Zeitungskongress Neven DuMont fordert Reform des Medien-Kartellrechts

Dienstag, 30. September 2014
Alfred Neven DuMont beim Zeitungskongress 2014
Alfred Neven DuMont beim Zeitungskongress 2014
Foto: Foto: BDZV

Ob Gratis-Nachrichten im Netz oder die Internet-Konzerne: Gedruckte Zeitungen müssen sich immer mehr der Konkurrenz anderer Medien stellen. Für den Verleger Alfred Neven DuMont ("Kölner Stadt-Anzeiger", "Mitteldeutsche Zeitung") sind die größten Rivalen der Verlage längst nicht mehr andere Verlagshäuser, sondern etwa ARD und ZDF, Google oder Facebook. Das Kartellrecht mit ihren engen Grenzen für Fusionen in der Zeitungsbranche sei deswegen veraltet, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Mediengruppe M.DuMont Schauberg am Dienstag auf dem Zeitungskongress des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in Berlin.
Neven DuMont forderte nach zehn Jahren einen neuen Vorstoß zur Reform des Kartellrechts. In dieser Zeit habe sich die Medienlandschaft grundlegend geändert. "Das Kartellrecht ist die reine Lehre, aber die reine Lehre von gestern", sagte der Verleger. Das heutige Recht schütze nicht mehr das Überleben der journalistischen Vielfalt, sondern trage dazu bei, dass es immer weniger redaktionelle Einheiten gebe.
„Das Kartellrecht ist die reine Lehre, aber die reine Lehre von gestern.“
Alfred Neven DuMont
Zwar hielten Politiker gerne Sonntagsreden über die wichtige Rolle der Zeitungen für die Demokratie, sagte Neven DuMont. Doch die Realität sehe anders aus. "Wir dürfen uns nicht einbilden, dass wir beliebt sind." Er forderte seine Verleger-Kollegen dazu auf, sich bei ihren Bundestagsabgeordneten vor Ort für die Zeitung stark zu machen. Auflagenverluste könnten nur durch Qualität - und damit durch höhere Preise - aufgefangen werden. Zeitungen müssten mehr Hintergründe, vertiefende Reportagen liefern und Zusammenhänge bieten.

Der BDZV feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag. Neven DuMont war Verbandspräsident von 1980 bis 1984.

Der Verleger Dirk Ippen ("Hessische/Niedersächsische Allgemeine", "Münchner Merkur") betonte auf dem Kongress den mittelständischen Charakter der Zeitungsbranche in Deutschland. Rund 200 Verlage stellten etwa 1500 Lokalausgaben her. Zwar hätten die deutschen Verleger erst spät auf die Herausforderung des Internet reagiert, sagte Ippen. Sie seien dabei im "Innovations-Dilemma" gefangen gewesen, eine bewährte Technologie - das Drucken von Papier - für das unbekannte Internet einzutauschen. Wichtig für das Überleben der Branche sei aber, die Leser immer wieder anzusprechen. "Finde ich mich in der Zeitung wieder?" - dieser Frage der Zeitungsleser müssten sich die Redaktionen stellen, sagte der Verleger.
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