Whatsapp Die Lehren aus dem Facebook-Deal

Donnerstag, 20. Februar 2014
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Die Übernahme von WhatsApp durch Facebook ist ein kluger, wenn auch überteuerter Schachzug. Er zeigt schlagartig, wie brutal der Wettbewerb der Internet-Konzerne geworden ist. Dennoch: Mark Zuckerberg schlägt mehrere Fliegen mit einer 19 Milliarden Dollar schweren Klappe. HORIZONT.NET über die Lehren aus dem Mega-Deal.
1)
Ein bisschen erinnert der Deal ans internationale Fußball-Business, wo man sich jedes Mal aufs Neue fragt, ob der betreffende Fußballer die Abermillionen Euro wert ist, die für ihn ausgegeben wurden. Jeder der 450 Millionen WhatsApp-Nutzer würde von Facebook mit 42 Dollar bewertet, hat das Handelsblatt in einem klugen Artikel ausgerechnet. Ob sich der Deal jemals rechnet? Darüber kann man zwar trefflich spekulieren. Eine seriöse Aussage wird man erst in ein paar Jahren treffen können. Auch Google wurde mit hämischen Kommentaren bedacht, als die Suchmaschine 2006 für damals sagenhafte 1,6 Milliarden Dollar übernahm. Heute ist Youtube die Plattform für Google, um den milliardenschweren TV- und Bewegtbild-Werbemarkt zu annektieren.


Dass Facebook bereit ist bzw. sich gezwungen sieht, einen solch astronomischen Preis hinzulegen, wiegt aus anderen Gründen ziemlich schwer. Die Kaufsumme mag für die Gründer prima sein - SpOn beschreibt sehr schön das Tellerwäscher-Märchen von Whatsapp-Gründer Jan Koum -, für den Markt ist das schlecht, weil auf einmal selbst Klitschen astronomische Bewertung erhalten: Irgendwann wird der Markt überhitzen. Gleichzeitig droht die Gefahr, dass nur noch die großen, globalen US-Konzerne in der Lage sein werden, Unternehmen zu kaufen: Die Konzentration auf wenige Anbieter schadet dem Wettbewerb und auch den Nutzern.


2)
Während hierzulande Vermarkter und Medien darüber rätseln, welche Werbeformate und welche Geschäftsmodelle im Mobile-Bereich tragfähig sein könnten, macht Facebook klar, auf welchem Terrain der knüppelharte Wettbewerb um Werbeeinahmen und Nutzer ausgetragen wird. Fast hätte Mark Zuckerberg mobile verschlafen. Die letzten Quartalszahlen, der Kauf von Instagram wie die explosionsartig gestiegenen Mobile-Nutzer zeigen: Das soziale Netzwerk ist auf dem besten Wege, eine Mobile-Company zu werden. Die Konkurrenten Google und Apple verfügen über eigene Betriebssysteme für mobile Applikationen. Das kann Facebook nicht vorweisen, wohl aber reichweiten- und Mitgliederstarke Plattformen, die insbesondere von den Jungen genutzt werden: Zielgruppen, die nicht durch Zeitungen und stationäres Internet, sondern durch Smartphones medial sozialisiert wurden und werden. Auch wenn sich Google-Manager über den Deal lustig machen: Er ist eine klare Ansage an die Mitbewerber. Mark Zuckerberg will's wissen.


3)
Facebook lebt von den Werbeumsätzen, Whatsapp dagegen ist werbefrei, finanziert sich über den Download-Preis und eine geringe jährliche Abo-Gebühr. Bei den unterschiedlichen Geschäftsmodellen soll es bleiben: "Für Sie, unsere Nutzer wird sich folgendes ändern: Nichts", steht in einem Blog-Eintrag von Whatsapp. Die Aussage beruhigt zwar die 450 Millionen Nutzer. Ob sich Facebook allerdings dauerhaft wird leisten können, auf Werbeeinnahmen in einem der am schnellsten wachsenden Dienste zu verzichten, darf bezweifelt werden. Die Macht der Internet-Konzerne verdankt sich vor allen Dingen dem Umstand, dass sie auf Wachstumsstories erzählen können. Nur so lassen sich Börsenphantasien lebendig halten. Und Umsatzwachsum lässt sich im Netz eher mit werbefinanzierten Modellen als mit Minimal-Gebühren erzielen. Denkbar wäre auch eine Mischung zwischen einem werbe- und einem Gebühren finanzierten Dienst: Nutzer werden vielleicht irgendwann zwischen einem werbefinanzierten Whatsapp light und einer Gebühren finanzierten Premium-Version wählen können .


4)
Aus Medienperspektive kann man verwundert oder verzweifelt den Kopf schütteln ob der Summen, der Geschwindigkeit und Konsequenz, mit der hier Business gemacht wird. Von einem Minderwertigkeitskomplex kann man sich aber getrost befreien: Nämlich dem, dass Google, Facebook, Apple und Co über eine nahezu grenzenlose Innovationskraft verfügen: Sie haben das Geld, aber innovativ sind im Zweifel andere - beispielsweise Whatsapp-Gründer Jan Koum. vs
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