Zeitungskrise DuMont streicht jede zehnte Stelle in Köln

Mittwoch, 25. September 2013
Geschäftsführer Froben muss massiv kürzen
Geschäftsführer Froben muss massiv kürzen


Schlechte Nachrichten aus Köln: M. DuMont Schauberg baut bis Ende nächsten Jahres 84 der insgesamt 850 Stellen bei seinen Kölner Zeitungen ab. Von der Streichung sind Verwaltung, Verlag und Druckzentrum betroffen. Grund sind massive Umsatzrückgänge. Der Verlag erwartet im Anzeigen- und Beilagengeschäft für 2013 ein Minus von 10 Millionen Euro.
Zur Verlagsgruppe DuMont gehören "Kölner Stadt-Anzeiger", "Kölnische Rundschau" und "Express" sowie "Berliner Zeitung" und "Mitteldeutsche Zeitung". Die Stellenstreichungen betreffen die 100-Prozent-Tochter M. DuMont Schauberg Expedition der Kölnischen Zeitung GmbH & Co. KG, in der die Kölner Zeitungstitel erscheinen. Dort war der Anzeigenumsatz bereits 2012 um 10 Millionen Euro gesunken.

"Die nun beschlossenen Schritte sind für alle betroffenen Mitarbeiter von einschneidender Tragweite. Dennoch sind sie notwendig. Denn ohne ein wirtschaftlich solides Fundament können Medienhäuser nicht mehr auf die Umbrüche am Markt reagieren und die so wichtigen Investitionen in die Zukunftsfähigkeit tätigen", kommentiert Geschäftsführer Karl-Heinz Goßmann, der bei DuMont Finanzen und Verwaltung verantwortet, den Abbau.

Anzeigenverkauf, Zeitungsverkauf und Verlagswerbung der rheinischen Zeitungen sollen in die schon bestehende Tochtergesellschaft MVR Media Vermarktung Rheinland integriert werden, in der bislang die Onlinevermarktung gemacht wird. Der Verlag erhofft sich von der Zusammenfassung, dass die Vermarktung agiler und effektiver wird. Wirtschaftlich sollen die verbleibenden Mitarbeiter durch den Übergang nicht schlechter gestellt sein.

"Mit der Fokussierung auf den Kernbereich der originären Verlagstätigkeiten in einer Vermarktungsgesellschaft wird die neue Organisation künftig noch schneller und effektiver auf die Bedürfnisse und Wünsche unserer Kunden reagieren können", sagt Philipp M. Froben, der die Zeitungsgruppe Köln seit Jahresbeginn auf Verlagsebene verantwortet.

Der Stellenabbau ist eine weitere schlechte Nachricht bei DuMont. Vergangenes Jahr hatte der Verlag die Insolvenz der "Frankfurter Rundschau" ankündigen müssen, die anschließend von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" übernommen wurde. Bei der "Berliner Zeitung" hatte DuMont im April Stellenstreichungen angekündigt. Die "Berliner Zeitung" hatte weite Teile aus einer Mantelredaktion mit der FR erhalten.

Die gesamte Verlagsgruppe DuMont hat insgesamt im Jahr 2011 einen Umsatz von 710 Millionen Euro gemacht. Für 2012 gibt es auch auf Nachfrage keine Zahlen. Derzeit beschäftigt der Verlag 3800 Mitarbeiter 10 Prozent weniger als 2011. DuMont ist massiv betroffen von den insgesamt rückläufigen Umsätzen im Zeitungsgeschäft. Laut Nielsen hat die Gattung seit Jahresbeginn bis August 11,3 Prozent Bruttowerbeumsatz verloren. Mehr als jede andere Gattung leiden die Zeitungen unter einem Shift hin zu Online.

Der Verlag selbst stand in den vergangenen drei Jahren immer wieder in den Schlagzeilen. Patriarch Alfred Neven DuMont und sein Sohn Konstantin Neven DuMont hatten sich 2010 in einem in aller Öffentlichkeit ausgetragenen Streit überworfen. Seither sitzt die Tochter Isabella Neven Du Mont mit im Vorstand. pap
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