Zenguard Ausgerechnet Axel Springer investiert in Adblocker-Startup

Donnerstag, 04. August 2016
"Bild" sperrt Adblocker-Nutzer aus.
"Bild" sperrt Adblocker-Nutzer aus.
Foto: Axel Springer

Der Axel-Springer-Verlag geht normalerweise juristisch gegen Adblocker-Anbieter vor. Dabei ist der Konzern selbst an einem Werbeblocker-Startup beteiligt – ein Widerspruch?
Wer seit Oktober 2015 mit einem aktivierten Adblocker das Online-Portal Bild.de des Axel-Springer-Verlags besucht, steht vor verschlossenen Türen. Die Inhalte werden erst nach Deaktivieren des Werbeblockers angezeigt. Mit Anbietern wie der Eyeo GmbH (Adblock Plus) duellieren sich die Juristen des Verlags zudem gern vor Gericht – bisher allerdings weitgehend erfolglos. Da ist es zumindest etwas seltsam, dass ausgerechnet der Axel-Springer-Verlag in ein Startup investiert, das Anzeigen auf Webseiten blockiert.
Adblocker: Zenguard-Web-Firewall blockiert auch Werbung auf Bild.de.
Adblocker: Zenguard-Web-Firewall blockiert auch Werbung auf Bild.de. (Bild: Zenguard/Google)

Die Springer-Tochter Plug and Play Accelerator hält 4,27 Prozent an dem Startup Zenguard, weitere 18,75 Prozent hält Project A Ventures, an dem Axel Springer beteiligt ist, wie Golem.de berichtet. Auf den offensichtlichen Widerspruch angesprochen gab ein Verlagssprecher gegenüber dem Techportal an, dass die zur Disposition stehende Zenguard-Anwendung Web-Firewall lediglich infizierte Ads ausblende und somit vor Schadprogrammen schütze. Das stimmt zumindest derzeit nicht, denn die Anwendung blockiert jede Werbung – auch die Werbung auf Bild.de, sodass Nutzer dort mit dem Adblocker-Stoppschild empfangen werden. Das Browser-Plugin für Chrome arbeitet auf der Basis von Ublock und mit Filterlisten wie Easy List. Allerdings soll es sich bei dem Plugin noch um einen Prototypen handeln, wie Zenguard, Anbieter des VPN-Tools Zenmate, schreibt.

Dennoch kann eine Beteiligung am Anbieter des Adblocker-Plugins für den Axel-Springer-Verlag Sinn ergeben: Sollte das finale Produkt tatsächlich gezielt infizierte Online-Anzeigen erkennen und blockieren können, reguläre Werbung aber anzeigen, wäre das ein gutes Argument gegen die Nutzung von Adblockern. Denn viele Nutzer berufen sich bei dem Einsatz von Werbeblockern auch auf den Schutz vor Malware.

"t3n" gibt es seit 2005
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Bild: Yeebase Media
 Dieser Beitrag erschien zuerst bei t3n.de

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