"Wiwo"-Chef Beat Balzli "Revolutionen sind bei Medien meist mit vielen Verlusten verbunden"

Montag, 10. Juli 2017
Beat Balzli
Beat Balzli
Foto: Björn-Arne Eisermann
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Kein Sowohl-als-auch: Seit drei Monaten ist Beat Balzli Chefredakteur der "Wirtschaftswoche". Mit der aktuellen Ausgabe hat er nun einiges verändert. Und schafft ein Ressort ab – "weil es so erfolgreich ist".

Nach ein paar schnellen Veränderungen am Cover ("Zeilen mit eindeutigem Spin, für mehr Klarheit bei Thema und These") zeigt Balzli mit dem aktuellen Heft erst so richtig seine Handschrift. Das Hintergrund-Ressort "Blickpunkte" ist verschwunden. Die Reportagen, Debatten und Essays dort werden fortan verteilt auf die Sachressorts Wirtschaft & Politik, Unternehmen & Märkte und Innovation & Digitales sowie auf die makroökonomischen "Volkswirt"-Seiten, die nach hinten vor den Finanzteil wandern und erweitert werden.

„Die ,Blickpunkte’ schaffen wir ab, weil diese Geschichten so erfolgreich sind“, sagt Balzli im HORIZONT-Interview. An einer Stelle separiert, seien sie jedoch schwer nachvollziehbar. In der Organisation bleibt die Einheit indes bestehen, „wir stocken sie mit Kollegen anderer Ressorts sogar auf zu einer Art Reporterpool, der allen zuliefert“. Der Magazin-Charakter soll sich durchs gesamte Heft ziehen. Und: „Wir behandeln keine Politik mehr im Sinne von Partei- oder Gesellschaftspolitik, sondern fokussieren uns auf Wirtschaftspolitik.“ Auch auf Feuilleton-Themen will Balzli künftig verzichten; stattdessen soll ein „gepflegtes Ressort Kultur & Stil als pragmatische Unterstützung für die schönen Seiten des Lebens“ dienen.

Bei der (wirtschafts-) politischen Haltung der „Wiwo“ („konsequent marktwirtschaftlich liberal“) will Balzli den Kurs nicht verändern, weil Revolutionen bei Medien meist mit vielen Verlusten verbunden seien. „Diese Leser kommen nicht wieder zurück. Vielleicht gewinnen Sie ein paar neue hinzu – unterm Strich aber bleibt ein Minus.“ Das Alleinstellungsmerkmal des Magazins? „Wir müssen die Story hinter der Story hinter der Story bringen, daher wollen wir keine Bäume zählen, sondern den Wald erklären.“ Hier bevorzuge die „Wiwo“-Zielgruppe („die pragmatische wirtschaftliche Mitte“) eine klare Tonart: „Mit Sowohl-als-auch-Meinungen können unsere Leser wenig anfangen – ich übrigens auch nicht.“

In HORIZONT erklärt Balzli außerdem,
-- weshalb ihm Vorgängerin Miriam Meckel als „aktive Herausgeberin“ nicht hereinredet,
-- wie er die Relevanz der „Wiwo“ als Agenda-Setter steigern will,
-- warum bei wiwo.de bald eine Kehrtwende anstehen könnte,
-- was er angesichts stetig sinkender Auflagen als „realistisches Ziel“ ansieht,
-- warum er auch den Vertriebskanal Kiosk nicht aufgibt,
-- was er sich vom Schwestertitel „Handelsblatt“ abgucken will

Das Interview lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 27/2017 vom 6. Juli 2017. rp

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