Wöchentliche Frauenzeitschriften G+J-Weekly und "National Enquirer" greifen Bauer, Burda und Funke an

Montag, 11. Januar 2016
Chefredakteur Philipp Jessen, Redaktionsleiterin Annette Utermark, Art Direktorin Ji-Young Ahn und Chefredakteur Hans-Peter Junker
Chefredakteur Philipp Jessen, Redaktionsleiterin Annette Utermark, Art Direktorin Ji-Young Ahn und Chefredakteur Hans-Peter Junker
Foto: Frank Waberseck/2VISTA für G+J

Die trauen sich was: Gruner + Jahr will in Bauers, Burdas und Funkes Yellow-, People- und Service-Revieren wildern und startet im 1. Quartal eine hochauflagige wöchentliche Frauenzeitschrift (Druckauflage 400.000 Exemplare). Und auch der "National Enquirer" hatte sich ja für Deutschland angekündigt. Schon in dieser Woche ist es soweit.

Nicht mit einer Pressemitteilung, sondern über den Mediendienst Kress.de verkündet Gruner + Jahr den baldigen Start einer wöchentlichen Frauenzeitschrift, mit vielen wohlklingenden Beimischungen im kurzen Text. Verantwortlich sind Stern.de-Chefredakteur Philipp Jessen und "View"-Chefredakteur Hans-Peter Junker (zwei "erfahrene Blattmacher"), die das neue Blatt nebenher machen wollen. Es habe "bei einigen Agenturkunden schon viel Wohlwollen" geerntet. Ein Agenturverantwortlicher, mit dem Kress.de gesprochen haben will, "lobte die klare Struktur des Magazins". Und, na klar: "G+J will mit seinem neuen Weekly vor allem mit Inhalten überzeugen."

Über den neuen Titel (Name noch unbekannt) kursierten bisher nur Gerüchte. Er soll eine Mischung aus Yellow-, Service- und Peoplemagazin werden, also Elemente von Titeln wie "Bild der Frau" (Funke), "Tina" (Bauer) und "Freizeit Revue" (Burda) aufweisen.

Mittlerweile schiebt G+J noch ein paar Infos hinterher: Das "neuartige informierende und unterhaltende Frauenmagazin" soll am Kiosk 1,90 Euro kosten und sich an Frauen zwischen 30 und 60 Jahren richten, mit Herz- und Schmerz-Storys ("die bewegendsten Geschichten der Woche"), Mode, Beauty, Reise, Wohnen, Freizeit, Kochen, Gesundheit, Partnerschaft, Rätseln und Horoskop – also mit allem, was manches reifer werdende Frauenherz begehrt.

Unter den Chefredakteuren Junker und Jessen wird Annette Utermark als Redaktionsleiterin fungieren. Sie war vorher Chefreporterin der „Gala“. Art Direktorin wird Ji-Young Ahn, zuvor in derselben Funktion bei „Neon“. Man sei „bereit, Dinge zu versuchen und Neues zu wagen“, so G+J-Verlagsgeschäftsführer Soheil Dastyari. Ziel sei es, das „Segment der modernen Weeklys zu kreieren“. Den Namen des neuen Heftes will G+J aber noch nicht verraten, wohl um bald noch weitere PR-Kommunikationsanlässe schaffen zu können.

Überhaupt ist gleich zu Jahresanfang eine Menge los im wöchentlichen Frauensegment: Zwei Tage vor Weihnachten überraschte American Media Inc. (AMI) mit der Ankündigung, seinen „National Enquirer“ im Januar auch in Deutschland zu starten.

Eine AMI-Sprecherin bekräftigte am Montag gegenüber HORIZONT Online die Dezember-Meldung des Verlags: Ja, am Donnerstag dieser Woche (14. Januar) soll es losgehen, mit einer Druckauflage von 200.000 Stück (Vertriebsdienstleister: IPS), 48-seitig und vorerst ohne bezahlte Anzeigen. Inhouse kreierte TV-Spots gehen bei RTL 2 und Viva on Air.

Noch ist unklar, ob man die Vermarktung mit eigenen Handelsvertretern oder über eine Mandatsvergabe organisieren will. Das nach eigenen Angaben "größte Boulevardmagazin der Welt" kommt mit einem Kampfpreis von 1 Euro an die deutschen Kioske und möchte hier "innerhalb von 6 Monaten das bestverkaufte Promimagazin" werden. Wow!

Der „National Enquirer“ bietet laut AMI einen Mix aus Nachrichten, Hollywoodskandalen und "investigativem Journalismus". Was die Berichterstattung über internationale Stars angehe, „klafft bei den deutschen Promi-Magazinen eine Lücke“, so Verlags-CEO David J. Pecker. Das wird vor allem Bauer ("People") sicher gerne hören. Dylan Howard, Chefredakteur der US-Ausgabe und Chief Content Officer bei AMI, soll diesen Job auch fürs deutsche Heft übernehmen, vom Verlagssitz New York aus. In Frankfurt soll es später aber immerhin ein Büro geben. Bis es soweit ist, dürfte das deutsche Heft eine reine Übersetzung der US-Ausgabe sein. rp
Das Titelbild der ersten deutschen Ausgabe des "National Enquirer"
Das Titelbild der ersten deutschen Ausgabe des "National Enquirer" (Bild: National Enquirer)

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