Zeitschriftenverlag Im Ausland hält G+J nur noch an Frankreich fest

Mittwoch, 29. März 2017
Hat Grund zur Freude: G+J-Chefin Julia Jäkel
Hat Grund zur Freude: G+J-Chefin Julia Jäkel
© Foto: G+J

Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Rabe deutete es bereits an, als er am Dienstag die Eckdaten der Gruner+Jahr-Bilanz bekanntgab: Mit Ausnahme des Frankreich-Geschäfts wird sich G+J weiter aus dem Ausland zurückziehen. Verlagschefin Julia Jäkel nennt 2016 "ein starkes Jahr" und freut sich über ein Gewinnplus, zu dem neben dem digitalen Geschäft dank neuer Titel auch Print beigetragen hat.

Nachdem sich der einst internationalste deutsche Zeitschriftenverlag zuletzt auch aus Spanien und Österreich zurückgezogen hat, ist Gruner + Jahr ohnehin nur noch in den Niederlanden und China aktiv. Wohl nicht mehr lange. Denn auch dieses Geschäft soll veräußert werden. Damit konzentriert sich das Haus auf seine Kernmärkte Deutschland und Frankreich. Die im Vergleich dazu jedoch wichtigste Information, die Rabe vorab am Dienstag nur grob und Jäkel am heutigen Mittwoch detaillierter gab, ist die wirtschaftliche Trendumkehr bei Gruner + Jahr. 

Der Umsatz am Hamburger Baumwall schrumpfte 2016 nur noch um 31 Millionen auf 1,58 Milliarden Euro, das Ergebnis (Operating Ebitda) wuchs um sechs auf 137 Millionen Euro. Dadurch stieg die Rendite von 8,1 auf 8,7 Prozent. Julia Jäkel bilanziert: "Im vergangenen Jahr ist uns viel gelungen. Das sehen wir an dem starken Digitalwachstum, dem stabilen Anzeigen- und leicht gewachsenen Vertriebsgeschäft in Deutschland und der im Wettbewerbsvergleich exzellenten Entwicklung in Frankreich. Wir haben unsere Position in allen für uns relevanten Märkten verbessert. Und wir arbeiten weiter an der Transformation von Gruner + Jahr." 

Als im Foyer des Verlagsgebäudes kürzlich eine Ausstellung mit der bald eigenen Möbelkollektion von "Schöner Wohnen" stattfand, hatten Besucher wie Mitarbeiter den Eindruck, das Haus könne sich womöglich zu etwas transformieren, was weder mit Gruner noch mit Jahr zu tun hat. Damit konfrontiert, redet Jäkel den Start des "Schöner-Wohnen-Shops" kleiner als er angekündigt ist. In der aktuellen Bilanz spielt dieses Zusatzgeschäft bisher keine Rolle. Dort wirkten sich die Magazinstarts der jüngsten Vergangenheit aus, ebenso die in der Vermarktung besser monetarisierten Webseites von "Stern", "Gala" und "Brigitte". 
Bettina Billerbeck / Matthias Frei G+J
Bild: Gruner + Jahr

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Zu den neuen Titeln gehören nach dem Flop mit dem vertriebsorientierten "Frei" und neben den bereits 2015 eingeführten Zeitschriften ("Stern Crime", "Barbara") die 2016 lancierten Hefte "Essen & Trinken mit Thermomix" aus der Deutschen Medienmanufaktur mit dem Landwirtschaftsverlag ("Landlust") und "Wolf", gefolgt vom zunächst als One-Shot angekündigten "F-Mag". Die Neueinführungen hielten das Printanzeigengeschäft stabil und ließ die Vertriebserlöse steigen, während die angestammten Printmagazine, allen voran der "Stern", weiterhin unter Druck stehen. 

Dynamisch wächst das Digitalgeschäft, das 2015 ein Fünftel und 2016 bereits ein Viertel auf den Gesamtumsatz einzahlt. Dazu beigetragen haben unter anderem der Performance-Vermarkter Ligatus, aber auch Eigenentwicklungen wie die Vermarktungsplattform Applike sowie Akquisitionen wie die des Technologieunternehmens LiquidM und in Frankreich der Bewegtbild-Anbieter Groupe Cerise. Nicht zu vergessen: Territory mit der Digitalagentur Webguerillas, der durch die Übernahme des Springer Vertriebs gestärkte Deutsche Pressevertrieb und die mit der RTL-Tochter IP Deutschland gebildete Vermarktungspartnerschaft Ad Alliance. 

Auch in diesem Jahr soll Gruner + Jahr für Investitionen an die hundert Millionen Euro zur Verfügung stehen. Aufgabe im laufenden Jahr wird es sein, vor allem organisch zu wachsen. Die Entwicklung der hundertprozentigen Bertelsmann-Tochter scheint in Gütersloh auf Wohlgefallen zu stoßen. Rabe sagte am Dienstag: "Gruner + Jahr ist Teil der Bertelsmann-Identität. Dort werden wir weiter investieren". usi 

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