Youtuber-Treffen Divimove übernimmt die Videodays / Europa-Expansion geplant

Mittwoch, 05. April 2017
Die Zwillinge Lisa und Lena auf den Videodays 2016. Die beiden Mädchen scharen in den sozialen Netzwerken Millionen Fans um sich.
Die Zwillinge Lisa und Lena auf den Videodays 2016. Die beiden Mädchen scharen in den sozialen Netzwerken Millionen Fans um sich.
© Videodays
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Divimove steigt ins Live-Geschäft ein: Das Unternehmen hat heute die Übernahme der Videodays, Europas größtem Youtuber-Treffen, verkündet und plant nun die Expansion in andere Länder. Videodays-Gründer Christoph Krachten wechselt ebenfalls zu Divimove. Die RTL-Tochter emanzipiert sich damit ein Stück weit von der klassischen Vermarktung von Influencern.

Die seit 2010 existierenden Videodays und all ihre Geschäfte werden ab sofort vollständig in Divimove integriert. Das Medienunternhemen aus dem Hause Bertelsmann, das sich selbst als Europas führender Vermarkter von Social Influencern bezeichnet, richtet diese Veranstaltung somit zum ersten Mal am 24. und 25. August aus. In der Kölner Lanxess-Arena werden mehr als 15.000 Besucher erwartet.

Mit der Übernahme wechselt auch das Videodays-Gründerteam rund um Christoph Krachten zu Divimove. Der ehemalige Geschäftsführer von Mediakraft rief die Veranstaltung vor sieben Jahren ins Leben, nachdem er zuvor auf der Kölner Gamescom bemerkte, dass vor allem Youtuber zahlreiche Fans anlockten. Krachten hatte die Videodays bis zuletzt mit einem vergleichsweise kleinen Team ausgerichtet und wird der Veranstaltung in seiner neuen Funktion bei Divimove als Creative Head Videodays weiterhin als Botschafter erhalten bleiben. Er soll sich nun verstärkt der inhaltlichen Weiterentwicklung des Live-Events widmen.

"Von unseren ersten Videodays bis heute haben wir mit einem kleinen Team wirklich Großes erreicht, worauf wir sehr stolz sind", sagt Krachten. Für eine Internationalisierung hätten bislang aber die Mittel gefehlt. Zusammen mit Divimove wolle man die Veranstaltung nun auf zahlreiche europäische Bühnen bringen - im Gespräch sind etwa Frankreich und Italien. In seiner neu geschaffenen Rolle will sich Krachten "endlich wieder voll und ganz auf das kreative Schaffen im Hintergrund konzentrieren".
„Meine neu geschaffene Rolle erlaubt es mir, dass ich mich endlich wieder voll und ganz auf das kreative Schaffen im Hintergrund konzentrieren kann, worüber ich mich sehr freue.“
Christoph Krachten
Videodays-Gründer Christoph Krachten
Videodays-Gründer Christoph Krachten (Bild: Videodays)
Die Vision von Philipp Bernecker, Co-Founder und Chief Marketing Officer bei Divimove, ist es, das Event mit allen Partnern langfristig weiterzuentwickeln: "Die Videodays haben sich von einem Klassentreffen zu einem Pflichttermin für eine ganze Branche entwickelt und sind nicht mehr wegzudenken. Sie sind eine etablierte Marke mit einem tollen Team, haben großes Potenzial und sind deshalb so spannend für unsere Expansionsstrategie im Event-Bereich." Die hauseigene Online-Video-Kreativagentur Brandboost by Divimove wird die Gesamtvermarktung übernehmen, die Marke Divimove soll aber selbst nicht in den Vordergrund treten.

Die RTL-Tochter, die mit dieser Übernahme erstmals ins Live-Geschäft einsteigt, emanzipiert sich damit ein Stück weit von der klassischen Vermarktung und dem Reichweitenaufbau von Social-Media-Bekanntheiten. Erst vor wenigen Tagen hatte Online-Video-Pionier Mediakraft gegenüber HORIZONT Online erklärt, dass dies kein Geschäft ist, mit dem sich nachhaltig wirtschaftlich erfolgreich arbeiten lässt. Mediakraft will sich daher künftig deutlich stärker auf Dienstleistungen für Brands konzentrieren.

Das klassische Vermarktungsgeschäft mit Youtubern ist offenbar längst keine sichere Bank mehr - was dazu führt, dass sich die Branche der Multi-Channel-Networks verändert. In den vergangenen Monaten haben sich zahlreiche Youtuber von ihren Netzwerk-Partnern getrennt. Zudem klagen selbst manche Top-Stars der Branche inzwischen über sinkende Videoaufrufe und Verluste von Abonnenten - mit entsprechenden Auswirkungen auf die Werbe-Einnahmen. Das zwingt die Vermarkter dazu, nach anderen Erlösquellen zu suchen.

N
ichtsdestotrotz ist der Webvideo-Bereich immer noch äußerst vielversprechend. Divimove generiert mit seinem Influencer-Netzwerk eigenen Angaben zufolge
 über 1,5 Milliarden Video Views im Monat und vermarktet die Reichweite unter anderem an Volkswagen, Deutsche Bahn, Telekom und Fanta.

Übrigens: Dass die Übernahme der Videodays ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt verkündet wird, ist wahrscheinlich nicht ganz zufällig. Übermorgen startet nämlich in Amsterdam zum ersten Mal ein europäischer Ableger der Vidcon. Die Veranstaltung, die bislang nur in Anaheim (Kalifornien) stattfand und im vergangenen Jahr mehr als 30.000 Besucher anlockte, könnte den Videodays in Europa recht gefährlich werden. "Wir wollen die Vidcon Europe zu einem rauschenden Erfolg machen", kündigte der COO des Amsterdam Convention Centers Maurits van der Sluis damals an. Die Expansionspläne von Divimove könnten eine Antwort darauf sein.

ron

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