"Zeit" Auflagenplus durch Hamburg-Seiten / "Abendblatt" hält an Zustellkündigung fest

Donnerstag, 17. Juli 2014
Zufrieden mit dem Start von "Zeit Hamburg": Verlagschef Rainer Esser
Zufrieden mit dem Start von "Zeit Hamburg": Verlagschef Rainer Esser
Foto: Die Zeit


Vorläufiger Wasserstand an der Waterkant: Gut drei Monate nach dem Start ihrer Hamburg-Regionalbeilage zieht die "Zeit" eine erste Bilanz - und nennt ambitionierte Ziele. Eine weitere Hoffnung hat sich allerdings vorerst zerschlagen. Nach Verlagsangaben ist die verkaufte Auflage im Raum Hamburg seitdem durchschnittlich von gut 33.000 auf 37.000 Exemplare gestiegen, um über 10 Prozent also. Und laut einer Leseranalyse gehöre der Hamburg-Teil vom Start weg zu den drei beliebtesten Ressorts. Der Anzeigenverkauf liege "deutlich über Plan", so dass die Beilage anstatt der kalkulierten acht meist zehn Seiten umfasse. Man habe vor allem Kunden aus dem gehobenen Handel (darunter Chanel, Paul Smith und das Alsterhaus, aber auch Media Markt) und der Touristik (Cunard) gewonnen, außerdem Banken (Jyske-Bank) und Kulturhäuser (Hamburger Staatsoper).

Die weiteren Ziele sind ehrgeizig. In Österreich habe sich die Auflage durch die eigene Regionalausgabe binnen zehn Jahren verdoppelt (von 10.000 auf 20.000 Stück) und in der Schweiz in sechs Jahren um über 50 Prozent zugenommen (auf gut 10.000 Hefte). "Mit einer ähnlichen Entwicklung rechnen wir für Hamburg", sagt "Zeit"-Geschäftsführer Rainer Esser. Das würde bedeuten, dass die "Zeit" in der Hansestadt und Umgebung im Jahr 2020 über 50.000 Stück und im Jahr 2024 etwa 67.000 Hefte verkauft. Schon vorher - 2016, im dritten Jahr - soll das Projekt seinen Break-even erreichen.

Derweil hat sich eine andere Hoffnung zerschlagen: Auch nach der Übernahme des "Hamburger Abendblatts" (zuvor Axel Springer) durch die Funke Mediengruppe muss sich der "Zeit"-Vertrieb in seiner Heimatstadt selbst um die Abo-Zustellung kümmern.

Zur Erinnerung: Nach der Bekanntgabe der Regionalisierungspläne der "Zeit" hatte Hamburg-Platzhirsch Axel Springer trotzig den Vertriebsvertrag mit der "Zeit" gekündigt, zu Ende April. Rund 7000 der geschätzt nunmehr 28.000 Hamburger "Zeit"-Abonnenten, die bis dato vom Zustellservice des "Abendblatts" mit beliefert wurden, erhalten ihre "Zeit" seitdem per Post, was für die Wochenzeitung zusätzlichen Aufwand bedeutet. Offenbar hat Springer das Hamburg-Projekt der "Zeit" als Angriff auf seine Titel gewertet, mehr noch auf die Hansestadt-Ausgabe der "Welt am Sonntag" als aufs "Abendblatt".

Doch mittlerweile gehört das "Abendblatt" bekanntlich zu Funke. Hat sich der Knatsch deshalb jetzt gelegt? Nein, "die Kündigung wurde nicht rückgängig gemacht", sagt Esser. Und bedauert: "Wir finden diese Reaktion auf den Start unserer Hamburg-Seiten traurig." Springer/Funke verliere durch die Kündigung "gute Deckungsbeiträge für seine Zustellleistung" und habe keinerlei Vorteil dadurch. Die Hamburg-"Zeit" sei kein Konkurrent des "Abendblatts"; als Tageszeitung erfülle es eine ganz andere Funktion als das "Zeit"-Wochenformat. "Unsere Tür steht offen", sollte sich das "Abendblatt" doch noch dafür entscheiden, weiterhin mit der "Zeit" zu kooperieren, so Esser. rp
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