ZDF-Show "Rach tischt auf!" im HORIZONT-Check Zu viele Köche verderben den Brei

Freitag, 21. Februar 2014
Christian Rach mit seinen Co-Moderatoren Dirk Steffens und Andrea Kiewel (Foto: ZDF)
Christian Rach mit seinen Co-Moderatoren Dirk Steffens und Andrea Kiewel (Foto: ZDF)


Es klang eigentlich nach einer unwiderstehlichen Kombination: Sternekoch Christian Rach, der bei RTL jahrelang den hemdsärmeligen Restauranttester gegeben hat, geht zum öffentlich-rechtlichen Dickschiff ZDF, um dort Show- und Verbraucherformate zu präsentieren. Doch das erste Ergebnis der Zusammenarbeit konnte noch nicht so recht überzeugen. Gemeinsam mit Andrea Kiewel und Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens hetzte der Sternekoch durch eine völlig überfrachtete Show, dass einem beim Zuschauen fast schwindelig wurde.
50 Fragen und Fakten zu den Themen Essen und Ernährung will Rach in zwei Shows à 90 Minuten abhandeln - und das mit zwei Co-Moderatoren plus einem Ernährungsexperten im Studio. Schon eine kleine Rechenaufgabe zeigt, dass das Vorhaben ambitioniert ist: Für jede Frage hat Rach gerade einmal rund dreieinhalb Minuten zur Verfügung. Und der Sternekoch gab sich alle Mühe, nichts anbrennen zu lassen: Gemeinsam mit Kiewel und Steffens legte er los, als müsse er innerhalb von anderthalb Stunden ein Fünf-Gänge-Menü für seine Zuschauer in der Hamburger Fisch-Auktionshalle auf die Beine stellen.

Los ging es mit einem kleinen Exkurs zum Zuckerkonsum der Deutschen, es folgte ein Test zum Einkaufsverhalten von Kindern, bei dem das Thema Werbung gleich mit abgehandelt wurde, danach folgten die Themenkomplexe Fischzucht, Kartoffeln, Kantinenessen, Schweinefleisch und vegetarische Ernährung. Zum Abschluss jedes Themenkomplexes wurden die wichtigsten Fragen anhand von Kärtchen noch einmal durchgehechelt. Haken dran, nächstes Thema. Nach 90 Minuten fühlte man sich leider nicht unbedingt gut unterhalten und besser informiert als vorher, sondern ziemlich abgefüllt. "Rach tischt auf!" bot Fakten-Fast-Food statt gut verdaulicher Info-Häppchen.

Dabei waren viele Einspieler und Ideen durchaus gelungen: So testete Rach das Einkaufsverhalten von Kindern, indem er zwei Gruppen von Kindern in den Supermarkt schickte, wo sich die Kleinen alles in den Einkaufswagen packen durften, was sie wollten mit erstaunlichen Ergebnissen. In einem anderen Experiment tischte der Sternekoch in einer Bundeswehr-Kantine in Thüringen Tofu-Currywürste auf, um zu testen, ob die Soldaten in der Heimat der Rostbratwurst den Unterschied zwischen normalen Bratwürsten und einem fleischlosen Ersatzprodukt bemerken - die meisten taten es erstaunlicherweise nicht. Auch der Einspieler über Lachsfarmen in Norwegen war höchst informativ. Allerdings gingen diese gelungenen Momente im Mahlstrom der Ernährungsfakten schnell wieder unter.

Auch die Präsentation durch gleich drei Moderatoren trug zur Atemlosigkeit von "Rach tischt auf!" bei. Zu allem Überfluss gab zwischendurch auch noch ein Ernährungsexperte im Studio seinen Senf dazu. Vielleicht sollten sich Rach und das ZDF an eine alte Küchenregel erinnern: Zu viele Köche verderben den Brei. dh
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