Youtube Space L.A. Wie der Video-Riese seine Top-Creators mit VR experimentieren lässt

Montag, 27. Juni 2016
Youtuber werden im "Space" mit VR-Instrumenten ausgestattet
Youtuber werden im "Space" mit VR-Instrumenten ausgestattet
Foto: Giuseppe Rondinella
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Um im Bewegtbild-Wettbewerb zu bestehen, setzt Youtube neben Live-Streaming vor allem auf Virtual Reality (VR). Doch funktionieren Schmink-Tutorials, Vlogs oder How-To’s mit VR überhaupt? Das sollen die Youtuber am besten selbst herausfinden – und zwar in den sogenannten Youtube Spaces, von denen es weltweit neun gibt. Künstler dürfen sich dort kreativ austoben und mit VR-Anfertigungen experimentieren. Der größte Space steht in Los Angeles. HORIZONT Online hat vor Ort einen Einblick in die Räumlichkeiten erhalten.

Es ist ein unscheinbares Gebäude am Rande der kalifornischen Mega-Metropole Los Angeles. Im Viertel Playa Vista befindet sich der sogenannte Youtube Space auf einem 3800 Quadratmeter großen Gelände, das früher als Hubschrauber-Hangar genutzt wurde. Bauhaus-Stil und sandfarbene Fassaden spiegeln nicht gerade die schillernde Tech-Welt von Google, Amazon und Co wider, sondern eher das gängige Straßenbild von Los Angeles. Wenn nicht ein großes Youtube-Logo auf der zur Straße zugewandten Wand prangen würde, könnte man glatt achtlos am Gebäude vorbei fahren.

Doch wie immer zählen die inneren Werte - denn in den Räumlichkeiten tüftelt Youtube derzeit an der Zukunft von Bewegtbild. Oder besser gesagt: die Youtuber selbst. Wer mehr als 10.000 Abonnenten vorweisen kann, darf hier ein und aus gehen, kostenfrei technisches Equipment oder Produktionsbühnen nutzen sowie auf die Hilfe professioneller Make-up-Artists und Techniker bauen. Das nämlich ist das Konzept dieser „Spaces“: Videokünstler bei der Produktion ihrer Inhalte sowie beim Erlernen neuer Fertigkeiten zu unterstützen. Immerhin ist die Google-Tochter an qualitativ hochwertigen Inhalten interessiert, um ihre Video-Plattform besser vermarkten zu können. Acht weitere „Spaces“ gibt es derzeit weltweit, darunter eines in Berlin.
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Überall auf dem Gelände sind "Creators" zu sehen, wie Youtube seine Videoproduzenten nennt. Mit Notizblock und Stift sitzen sie draußen auf dem Rasen, erarbeiten Ideen oder feilen an Kameraeinstellungen. 
Was derzeit seitens der Künstler besonders nachgefragt werde, seien 360-Grad-Kameras, sagt Scott Broock, der sich offiziell "Global VR Evangelist" nennt. Er wechselte Anfang des Jahres vom VR-Startup Jaunt zu Google und tüftelt derzeit in Los Angeles mit seinem Team an neuen Formaten für die virtuelle Realität, die er dann den Youtubern zur Verfügung stellt. „Wir wollen unsere Künstler mit der Technik zur Seite stehen, damit sie sich auf die Kreation von Inhalten fokussieren können“, sagt Broock. Und weil viele Youtuber noch nicht mit VR umzugehen wissen, bietet der Space zudem Workshops und Seminare an.
Auf eine Anfertigung ist Broock besonders stolz: eine VR-Konstruktion aus 16 GoPro-Kameras (siehe Video), die vor wenigen Wochen bei Googles Entwicklerkonferenz I/O präsentiert wurde. Durch einen sogenannten Assembler werden die einzelnen, kreisförmig aufgestellten Kameras miteinander verbunden und sollen auf diese Weise ein spezielles 360-Grad-Erlebnis schaffen. Broock hat zudem noch einen sogenannten True-View-Helm, eine Drohne und eine sogenannte Bublcam für die Youtuber parat (siehe Video oben).

Und warum der ganze Aufwand? Youtube will seine Plattform zur führenden Adresse für VR-Inhalte etablieren. Mit dem Google Cardboard wurden jüngst die ersten Schritte gemacht. Auf der I/O verkündete die weltweit größte Videoplattform nun den Launch einer neuen Youtube-App, die von Grund auf für die VR Headsets von Googles Daydream-Plattform gebaut wurde. Viel ist es nicht, was Google auf seiner Entwicklerkonferenz schon konkret über Daydream sagen konnte. Vom Design des Headsets gibt es nur ein paar Skizzen. Doch eines ist wohl sicher: Im Youtube-Space in Los Angeles werden sie bestimmt die ersten sein, die damit experimentieren. ron

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