"Wiwo"-Chefin Miriam Meckel "Wir sind ein journalistisches Medium, keine programmatische Plattform"

Mittwoch, 13. Mai 2015
Miriam Meckel, Chefredakteurin der "Wirtschaftswoche"
Miriam Meckel, Chefredakteurin der "Wirtschaftswoche"
Foto: Wirtschatfswoche

Das war kein Tabak – und deshalb ziemlich starker Tobak für viele wohl eher ältere Leser der "Wirtschaftswoche": Ende April brachte Miriam Meckel, seit Oktober Chefredakteurin dort, eine Titelgeschichte, in der sie mit ökonomischen Argumenten die Freigabe von Cannabis forderte. Auf dem Cover: Ein kiffender Ludwig Erhard in Pop-Art-Anmutung, mit Hasch-Tüte in der Hand statt mit Wirtschaftswunder-Zigarre.

Die honorige Ludwig-Erhard-Stiftung warf dem Blatt daraufhin "Etikettenschwindel" vor. Pikant: Deren Vorstandschef ist seit 2014 Roland Tichy, Meckels zuvor überraschend abgelöster Vorgänger bei der "Wiwo".

„Wir wollen uns auch um unsere nachwachsende Kundschaft bemühen und jüngere Zielgruppen an die Marke heranführen“
Miriam Meckel
Über diese Episode wird bald Gras wachsen – dennoch illustriert sie, wie Meckel versucht, dem Holtzbrinck-Magazin ein neues Alleinstellungsmerkmal innerhalb der etablierten Wirtschafts- und Publikumspresse zu verpassen. Und zwar mit einer eher pragmatischen sowie mit einer ganz grundsätzlichen Absicht. Das pragmatische Ziel: "Wir wollen uns auch um unsere nachwachsende Kundschaft bemühen und jüngere Zielgruppen an die Marke heranführen", sagt Meckel im Gespräch mit HORIZONT, "wir erweitern die Zielgruppe".
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Bild: VHB

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Und ganz grundsätzlich: "Wir sind das Magazin, das sich klar zu einer freiheitlichen Grundhaltung bekennt, das gilt für die Märkte, aber auch umfassend für den Menschen in allen Lebensbereichen." Die Deutschen "neigen manchmal zur Bigotterie", die Freiheit anderer hier und da beschränken zu wollen, je nach persönlichen Präferenzen. "Das ist ein Salonliberalismus, den ich nicht mag", erklärt Meckel. Dafür bricht sie mit jenem Alleinstellungsmerkmal, mit dem die "Wiwo" unter Tichy manche entzückt und andere genervt hat: eine pointierte oder penetrante Kritik am Währungssystem Euro, die manche als Kritik an Europa gelesen haben. "Wir sind ein journalistisches Medium, keine programmatische Plattform", sagt sie. Warum sie hier andere Akzente setzt, das erklärt Meckel im vollständigen HORIZONT-Interview. Außerdem geht es dort um die Hintergründe des aktuellen Relaunches und des neuen Erscheinungstages Freitag, um die Digitalstrategie der "Wiwo", um Vertriebsziele, um Austausch mit der Werbewirtschaft - und um Freiheit als Zumutung. rp

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