"Wetten, dass ..?" in der Krise Warum das ZDF die gesamte Show auf den Prüfstand stellen muss

Montag, 24. Februar 2014
Marus Lanz eilt derzeit von einem Negativ-Rekord zum nächsten (Foto: ZDF)
Marus Lanz eilt derzeit von einem Negativ-Rekord zum nächsten (Foto: ZDF)


Langsam aber sicher nimmt die Talfahrt von "Wetten, dass ..?" dramatische Züge an: Am vergangenen Samstag konnte die ZDF-Show nur noch 5,85 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme locken - ein neues Allzeittief. Seit dem Einstand von Markus Lanz vor rund anderthalb Jahren hat sich die Reichweite des Show-Dinos mehr als halbiert. Wie es nach der Sommerpause mit der Show weitergeht, steht noch nicht fest - klar ist nur: Ein "Weiter so" kann es nach dem heftigen Einbruch der Zuschauerzahlen nicht geben. Beim Einstand von Markus Lanz im Oktober 2012 war die Welt für das ZDF noch in Ordnung: 13,6 Millionen Zuschauer wollten wissen, ob sich der Südtiroler als Nachfolger von Thomas Gottschalk bewähren würde. Nach der monatelangen Suche nach einem neuen Moderator von "Wetten, dass ..?" war das öffentliche Interesse an Lanz erstem Auftritt enorm. "Wenn wir es schaffen, dauerhaft mehr als acht Millionen Zuschauer zu erreichen, wäre das für uns ein großer Erfolg", gab Intendant Thomas Bellut damals als Zielmarke vor. Doch seitdem ging es für die Show fast kontinuierlich bergab.

Schon die Januar-Ausgabe markierte mit 6,3 Millionen Zuschauern einen neuen Tiefstwert allerdings hatte die Show mit "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" von RTL damals bärenstarke Konkurrenz. Doch nach der jüngsten Ausgabe steht fest: Es lag nicht allein am Dschungelcamp. Auch ohne einen übermächtigen Gegner setzte sich die Talfahrt von "Wetten, dass ..?" ungebremst fort.

Über die Gründe für den stetigen Niedergang der einst erfolgreichsten TV-Show in Europa ist seitdem viel spekuliert und geschrieben worden. Das Konzept der einst voll auf Thomas Gottschalk zugeschnittenen Show wurde beim Übergang zu Lanz nur zaghaft weiterentwickelt, um die Zuschauer nicht zu verprellen. Die für den neuen Moderator eingeführte "Lanz-Challenge" wurde nach dem Desaster bei der letzten Sommershow aus Mallorca wieder einkassiert. Der Verzicht auf allzu spektakuläre und gefährliche Wetten war nach dem tragischen Unfall von Samuel Koch folgerichtig und für das ZDF die einzig mögliche Entscheidung - hat aber natürlich nicht unbedingt zur Attraktivität der Wetten beigetragen, die seitdem nicht selten eher skurril anmuten. Auch die wechselnde Strategie bei der Besetzung der Gästecouch hat der Show nicht gut getan.

Im Zentrum der Kritik steht aber nach wie vor Moderator Markus Lanz - und das auch nicht ganz zu unrecht. Der Südtiroler ist ein solider Talkshow-Gastgeber - von allseits bekannten Aussetzern einmal abgesehen. Auf der großen Showbühne wirkt Lanz aber unbeholfen, bemüht, unsicher. Die Fußstapfen von Thomas Gottschalk waren groß - mittlerweile zeigt sich, dass sie offensichtlich zu groß waren. Der Paradiesvogel Gottschalk war mit seinen bunten Kostümen selbst immer schon die erste Attraktion der Show, der Conferencier in der Manege. Lanz wirkt in seinen adretten Anzügen dagegen immer ein bisschen wie der Klassenprimus, der bei der Abi-Feier vergeblich versucht, die Gäste mit schlechten Witzen im Stimmung zu bringen.

Nach der letzten Ausgabe vor der Sommerpause, die am 5. April aus Offenburg übertragen wird, will das ZDF über die Zukunft der Show entscheiden. "Vieles sei möglich", heißt es beim Sender vieldeutig, berichtete jüngst der "Spiegel". Sogar eine Verschiebung auf einen Wochentag sei denkbar. Das ZDF dementierte prompt. Ob Lanz die Show auch nach der Sommerpause moderieren wird, hänge von ihm selbst ab. Klar ist: Wenn "Wetten, dass ..?" seine Position als größte TV-Show Europas behaupten will, muss das ZDF das gesamte Konzept der Sendung auf den Prüfstand stellen - inklusive Markus Lanz. dh

Verabschiedete sich letztes Jahr von "Wetten, dass ..?": Cindy aus Marzahn
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