"Zeit Magazin"-Chef Matthias Kalle "Der Mann will männlich sein"

Donnerstag, 27. März 2014
"Die Zeit" versucht es erstmals mit einem Sonderheft für den Mann
"Die Zeit" versucht es erstmals mit einem Sonderheft für den Mann

Der Frosch Kermit hat in der Regel gut lachen. Verglichen mit den Herausforderungen an den Mann von heute hatte er es mit seiner Gefährtin Miss Piggy meist doch relativ leicht. Mit den aktuellen Herausforderungen für das vermeintlich starke Geschlecht beschäftigt sich am heutigen Donnerstag "Die Zeit". Erstmals liegt der Wochenzeitung ein Sonderheft nur für Männer bei. Im Interview mit HORIZONT.NET erklärt Matthias Kalle, stellvertretender Chefredakteur des "Zeit Magazins", warum. Herr Kalle, wie man hört entstand die Idee für "Zeit Mann" aufgrund der positiven Reaktionen auf die bereits gesetzten Männerschwerpunkte im Magazin. Wie würden Sie die Wünsche der Leser beschreiben?
Es gibt offensichtlich eine Lücke, was Magazine für Männer angeht - vor allem für Männer, die "Die Zeit" lesen. Wir halten es für eine logische und eine gute Idee, diese Lücke zu füllen. Die Leserbriefe, die wir auf unsere Männerschwerpunkte im Magazin bekommen haben, haben uns in diesem Vorhaben bestärkt: Die Leser waren froh, interessante, gut erzählte Geschichten über Männer zu lesen, sie mochten den spielerischen Umgang mit vermeintlichen Männerthemen, wie zum Beispiel unsere "111 Fragen an den Mann von heute" im Jahr 2012.

Matthias Kalle, stellvertretender Chefredakteur des "Zeit Magazins"
Matthias Kalle, stellvertretender Chefredakteur des "Zeit Magazins"
Nun lässt sich ja weder die "Zeit" noch das "Zeit Magazin" mit Publikumszeitschriften vergleichen, dennoch gibt es unter anderem mit "GQ" und "Men's Health" doch einige Angebote für die Zielgruppe. Was unterscheidet "Zeit Mann" vom restlichen Angebot im Markt?
Wir wollen keine Handlungsanweisungen geben. Wir versprechen nicht mehr Erfolg im Beruf, in der Liebe, beim Kleidungskauf oder im Fitnessstudio. Wir nehmen den Mann ernst, deshalb zeigen wir ein realistisches Männerbild. Und die Redaktion hat eine klare Haltung zum Thema Mann die in den 33 guten Nachrichten für den Mann von heute transportiert wird. Wir möchten den Mann auf seiner Suche begleiten: nach seiner neuen Rolle in der Gesellschaft. Der Mann will männlich sein, aber nicht von den Werten vereinnahmt werden, die man gemeinhin mit Männlichkeit verbindet. Er will diese Rolle selbst finden und sie nicht diktiert bekommen.

Ein Konzept, das auch im Werbemarkt ankommt: Gleich mit der ersten Ausgabe konnte "Zeit Mann" Kunden wie Rolex, Bulgari, Brioni und Zenith Uhren begeistern. Für Michael Zehentmeier, Leiter Brand Management der Zeit Gruppe bei Vermarkter IQ Media, keine Überraschung: "Wenn die Redaktion des ,Zeit Magazins' erstmals ein Männermagazin macht, kommt dabei auch etwas Besonderes heraus." Der hohe journalistische Anspruch, gepaart mit Qualität und Originalität, werde von den Kunden geschätzt, außerdem könne "Zeit Mann" nicht nur eine hohe Auflage ("Zeit" IV/2013: 517.273 verkaufte Exemplare) vorweisen, sondern auch eine interessante Zielgruppe: "Männer mit einem überdurchschnittlichen Einkommen und Bildung, Genießer mit hohen Ansprüchen an Qualität und Design." kl
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