Zahlenzauber Warum Axel Springer bald kein Print-Umsatzminus mehr vermeldet

Mittwoch, 11. Dezember 2013
Springer hebt die Segmentunterscheidung in Print und Digital, National und International auf
Springer hebt die Segmentunterscheidung in Print und Digital, National und International auf


Na klar, Unternehmen benötigen nach vorn gerichtete Geschichten zum Erzählen. Für Kunden, für Mitarbeiter, für Investoren und Kreditgeber. Vor allem börsennotierte Konzerne brauchen "Stories" für den Kapitalmarkt. Weil auch Zeitgeist und Phantasie den Kurs und den Unternehmenswert treiben. Immer schon ziemlich gut im Geschichtenerzählen war Axel Springer - und auch darin, dies mit Zahlen zu verbinden.
Legendär etwa der seit 2011 von Quartal zu Quartal wiederholte Freudenschrei, dass Springer mehr Werbeerlöse aus dem Digital- als aus dem Printgeschäft erziele. Als "Wendepunkt in der Struktur des Unternehmens" bejubelte Vorstandschef Mathias Döpfner diese Rechung einst. Doch der Zahlenvergleich hinkte stets ein wenig: Denn die Print-Werbeerlöse bezogen sich nur auf Deutschland, die digitalen Werbeumsätze dagegen umfassten auch Springers internationale Aktivitäten.

Doch wer wollte schon Erbsen zählen, wenn es doch um die ganz große Geschichte dahinter ging? Es war schließlich jene Phase, in der die Stories von Medienunternehmen, von Verlagen allemal, mehr technik- als inhaltebezogen klingen mussten, um bei den Stakeholdern Gehör zu finden. Journalismus war da fast ein Malus bei der Bewertung der Zukunftsfähigkeit eines Medienhauses. Zwar hat sich Döpfner immer zum Journalismus bekannt, natürlich. Doch es klang eher nach einer Beschwörung der Wurzeln als nach dem Pflanzen neuer Triebe.

Das hat sich gewandelt. Wohl nicht nur aus publizistischer Eitelkeit heraus fährt Springer die Überbetonung der Digitaltechnik zurück - und stellt den Journalismus wieder stärker heraus, in Wort (Stichwort "Homepage") und Tat (Stichworte N24, "Bilanz"). Sondern auch, weil man gemerkt hat, dass (digitaler) Journalismus im Personal- und Kapitalmarkt nun wieder dazu taugt, eine gute "Story" zu erzählen.

Denn Investment- und Gemischtwarenbuden gibt es größere und bessere auf der Welt als Springer. Journalistische Inhalte differenzieren besser, abgesehen davon, dass sie angesichts skalierbarer und kopierbarer Technologie sowie multipler Verwertungskanäle langfristig wohl das knappere, wertvollere Gut sind. Kein Wunder also, dass sich Springer in allen neuen Verlautbarungen wieder stolz als (digitaler) Verlag bezeichnet - und nicht länger viel- oder nichtssagend als Medienhaus.

Nur eines stört die schöne Geschichte bisher: Dass das traditionelle Print-Geschäft, das nach wie vor die meisten Umsätze liefert, bei deren Entwicklung von Quartal zu Quartal für dicke Minuszahlen sorgt. Doch nicht mehr lange: Ab 2014 richtet Springer seine Segmentierung "an der traditionellen Erlösstruktur des Verlagsgeschäfts aus" und berichtet die Gesamtumsätze unterteilt in:

-Bezahlangebote: Geschäftsmodelle, die überwiegend durch zahlende Leser/Nutzer refinanziert werden, also vor allem "Bild", "Welt" und die verbliebenen Zeitschriften in Print und Digital, aber auch etwa die Sport-App Runtastic,
-Vermarktungsangebote: Geschäftsmodelle, die überwiegend durch zahlende Anzeigenkunden refinanziert werden, also etwa die bisher noch geführten Anzeigenblätter, vor allem aber finanzen.net, Gofeminin, Kaufda und Zanox,
-Rubrikenangebote: Geschäftsmodelle, die überwiegend durch zahlende Stellen-, Immobilien- oder Autoanzeigenkunden refinanziert werden, also Stepstone, Immonet und Autohaus24.

Die bisherige Segmentunterscheidung in Print und Digital, National und International wird aufgehoben. Auf diese Weise vermischt Springer die (negativen) Print-Zahlen mit den (positiven) Digital-Werten und vermeidet - vor allem nach dem geplanten Verkauf etlicher Titel an die Funke-Gruppe - bei den üblichen Vorjahresvergleichen die Ausweisung dicker Minuszahlen im noch immer so wichtigen Print-Geschäft. Das ändert zwar nichts an der Gesamtbilanz. Sieht aber nach einer schöneren Geschichte aus. rp
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