Zeit-Online-Chefredakteur Jochen Wegner "Facebook hat vieles richtig gemacht"

Freitag, 15. Mai 2015
Jochen Wegner
Jochen Wegner
Foto: Die Zeit

An der Schwelle zur Revolution? Mit seinen Instant Articles könnte Facebook den Journalismus monumental verändern. Aus Deutschland beteiligen sich bereits "Bild" und Spiegel Online an den ersten Tests. Doch wie sehen andere Medienhäuser den neuen Serivice? Nachdem bereits "SZ"-Digitalchefredakteur Stefan Plöchinger gegenüber HORIZONT Online zu den Instant Articles Stellung bezogen hat, hat nun auch Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit Online, unsere Fragen zu diesem Thema beantwortet.

Ist der Facebook-Plan ein unter publizistischen wie wirtschaftlichen Gesichtspunkten attraktives Angebot für Medien oder befürchten Sie eine Übermacht des US-Konzerns?
Jochen Wegner: "Ich finde das Angebot interessant, Facebook hat vieles richtig gemacht. Medien sollten grundsätzlich dort vertreten sein, wo ihre Rezipienten anzutreffen sind und in diesem Sinne jede neue Chance prüfen. Das hat in den vergangenen Jahrzehnten gut funktioniert. Seien es BTX, die frühen Online-Dienste und das Web, die großen Portale, Google oder nun Facebook - immer wieder kamen neue Reichweiten-Quellen dazu und jedes Mal haben einige den Untergang des Journalismus nahen sehen. Wir sollten wie stets bei den ersten sein, die mit einer neuen Möglichkeit experimentieren - aber darauf achten, dass wir dabei unser funktionierendes Modell nicht versehentlich beschädigen. Wir dürfen unsere Eigenständigkeit nicht verlieren oder Facebook die Kontrolle über unseren Journalismus geben. Diese Gefahr sehe ich derzeit nicht."

Hat Facebook Sie angefragt, ob Ihr Medium für einen Test zur Verfügung steht?
"Es gab erste Gespräche, aber noch keine Entscheidung. Ein solcher Schritt betrifft ja nicht nur die Redaktion, sondern vor allem Verlag und Vermarkter."

Facebook Instant Articles
Bild: Facebook

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Welche Artikel Ihres Angebots würden Sie als "Instant Articles" auf Facebook posten?
"Das herauszufinden, wäre Teil eines Tests - neben jenen Beiträgen, die wir wichtig finden und ihnen eine möglichst große Verbreitung auf allen Kanälen wünschen, wären es vor allem jene Stücke, die bei den Facebook-Usern auf Interesse stoßen. Unsere Aktivitäten auf Facebook haben schon heute einen anderen, experimentelleren Ansatz als die Homepage von Zeit Online. Wir haben eine sehr gut besuchte Website und müssen in solche einem Kanal kein weiteres journalistisches Vollprogramm anbieten."

Einige Beispiele, wie Facebooks Medienpartner im Ausland Instant Articles nutzen, hat Digiday aufbereitet. Mit dabei sind unter anderem die "New York Times", Buzzfeed und "The Atlantic". vs/ire

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