"Wetten, dass..." sich der TV-Markt radikal verändern wird!

Dienstag, 08. April 2014
Couch potatoes unter sich (Bild: Foto Shock/Fotolia)
Couch potatoes unter sich (Bild: Foto Shock/Fotolia)

Das Ende von „Wetten, dass...?" läutet nicht nur das Ende des klassischen Unterhaltungsfernsehens ein. Es ist viel brutaler: TV, Bewegtbild und das gute, alte Leuchtturm-Medium Fernsehen stehen vor einem radikalen Umbruch.

Und es gibt ihn doch, den „Paradigmenwechsel", der seit geraumer Zeit den kompletten Werbe- und Medienmarkt revolutioniert und manche Geschäftsmodelle und -Felder derart atomisiert, dass der eine oder andere Beobachter glaubt, auf einem fremden Planeten zu sein.

Für das Ende von „Wetten, dass...?" lassen sich zahlreiche Erklärungen aufzählen. Ein schwacher Gottschalk-Nachfolger. Die starke Konkurrenz im Privat-TV. Immense Produktionskosten, die auch ein gebührenfinanzierter Sender nicht verantworten kann. Die plausibelste lieferte das ZDF selbst: „Der Rückgang der Zuschauerzahlen zeigt, dass sich die Sehgewohnheiten verändert haben und das Format an Anziehungskraft verloren hat", sagt ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler.

Was zunächst auffällt, und hier zumindest erwähnt werden soll: Die ZDF-Programmmacher betrachten die Realität des Fernsehmarktes (und seiner Entwicklung) offensichtlich geistesgegenwärtiger, als dies manche Kritiker dem angeblichen Oldie-Sender gern unterstellen.

Die Erkenntnis, dass sich der TV-Markt in einem Umbruch befindet, der ähnlich dramatisch sein wird wie der, den Print erlebt, ist noch nicht bei allen Fernsehmanagern angekommen. Noch laufen die milliardenschweren Werbe- oder Gebührengeschäfte vergleichweise gut. Und während Print quartalsweise über Aborückgänge klagt, ist von Fernsehmüdigkeit nicht viel zu spüren. Sage und schreibe 246 Minuten im Schnitt sitzen die 14- bis 69-Jährigen täglich vor dem Fernseher. Dass die Jungen inzwischen  häufiger digital unterwegs sind, vergessen die meisten dann zu erwähnen.

Doch das Misstrauen gegenüber den offiziellen Statistiken und Studien wächst. Eine „große Quotenlüge" hat die „FAZ" ausgemacht. HORIZONT begleitet die Diskussionen um sinkende Netto-Reichweiten seit Wochen offline und online. Sicher: TV ist nach wie vor ein Massenmedium und wird das auch bleiben. Doch Massenmedien sind Facebook, Instagram, Youtube und Tumblr auch. Noch können TV-Manager sich darauf berufen, dass lineares Fernsehen in voller Blüte steht. Darauf ausruhen sollten sie sich nicht.

Es gibt mittlerweile ernsthafte Studien, die zeigen, dass sich das einstige Vorzeige-Massenmedium zum Nebenbei-Medium entwickelt, was interessierte Kreise bis dato vor allen Dingen dem Radio vorgeworfen haben. United Internet Media und Interactive Media kommen nun in ihrer Studie „Catch me if you can" zu dem Schluss, dass TV nicht mehr das Recht auf den First Screen gepachtet hat: Der First Screen ist immer derjenige, dem der Benutzer gerade die meiste Aufmerksamkeit schenkt. Das kann TV sein, aber genauso gut der Laptop, das Smartphone oder das Tablet.
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Damit nicht genug. Es ist ja nicht so, dass nur die Hardware - der Fernsehapparat - Konkurrenz von anderer Hardware bekommt. Genauso dramatisch ist das, was auf der Inhalteebene passiert. Vor zwei Jahren wäre man noch ausgelacht worden, wenn man prophezeit hätte, dass Amazon oder Yahoo Serien und TV-Sendungen entwickeln werden. Genau das passiert jetzt. Und wir wissen alle, dass die großen amerikanischen Internetkonzerne nicht nur genügend Kapital, sondern vor allen Dingen auch kreatives Know-how verfügen (oder kaufen können), um ambitionierte Pläne im Bewegtbild-Bereich auch umzusetzen. Den größten Coup hat bis dato Netflix gelandet. Der amerikanische Video-on-Demand-Anbieter hatte die Rechte für die Serie „House of Cards" erworben - gegen die  mächtigen US-Kabelsender HBO und Showtime: Wetten, dass wir künftig solche Deals noch öfter erleben werden?

Die Zunahme der Inhalteanbieter wird begleitet von einer lautstarken Explosion der Zahl der Bewegtbildplattformen und -formaten. Auch dies führt zu den veränderten Sehgewohnheiten. „Wetten, dass...?" konkurriert nicht nur mit TV-Sendungen wie „Schlag den Raab" und DSDS, sondern zunehmend mit 15-Sekunden-Videos auf Instagram, Content auf Facebook und Youtube, Filmen auf iTunes und Sendungen auf den diversen Streaming- oder TV-on-Demand-Plattformen.

Die Ära des Bewegtbild hat dank Mobile also erst so richtig begonnen. Doch wer Bewegtbilder konsumiert, ist längst nicht mehr der Couch potatoe, der ausschließlich im Lean-Back-Modus auch die Werbung passiv über sich ergehen lässt.

Mit anderen Worten: TV ist nicht tot. Was aber allmählich zu Ende geht, ist die Art Fernsehen, mit der viele von uns groß geworden sind.  „Wetten, dass...?" war für viele Zuschauer ein wichtiger Teil davon. Ein Tweet von Pro Sieben bringt das auf den Punkt: „RIP, liebes #Wettendass. Als wir ganz jung waren, hast du uns Spaß gemacht." vs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

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