"Zeit"-Chef Rainer Esser "Wir sind anders als Privat-TV mit den immer gleichen Formaten"

Freitag, 07. März 2014
Rainer Esser hat allen Grund für Selbstbewusstsein (Bild: Die Zeit)
Rainer Esser hat allen Grund für Selbstbewusstsein (Bild: Die Zeit)

In der deutschen Printbranche ist die "Zeit" so etwas wie ein Fels in der Brandung: Seit Jahren steigt die Auflage der Wochenzeitung gegen den Markttrend, gleichermaßen klettern Onlinenutzer- und Umsatzzahlen in die Höhe. In der aktuellen Ausgabe 10/2014 analysiert HORIZONT das Erfolgsrezept der Wochenzeitung, zu dem sich die Geschäftsführer Rainer Esser (Verlag) und Christian Röpke auf HORIZONT.NET äußern. Rainer Esser über:

... die Positionierung im Wettbewerb der Gattungen:

"Um uns im Wettbewerb der Gattungen zu positionieren, haben wir uns zur Quality Alliance zusammengeschlossen. Wir verstehen Qualitätszeitungen als eine eigenständige Gattung, deren Merkmale hohe Standards in der journalistischen Qualität und Glaubwürdigkeit, in der harten Auflage und Verlässlichkeit sind. Werbekunden wollen ihre Qualitätsprodukte in starken Marken sehen, die mit Leitartikeln von Helmut Schmidt, Kurt Kister oder Frank Schirrmacher ein hochwertiges Umfeld bieten anders als private TV-Sender mit ihren immer gleichen flachen Formaten."

... das Erfolgsrezept der "Zeit":

"Eine gute Zeitung entwickelt sich fortwährend weiter, ohne ihren Charakter zu verlieren. Wir gehen mit der Zeit und unseren Lesern und machen ihnen ständig neue Angebote: so haben wir eine Kinder- und eine Fußball-Seite ins Leben gerufen, ein Investigativ-Ressort gegründet, ein Ressort für Glauben & Zweifeln, neue Geschichtsseiten oder die Zeit der Leser. Im April 2014 starten wir unsere Hamburg-Ausgabe: acht zusätzliche Seiten für die Metropolregion. Und das "Zeit"-Magazin, das fortwährend neue Formate entwickelt, macht unseren Lesern und Kunden auch viel Freude. Hinzu kommen eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen Print und Online sowie ein exzellenter aktiver Verkauf."

Christian Röpke will die Qualitätsführerschaft von Print ins Netz übertragen (Bild: Die Zeit)
Christian Röpke will die Qualitätsführerschaft von Print ins Netz übertragen (Bild: Die Zeit)
Christian Röpke über:

... das Verhältnis zwischen Print und Online:

"Bei uns gibt es keine Firewall zwischen Print- und Onlineredaktion, wie es bei der Konkurrenz sehr oft der Fall ist. Vielmehr arbeiten beide Bereiche eng und sehr gut zusammen, und die Stärke der digitalen Plattform ist sicher auch eine Stärke für das Haus insgesamt."

... Paid Content:

"Paid Content ist mit so vielen gescheiterten Versuchen belastet, auch das Wort Bezahlschranke ist meiner Meinung nach zu negativ behaftet. Den Begriff Membership finde ich dagegen gar nicht schlecht. Ein Kunde ist Mitglied und hat Zugriff auf ein gewisses Produktportfolio mit bestimmten Vorteilen. Das lässt sich auch auf unser digitales Abo als Konzept ausweiten. Für Zeit Online stellen wir die Vermarktung unserer Reichweite in den Vordergrund. Wir wollen unsere Reichweite weiter ausbauen und digital weiter stark wachsen. Eine Bezahlschranke planen wir derzeit nicht."

... Mobile:

"Es liegt an uns, am Markt, aber auch an den Agenturen der Kunden, das Thema Mobile noch stärker zu verankern. Zu viele Werbekunden haben immer noch keine richtig gut adaptierten Mobile-Sites. Ich kann versuchen, viel zu verkaufen, aber wenn die Kunden keine mobilen Seiten haben, auf die sie verlinken können, wird es nicht gelingen. Man sagt zwar immer, der Screen beim Smartphone sei viel kleiner als auf dem Tablet oder dem Desktop, andererseits ist natürlich die Aufmerksamkeit viel ungeteilter. Es gibt kaum ein Gerät, das solch eine Intimität auslöst wie das Mobiltelefon." kl
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