Zeitungskongress Mathias Döpfner: "Die Lage ist ernst"

Montag, 18. September 2017
Mathias Döpfner beim Zeitungskongress in Stuttgart
Mathias Döpfner beim Zeitungskongress in Stuttgart
© BDZV / David Ausserhofer
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Nachdem sich der BDZV-Präsident am Morgen der medienpolitischen Agenda der Zeitungsverleger gewidmet hatte, schlug Mathias Döpfner am Nachmittag den Bogen zur Gesellschafts- und Weltpolitik. Dabei scheute er auch nicht alarmistische Töne, um die in Stuttgart versammelten Verleger an das zu erinnern, was ihre Aufgaben sind.

Springer-Vorstandschef Döpfner malte zu Beginn seiner Rede das Bild einer Welt, „in der Anschläge in den Großstädten Europas Alltag sind“ und die Bereitschaft steige, Freiheiten aufzugeben, sich „einer kleinen, radikalen Minderheit“ zu unterwerfen.

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Er verwies darauf, dass die Pressefreiheit nie so gefährdet gewesen sei wie heute, nicht nur in Ländern wie Aserbaidschan, Nordkorea oder China, sondern auch in Osteuropa, in der Türkei. Weltweit hätten inzwischen nur noch 13 Prozent der Menschheit Zugang zu freien Medien, mahnte Döpfner und fragte: „Und was tun wir?“

In seiner Antwort erinnerte er an die Alliierten, die der Nazi-Barbarei ein Ende gesetzt hätten und an die USA, ohne die vierzig Jahre danach die Wiedervereinigung nicht zustande gekommen wäre. Unabhängig vom derzeitigen US-Präsidenten gelte: „Jetzt ist es Aufgabe der Europäer, unsere Aufgabe, die Werte, die uns die USA vermittelt haben, zu verteidigen und vorzuleben“.

Mathias Döpfner beim Zeitungskongress in Stuttgart
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Freiheitliche Werte und Frieden gerieten aber nicht nur durch politische Entwicklungen unter Druck, sagte Döpfner, sondern auch durch die Digitalisierung, die Macht der Daten und Maschinen, Stichwort: Künstliche Intelligenz. Wieder fragte er: „Und was tun wir? Haben wir dem etwas entgegenzusetzen?“

Das Bild, das Döpfner nun zeichnete, geriet apokalyptisch. Es war das einer Welt, in der Maschinen die Übermacht errungen haben. Die rettende Lösung aus diesem Dilemma sei einzig: Journalismus, das „Werkzeug der Freiheit“.

„Sparen sie überhaupt überall, wo Sie wollen, aber bitte sparen Sie nicht bei den Reportern, die da hin gehen, wo es brennt.“
Mathias Döpfner
Journalismus als „der Scheinwerfer der Aufklärung oder, eine Nummer kleiner, zumindest die Taschenlampe des mündigen Bürgers“ stelle die unbequeme Fragen, spreche unangenehme Wahrheiten aus und decke Verdecktes auf und befähige die Bürger auf diese Weise, zu entscheiden, „was er will und was er wählt“.

Genau deshalb fürchteten Diktatoren nichts mehr als freie Presse, genau deshalb sei das journalistische Handwerk seit Jahrzehnten nicht mehr so sehr gebraucht wie heute. Wieder unterstrich er seine Forderungen an die Politik, die dafür Sorge zu tragen habe, dass Journalismus als Geschäftsmodell funktioniere. Doch dabei beließ er es nicht. Döpfners Rede endete mit zwei Forderungen, diesmal an die anwesenden Verleger und Verlagsmanager.

Die 2 Forderungen Döpfners

Erstens appellierte er: „Dass wir für die Grundlagen unseres Geschäftes und damit für die Zukunft des Journalismus und seiner Rolle in der Gesellschaft mit aller Kraft kämpfen.

Und zweitens: „Dass wir zu Hause in unseren Verlagen die Rahmenbedingungen schaffen, damit Journalismus relevant und erfolgreich bleibt.“

Das sei das Prinzip der verantwortlichen Absenderschaft: Es bedeute, nicht nur in digitale Vertriebsformen zu investieren, Workflows zu modernisieren, Technologie zu nutzen, um effizienter zu werden und zu sparen: „Sparen sie überhaupt überall, wo Sie wollen“, sagte Döpfner, „aber bitte sparen Sie nicht bei den Reportern, die da hin gehen, wo es brennt. Sparen Sie nicht an den investigativen Recherchen und den Reisen, die nötig sind. Und sparen Sie nicht an den kritischen Querköpfen, die uns manchmal nerven, die aber oft den Finger in die Wunde legen. Und bitte sparen Sie nicht an den exzellenten Autoren, die so schreiben, dass die Menschen weiterlesen müssen.“

Da war er wieder, Mathias Döpfner, der Journalist, der er einst war und von Verlagen vor allem eines erwartete: dass sie Redaktionen dazu ermutigen, vor Anzeigenboykotts nicht zurückzuschrecken und sich keinem Druck von außen beugen. Döpfner schloss mit dem Satz: „Die Zeiten sind zu ernst. Es geht um zu viel“, nämlich um Journalismus, den „Rohstoff der Demokratie“. usi

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