Zeitungsvermarktung So will sich Score Media die Werbebudgets der Kunden holen

Montag, 05. September 2016
Hier ist er: Heiko Genzlinger spricht erstmals über die Pläne, die er mit Score Media verfolgt
Hier ist er: Heiko Genzlinger spricht erstmals über die Pläne, die er mit Score Media verfolgt
Foto: Score Media

Rechtzeitig zu den anstehenden Jahresgesprächen für 2017 startet der Zeitungsvermarkter Score Media mit dem operativen Geschäft – und mit Versprechen im Superlativ. „Maximale Effizienz“ hätten Werbekunden und Agenturen zu erwarten, „maximal flexible Angebote“, außerdem „maximale Crossmedia-Reichweite“. „Vorgefertigte 0815-Standards und enge Produktkorsette waren gestern“, sagt CEO Heiko Genzlinger.

Wie geht Score Media vor?

Klar ist: Anders als es bislang bei den zu Score Media verschmolzenen Vermarktern NBRZ und Medienhaus Deutschland der Fall war, definieren Genzlinger und sein Team keine Angebote und  Belegungskombis vor, sondern setzen auf größtmögliche Flexibilität im Kundengespräch. Basierend auf verschiedenen Analysen will der in Düsseldorf ansässige Vermarkter damit exakt auf die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens zugeschnittene, kreative Konzepte entwickeln.
„Die Mediaplanung für regionale Tageszeitungen war bisher für nationale Werbungtreibende höchst komplex und zeitintensiv. Genau hier setzt Score Media an, bündelt sämtliche Prozesse, Strukturen und Angebote und positioniert sich als serviceorientierter und flexibler One-Stop-Partner“, beschreibt Genzlinger. Herzstück und Alleinstellungsmerkmal sei das „kundenspezifische und maximal flexible crossmediale Angebot – kreativ, variantenreich und maßgeschneidert, verbunden mit transparenten Leistungsnachweisen.“ Die versprochene Kombination aus maximaler Reichweite und individueller Beratung kommt offenbar bereits an: Laut Score Media hat der Vermarkter schon erste Kunden gewonnen. „Wir werden das Geschäft Schritt für Schritt ausbauen und insgesamt einer der größten Vermarkter in Deutschland werden“, kündigt CEO Genzlinger ambitioniert an.

Wie ist Score Media aufgestellt?


Die Führungsriege um Genzlinger, COO Judith Sterl und CRO Christian Zimmer, baut auf eine vertikale, nach Branchen aufgestellte Organisationsstruktur. Das interdisziplinäre Team setzt sich aus Sales- und Kommunikationsexperten, Strategen, Forschern, Analysten, Disponenten, Mediaplanern und Content-Spezialisten zusammen. Sven Holsten, mehr als 13 Jahre lang Geschäftsführer der NBRZ und dementsprechend Branchenprofi, leitet beispielsweise das Vertical Sales Team. Bis Ende des Jahres soll das Team in den Büros in Düsseldorf und München sukzessive auf rund 40 Mitarbeiter ausgebaut werden.

Was sagen die Gesellschafter?

Unter dem Dach der im April offiziell gegründeten Vermarktungsallianz versammeln sich 25 Verlage, darunter Madsack, die DuMont Mediengruppe, Funke, die SWMH und die Rheinische Post. „Als größte und leistungsstärkste Vermarktungsallianz im deutschen Tageszeitungsmarkt konzentrieren wir uns nun mit geballter Kraft darauf, den regionalen Tageszeitungen im nationalen Werbemarkt und in den aktuellen Jahresgesprächen mit Deutschlands Top-Unternehmen eine starke Stimme zu geben“, kommentiert Christoph Rüth, Geschäftsführer der Madsack-Gruppe und Sprecher der Score-Media-Gesellschafter. Und auch er scheut sich nicht vor ambitionierten Ankündigungen: „Mit unserem frischen Spitzenteam werden wir Werbebudgets auch aus anderen Gattungen zurückholen."

Was bedeutet das für die Zeitungsbranche?

Trotz aller anstrengender Superlative und der Tatsache, dass jeder andere Vermarkter sicherlich auch „maßgeschneiderte Kundenlösungen“ bieten will: Die Zeiten, in denen man Newcomer Score Media nicht ernst nehmen musste, sind vorbei. Möglichst individuelle Angebote zu basteln und Werbung über verschiedene Plattformen mit der – bei allen Verlusten der letzten Jahre – nach wie vor riesigen Reichweite der Tageszeitungen zu paaren, ist möglicherweise das Gebot der Stunde, und es ist gut und notwendig, die Stärken des Mediums in diesem Bereich selbstbewusst zu verkaufen.  Zu eng und unflexibel erschienen in den vergangenen Jahren beispielsweise die Belegungseinheiten der NBRZ - trotz ihrer Vielfalt. Auch den Konzepten des Medienhauses Deutschlands, die erst die Premiumzielgruppe und wenig später den gesamten Markt, unterschiedliche zeitliche Aussteuerungsmöglichkeiten und letztlich sogar Performance-Modelle vorsahen, fehlte der durchschlagende Erfolg. In der Zeitungsvermarktung deshalb einmal auf Neustart zu drücken, ist vor diesem Hintergrund sicher nicht falsch.
Die Frage ist natürlich, ob Score Medias Versprechen nun auch den Praxis-Check überstehen. Können Genzlinger und sein Team in den nächsten Monaten Werbungtreibende und Agenturen mit ihren „maßgeschneiderten Angeboten“ überzeugen? Schaffen Sie es, die Zeitungen wirklich wieder sexy zu machen und sie gegen die Macht von TV zu positionieren? Inwiefern passen sie die Preise an gängige Marktstandards an? Und wie vermitteln sie ihre Entscheidungen den Gesellschaftern, ohne sich von zu vielen würzenden Köchen den Brei verderben zu lassen? Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Ströer, der die Websites der Score-Media-Verlage vermarktet, und wer hat in der Praxis das Erstzugriffsrecht auf das Inventar? Wie reagiert Vor-Während-und-Zukunftskonkurrent Media Impact, der in der Tageszeitungsvermarktung ebenfalls die Marktführerschaft beansprucht? Sollte Score Media gleich zu Beginn der Jahresgespräche weitere Kunden von seinem Konzept überzeugen können, stehen der deutschen Medienlandschaft jedenfalls spannende Debatten ins Haus. kan
Meist gelesen
stats