Xavier Naidoo in der Kritik Vox hält an "Sing meinen Song"-Moderator fest

Montag, 13. Oktober 2014
Gastgeber Xavier Naidoo (ganz l.) mit den Teilnehmern von "Sing meinen Song"
Gastgeber Xavier Naidoo (ganz l.) mit den Teilnehmern von "Sing meinen Song"
Foto: Foto: Vox/Stefan Menne
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Xavier Naidoo Mannheim Sebastian Schmidtke Udo Dahmen


Xavier Naidoo gehört zu den profiliertesten Musikern Deutschlands. Zuletzt war der Sänger und Songwriter jedoch weniger wegen musikalischer Leistungen in den Schlagzeilen: Weil er auf einer Veranstaltung der als rechtsgerichtet geltenden Reichsbürger-Bewegung auftrat, wird Naidoo öffentlich kritisiert. Der TV-Sender Vox, wo Naidoo zuletzt sehr erfolgreich die Sendung "Sing meinen Song" moderierte, hält jedoch zu seinem Aushängeschild.
Naidoo war am Tag der Deutschen Einheit auf einem Podium vor dem Reichstag in Berlin aufgetreten. Mitorganisatoren der Veranstaltung: Die so genannten Reichsbürger, die Deutschland nicht als souveränen Staat anerkennen. Vor den Teilnehmern, unter denen sich Medienberichten zufolge auch der Berliner NPD-Chef Sebastian Schmidtke befunden haben soll, sagte der 43-Jährige unter anderem, dass wer die offizielle Version zu den Anschlägen vom 11. September 2001 glaube, "den Schleier vor den Augen" habe. In seiner Ansprache erzählte Naidoo auch von seiner Jugend in Mannheim, wo er "die amerikanische Besatzung immer ganz klar vor Augen" gehabt habe. Seither steht Naidoo im Kreuzfeuer der medialen Kritik: Spiegel Online-Redakteur Andreas Borcholte schrieb, Naidoo reihe sich ein "in die Kakofonie der abseitigen Spinner, Israel-Hasser, Amerika-Feinde, Verfassungsgegner und Demokratie-Skeptiker, die ebenfalls alle behaupten, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen." Michael Pilz fragte sich bei Welt Online über Naidoos kommenden Werdegang, "ob der Weg ein rechter sein wird oder ob er steil nach links ins Nichts führt." Und Jörg-Peter Klotz vom "Mannheimer Morgen" aus Naidoos Heimatsadt registrierte "Verbales russisches Roulette eines Popsängers".

Naidoo wehrte sich anschließend gegen die Vorwürfe, er vertrete rechtes Gedankengut. In einem Interview mit dem SWR sagte er, "in Liebe" auf die Menschen zugehen zu wollen. Naidoo wies zudem darauf hin, sich in der Vergangenheit für diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel ausgesprochen zu haben. Für sein Egagement gegen rechte Gewalt habe er sogar Morddrohungen erhalten. Naidoos umstrittener Auftritt in Berlin war dem "Mannheimer Morgen" zufolge auch Thema auf der Pressekonferenz für die Vox-Sendung "Sing meinen Song - das Weihnachts-Special", die im Dezember ausgestrahlt werden soll. Auch dort betonte Naidoo, "weder homophob noch irgendwie rechtsradikal" zu sein.

Vox wird daher auch zu seinem Aushängeschild halten: "Xavier Naidoo hat sich von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen deutlich distanziert. Von daher gibt es für uns keinen Anlass, unsere Pläne mit ihm zu ändern: Er wird bei uns sowohl im Dezember bei 'Sing meinen Song - Das Weihnachtskonzert' als auch bei der zweiten Staffel von 'Sing meinen Song - Das Tauschkonzert' im kommenden Jahr als Gastgeber zu sehen sein", so eine Vox-Sprecherin auf Anfrage von HORIZONT Online. Die Show, bei der prominente Musiker gegenseitig ihre größten Hits interpretieren, erzielte in der jungen Zielgruppe im Schnitt über 10 Prozent Marktanteil.

Weniger solidarisch mit Naidoo zeigt sich die Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim, wo Naidoo als Dozent zum Thema Songwriting auftritt. "Wir distanzieren uns von den fragwürdigen und irritierenden politischen Äußerungen und dem Auftritt Xavier Naidoos", erklärte Geschäftsführer Udo Dahmen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Die für die Zukunft geplanten Termine seien von der Direktion der Popakademie ausgesetzt worden, "bis mit Xavier Naidoo persönlich zum Sachverhalt gesprochen werden konnte." ire
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