"Xing Klartext" im HORIZONT-Check Meinungen aus erster Hand

Mittwoch, 21. Oktober 2015
Roland Tichy ist Herausgeber von "Xing Klartext"
Roland Tichy ist Herausgeber von "Xing Klartext"
Foto: Screenshot Xing Klartext

Der Anspruch der neuen Xing-Plattform "Klartext" ist hoch gesteckt: "Exklusiv, direkt und meinungsstark" soll das von Roland Tichy und der ehemaligen "FTD"-Redakteurin Jennifer Lachman geführte Debattenportal sein. Der erste Eindruck kann mit prominenten Autoren und guten Texten überzeugen.

Das Konzept von "Xing Klartext": Mehrere Autoren und Experten beleuchten ein Thema von verschiedenen Seiten – und beziehen dabei auch klar Stellung. "Klartext heißt: Fakten und Positionen aus erster Hand, unverfälscht, schnörkellos, direkt, kontrovers", erklärt Xing-Herausgeber Roland Tichy. "Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben, schreiben exklusiv auf Xing. Die Klartexter von Xing zeigen klare Haltung, ordnen ein oder stellen ihre subjektive Sichtweise und Erfahrungen zur Debatte." (Mehr zu den strategischen Zielen von Klartext siehe hier)

Für den ersten Aufschlag haben Tichy und Lachman ihre guten Kontakte in die deutsche Wirtschaft spielen lassen. Unter anderem Post-Chef Frank Appel, Marcus Schenk, Finanzvorstand der Deutschen Bank oder Clemens Fuest, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung haben für Xing in die Tasten gegriffen – oder greifen lassen.
Unter anderem Frank Appel und Clemens Fuest schreiben Klartext
Unter anderem Frank Appel und Clemens Fuest schreiben Klartext (Bild: Screenshot Xing Klartext)
Zum Start werden vier Themen behandelt: Neben zwei aktuellen Wirtschaftsthemen, der aktuellen Wachstumsschwäche der chinesischen Wirtschaft und der Zukunft der Banken werden zwei Karrierethemen (Transparente Gehälter und Auslandsaufenthalte) jeweils von mehreren Experten aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet.

Neben der Auswahl der Themen und Autoren kann auch die Aufbereitung überzeugen: Die wichtigsten Thesen der Autoren werden zu Beginn stichpunktartig zusammengefasst, die Texte sind prägnant formuliert, gut strukturiert und angenehm kompakt. Wer jemals redaktionelle Texte von Gastautoren bearbeitet hat, weiß, dass die Länge oft ein Riesenproblem ist. Die Redaktion macht hier ganz offensichtlich klare Vorgaben – und scheut sich nicht, diese im Sinne der Leser auch konsequent umzusetzen. Man habe Beiträge auch schon zurückgewiesen und werde dies weiterhin tun, hieß es zum Start.

Wie es sich für ein soziales Netzwerk gehört, können die Texte natürlich kommentiert und über diverse Kanäle geteilt werden. Ein bisschen geschummelt wird bei den "Reaktionen", die für jeden Artikel angezeigt werden: Hier werden neben Kommentaren und Zustimmungen auch reine Seitenaufrufe mitgezählt, was zu teilweise beachtlichen Zahlen führt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Kommentarspalten im Internet lohnt sich bei "Klartext" auch deren Lektüre: Die Kommentare sind in der Regel sachlich und fundiert. Herausgeber Tichy hat sich zum Start die Mühe gemacht und auf viele Kommentare selbst geantwortet – man darf gespannt sein, ob der ehemalige "Wiwo"-Chefredakteur dieses Engagement auf Dauer durchhält.

"Was dadurch entsteht?", fragt Tichy in seinem Editorial zum Start. Seine Antwort: "Ein neuer Mechanismus des Nachrichtendiskurses und der Wissensproduktion. Und Xing wird zum Sprachrohr der wirtschaftlich Aktiven in Deutschland." Könnte klappen. dh

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