"Wir sind eure APO" "Bild" will der Regierung auf die Finger hauen

Dienstag, 17. Dezember 2013
Die "Bild" will der Regierung auf die Finger schauen und hauen
Die "Bild" will der Regierung auf die Finger schauen und hauen
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Die große Koalition steht - und kommt im Bundestag auf eine satte Mehrheit von 80 Prozent der Sitze. Ausgerechnet die "Bild"-Zeitung, die in der Vergangenheit nicht unbedingt zu den größten Kritikern der CDU-geführten Regierungen zählte, will nun ihre Rolle als Vierte Gewalt ernst nehmen und kündigt an, der Regierung in den kommenden vier Jahren "munter auf die Finger zu hauen". "Liebe Große Koalition, WIR sind jetzt eure APO", verkündet die Zeitung heute auf ihrer Titelseite - natürlich nicht ohne ihren Lesern den Begriff APO per Sternchen-Anmerkung zu erläutern. Mit rund 80 Prozent der Sitze im Bundestag sei die neue Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD "zu groß, zu stark, zu mächtig", fürchtet das Boulevardblatt, die "Liliput-Opposition aus Linkspartei und Grünen ist machtlos".

Die FDP wird von der "Bild" dagegen schmerzlich vermisst: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik gebe es im Bundestag "keine Partei, die für Bürgerrechte und eine starke Wirtschaft eintritt" und damit "keine bürgerliche Opposition" mehr. "Deshalb macht 'Bild' sich als Außerparlamentarische Opposition auf den langen Marsch durch mindestens vier Jahre GroKo. Versprochen!", tönt die Tageszeitung.

Bereits im Wahlkampf hatte sich die "Bild" auffällig häufig auf die Seite der FDP geschlagen - ablesbar unter anderem an der beliebten Rubrik "Gewinner/Verlierer". Nach einer Auswertung der Dokumentare und Datenjournalisten des "Spiegel" kam die FDP dabei bislang vergleichsweise gut weg. Auch bei der CDU war das Verhältnis von "Gewinnern" und "Verlierern" relativ ausgeglichen. Je weiter links ein Politiker steht, desto geringer scheinen dagegen seine Chancen, zum "Gewinner" gekürt zu werden, analysierte der "Spiegel". Mit der parlamentarischen, wenngleich zahlenmäßig kleinen Opposition im Bundestag scheint sich die "Bild" also nicht unbedingt gemein machen zu wollen.

Mit den jeweiligen Regierungsparteien ist die "Bild" indes bislang meist vergleichsweise nett umgegangen: Während der rot-grünen Koalition hatte die SPD bei den Gewinnern die Nase vorn, ab 2001 dann durchweg die CDU. "Kanzler oder Altkanzler zu sein, kann also nicht schaden", folgerte der "Spiegel".

Man darf also tatsächlich gespannt sein, wie ernst es der "Bild" mit ihrer Ankündigung ist, der Großen Koalition als "APO" auf die Finger zu schauen. Unnötigen Respekt vor historisch besetzten Kampfbegriffen hat die "Bild" zumindest ganz offensichtlich nicht. dh
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