"Wir sind hemdsärmeliger geworden" Wie Julia Jäkel auf der Dmexco den G+J-Umbau erläuterte

Donnerstag, 19. September 2013
"Zeit"-Mann Götz Hamann diskutierte mit Julia Jäkel
"Zeit"-Mann Götz Hamann diskutierte mit Julia Jäkel


Keine zehn Tage nach der Verkündung der Transformation von Gruner + Jahr in ein Haus der Inhalte trat die Vorstandsvorsitzende Julia Jäkel bei der Dmexco erstmals öffentlich an, um den Umbau des Hamburger Verlagshauses näher zu erläutern. In der brechend vollen Debate Hall auf der Kölner Messe sah man auch in den Augen vieler Besucher jene Fragezeichen, die schon unmittelbar nach der Positionierung von Gruner + Jahr als Haus der Inhalte bei so manchem Branchenexperten aufgetaucht waren. Was heißt das eigentlich genau? Wirklich überraschend war Jäkels Antwort hierauf nicht: Inhalt, das sei nach wie vor eine erstklassig recherchierte und ansprechend geschriebene Reportage, eine gute Servicestrecke im Netz, aber auch ein Rezept bei Chefkoch.de, das von anderen Usern als gut bewertet wird. Die wirkliche Herausforderung liegt für die Verlagsmanagerin darin, sich stets nah an der jeweiligen Zielgruppe zu bewegen: "Wir müssen uns eingraben in das, was der Leser will. Das klingt erstmal easy, ist aber gigantisch." Für das Gelingen dieses Projekts wird der Verlag zwei Dinge brauchen: Zeit und Geld. Die Investitionsbereitschaft sei vorhanden, sowohl in Print als auch im Digitalen, wie Jäkel versichert. Ob Zeit ebenfalls in ausreichendem Maße vorhanden sein wird, muss sich zeigen.

Spannend ist auch nach wie vor, wie gut die neue Orga-Struktur funktionieren wird, ob Reibungsverluste den Aufbruch bei G+J bremsen werden. Wir erinnern und: Künftig wird das Verlagsportfolio an so genannten Communities of Interest mit einem jeweils eigenen Analog- und Digitalverantwortlichen ausgerichtet. Auf Management-Ebene sieht Jäkel hier keine Probleme auf ihr Haus zukommen: Am Werk sei nunmehr eine neue Generation von Managern - hierzu gehörten auch Leute wie Produktvorstand Stephan Schäfer oder Operations-Vorstand Oliver Radtke, die sich auch ein Büro am Baumwall teilten, fast wie in einem Start-up .

Auf den Ebenen darunter solle daran gearbeitet werden, Gräben zwischen Redaktion und Technik, die es unbestreitbar gegeben habe, zuzuschütten. Dies funktioniere aber nur, wenn man die richtigen Menschen an der richtigen Stelle habe, so Jäkel: "Wir werden nur erfolgreich sein, wenn wir alle knick-knack miteinander sind." Schlankere Abstimmungsprozesse, die Absage an Silo-Denken, intensivere Kommunikation der Bereiche untereinander sollen zusätzlich für effizienteres Arbeiten sorgen. All das wirke sich bereits jetzt aus, sagt Jäkel: "Wir sind agiler als früher, man könnte auch sagen: hemdsärmeliger." ire
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