"Zeit"-Geschäftsführer Rainer Esser "Einige der Verlage, die Google am lautesten anklagen, investieren am meisten in SEO"

Donnerstag, 16. Februar 2017
Zeit-Chef Rainer Esser ist kein Gegner des Leistungsschutzrechtes.
Zeit-Chef Rainer Esser ist kein Gegner des Leistungsschutzrechtes.
© Mara Monetti

Wer zuverlässig beste Zahlen produziert, darf auch mal austeilen, sogar gegen das eigene Lager. Zeitverlag-Geschäftsführer Rainer Esser etwa: Fast mehr noch als die eigene Bilanz 2016 mit erneutem Umsatzplus und ambitionierte Pläne für 2017 (mehr dazu hier) treibt ihn um, mit welchen Argumenten manche Verlage über die Verwertungsgesellschaft VG Media mit Google um Geld aus dem Leistungsschutzrecht prozessieren.

Google liefere enormen Traffic auf die Sites der Verlage, bei Zeit Online seien es ein Fünftel der Zugriffe. "Dabei müssen wir Verlage uns ja nicht listen lassen – sondern wir wollen es, weil es uns nützt", sagt Esser und wundert sich, dass manche Verlage Google übers Kartellrecht sogar zwingen wollen, gelistet zu werden. "Ich finde die Argumentation, mit der man von Google nun eine Menge Geld fordert, wenig überzeugend und kann die Rechtsgrundlage nicht erkennen", so Esser. Zumal Google seine News-Suche, um die es hier gehe, gar nicht vermarkte.

Und ihn wundert noch etwas: "Einige der Verlage, die Google am lautesten anklagen, investieren selbst am allermeisten in SEO", um von der Google-Suche gefunden zu werden: "Ein eigenartiger Zusammenhang". Ein Gegner des Leistungsschutzrechts ist Esser aber nicht; er hält es lediglich in der aktuellen Fassung für "nicht optimal formuliert" – jedoch "grundsätzlich für richtig und wichtig, dass es ein derartiges Verlegerrecht gibt".

Er befürchtet indes, dass die Klage gegen Google das Anliegen eher schwächt, "das wäre sehr bedauerlich". Mit seiner Kritik am Vorgehen der VG Media stellt sich Esser auch gegen seinen Holtzbrinck-Kollegen Gabor Steingart, den Geschäftsführer der Verlagsgruppe Handelsblatt, die im Herbst, begleitet von dessen lobenden Worten, VG-Media-Anteile übernommen hatte. Seitdem ist Steingart dort auch Aufsichtsrat.

Ein weiteres Thema, das Esser umtreibt: Seine Idee einer Print-Vermarktungsallianz von Premium-Pressetiteln wie "Zeit", "SZ" und "FAZ". Warum er hier noch nicht weitergekommen ist, lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 7/2017 vom Donnerstag, 16. Februar. rp

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