deputy Director Insight Planning bei PHD Germany

Wie schätzen Sie die Erfolgschancen von "Allegra" anno 2016 ein?
Die neue "Allegra" wird es wahrscheinlich schwer haben, sich nachhaltig bei der anspruchsvollen Zielgruppe zu etablieren. Der Anspruch "anders" zu sein wird zwar erfüllt, aber das Heft macht insgesamt einen sehr unruhigen Eindruck – das macht es einem schwer, die eigentliche Persönlichkeit der neuen Allegra zu erkennen.

Wie gefälllt Ihnen die Neuauflage persönlich?
Mir persönlich ist die Allegra in weiten Teilen zu verspielt und oberflächlich.

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