Zeitungsmarkt Hamburg Axel Springer kündigt Vertrieb der "Zeit"

Mittwoch, 26. März 2014
Das Pressehaus der "Zeit" in Hamburg (Foto: David Kostner/CC BY-SA 3.0)
Das Pressehaus der "Zeit" in Hamburg (Foto: David Kostner/CC BY-SA 3.0)


Anfang April startet "Die Zeit" ihren neuen Lokalteil für Hamburg. Doch ausgerechnet in ihrem Heimatmarkt stößt die erfolgsverwöhnte Wochenzeitung auf Widerstand: Axel Springer, Noch-Eigner des "Hamburger Abendblatts", hat den Vertriebsvertrag mit dem Zeit-Verlag gekündigt. Bei der "Zeit" bedauert man die Entscheidung, gibt sich aber gelassen. Rund 7000 "Zeit"-Abonnenten in Hamburg wurden bislang vom Zustellservice des "Hamburger Abendblatts" mit beliefert - rund ein Viertel der Leser in der Hansestadt. Diese bekommen ihre Zeitung künftig per Post. Bei Axel Springer bezeichnet man die Kündigung der Vertriebskooperation auf Nachfrage als "unternehmerische Entscheidung". Den Start der Hamburger Seiten der "Zeit" sehe man indes gelassen, so eine Sprecherin gegenüber HORIZONT.NET.

Die Reaktion von Axel Springer zeugt allerdings von einer gewissen Nervosität und der nicht unbegründeten Sorge, doch Leser an die "Zeit" zu verlieren. Der Wochenzeitung spielen die sich verändernden Lesegewohnheiten in die Hände: In den vergangenen Jahren eilte das Blatt von einem Auflagenrekord zum nächsten, während das "Hamburger Abendblatt" wie fast alle Tageszeitungen Auflage verliert. Derzeit hat "Die Zeit" rund 33.000 Abonnenten in Hamburg und Umgebung. In Österreich konnte die Zeitung mit einer eigenen Ausgabe die Zahl ihrer Abonnenten von 10.000 auf knapp 20.000 nahezu verdoppeln.

Bei der "Zeit" reagiert man verwundert auf die Entscheidung von Axel Springer: "Wir finden die Reaktion des Hamburger Abendblatts auf den Start unserer Hamburg-Seiten sehr bedauerlich", sagt Verlagsleiterin Stefanie Hauer: "Das Abendblatt schadet damit sich selbst, weil es durch die Kündigung gute Deckungsbeiträge für seine Zustell-Leistung verliert. Und es hat auch keinen Vorteil davon, unseren Markteintritt zu behindern. Die Leserschaften von 'Zeit' und 'Abendblatt' haben, wie die Marktstudien beweisen, kaum Überschneidungen."

Die "Zeit" würde als Wochenzeitung eine ganz andere Funktion erfüllen als das täglich erscheinende "Hamburger Abendblatt", jeder Titel habe seine eigene Positionierung und Zielgruppe: "Unser Ziel ist, wieder mehr Hamburger für das Zeitunglesen zu begeistern. Das sollte doch das gemeinsame Anliegen aller Zeitungen in der Stadt sein", betont Hauer - und signalisiert weiterhin Bereitschaft zur einer Zusammenarbeit mit Axel Springer: "Unsere Tür steht offen, sollte sich das Abendblatt doch dafür entscheiden, weiterhin mit uns zu kooperieren." dh
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