Zeitschriftenverleger Rudolf Thiemann, der Katholik an der Spitze des VDZ

Donnerstag, 14. September 2017
Rudolf Thiemann soll VDZ-Präsident werden
Rudolf Thiemann soll VDZ-Präsident werden
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Rudolf Thiemann Hamm VDZ Peter " Bulo " Böhling


Ein konfessioneller Verleger als Präsident des VDZ, das gab es noch nie. Am 5. November ist Premiere: Rudolf Thiemann rückt an die Spitze des Verlegerverbandes.
Die Nominierung Thiemanns ist keine wirkliche Überraschung mehr, sein Name wurde immer wieder genannt, nachdem der Kurzzeit-Präsident Stephan Holthoff-Pförtner Ende Juni als Minister in die nordrhein-westfälische Landesregierung berufen worden war und sein Amt niedergelegt hatte. Am Montag dieser Woche haben sich die Vorsitzenden der VDZ-Landesverbände getroffen. Die Vertreter von Berlin-Brandenburg und Nordrhein-Westfalen schlugen Thiemann vor, letztlich stimmten alle Verbände seiner Kandidatur ausdrücklich zu. Gewählt ist der 62-jährige geschäftsführende Gesellschafter der Liborius-Verlagsgruppe damit noch nicht, denn - auch das eine Premiere - der offizielle Kandidat der Landesverbände hat einen Herausforderer: Peter "Bulo" Böhling, Mitherausgeber des Magazins Clap, hat ebenfalls seine Kandidatur angemeldet. Selbst wenn Böhling, dem als Journalist die satirische Form nicht fremd ist, seine Bewerbung ernst meint, wird sie angesichts der neuen Lage allerdings chancenlos sein.
Stephan Holthoff-Pförtner 2016
Bild: Funke Mediengruppe

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Der  mittelständische Verleger und promovierte Jurist Thiemann steht seit 1985 an der Spitze seines Familienunternehmens in Hamm/Westfalen. In der Branche und ihrem Umfeld ist er bestens vernetzt. Er kenne die verlagswirtschaftlichen Herausforderungen ebenso wie die medienpolitischen Themen, hebt der VDZ hervor. Schon bisher arbeitet er als Vizepräsident im Präsidium des Verbandes mit. Persönliche Integrität und diplomatisches Geschick werden ihm gleichermaßen zugeschrieben.

Dennoch stößt seine Nominierung nicht auf ungeteilte Begeisterung: Der Verleger des Liborius-Blatts, des Bayerischen Sonntagsblatts und der Christlichen Woche ist kein publizistisches Schwergewicht wie Hubert Burda, der zwei Jahrzehnte lang an der Spitze des VDZ stand. Thiemann gilt zudem als persönlich zurückhaltend, er ist 62 Jahre alt, steht also auch nicht für einen Generationswechsel.

Vieles spricht deshalb dafür, dass der Neue ein Übergangspräsident bei den Zeitschriftenverlegern sein wird - zumal sich Thiemann nicht gedrängt hat, das Amt zu übernehmen. Andere Persönlichkeiten aus dem Establishment des VDZ standen nicht zur Verfügung, nur deshalb erklärte er sich zur Kandidatur bereit.

Intern wird Thiemanns wichtigste Aufgabe darin bestehen, die Gräben wieder zuzuschütten, die bei der Wahl seines Vorgängers aufgerissen wurden. Aus Protest gegen die ihrer Ansicht nach intransparente Inthronisierung von Holthoff-Pförtner hatten namhafte Hamburger Verlage - Gruner+Jahr, Spiegel, Zeit und Medweth - den Fachverband Publikumszeitschriften verlassen und den VDZ damit in eine ernste politische und finanzielle Krise gestürzt. Von Thiemann wird erwartet, dass er die "Rebellen" in die Organsiation zurückholt. Auf eine eigene Kandidatur aus ihren Reihen verzichten die vier Hamburger Verlage, auch an der Kandidatenfindung beteiligten sie sich nicht. uv
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