Werbereduzierung Landesregierung will WDR beschneiden

Mittwoch, 27. Januar 2016
"Gefährliche Unkenntnis des Marktes": Elke Schneiderbanger, Geschäftsführerin ARD-Werbung Sales & Services
"Gefährliche Unkenntnis des Marktes": Elke Schneiderbanger, Geschäftsführerin ARD-Werbung Sales & Services
Foto: Alexander Hassenstein

Überraschende Gesetzesänderung mit dramatischen Folgen: SPD und Grüne wollen die Werbung im WDR bis 2019 deutlich reduzieren. Der Beschluss soll heute im Landtag ratifiziert werden. Danach würde die Werbung nach dem Vorbild des NDR auf nur noch eine Radiowelle und nur noch 60 Minuten am Tag beschränkt werden. Die Landesregierung käme damit Forderungen aus dem privaten Radiolager nach. Für die Werbungtreibenden hätte dies dramatische Folgen.
Bislang ist die Werbung auf drei WDR-Wellen möglich und auf 90 Minuten am Tag beschränkt. In den vergangenen Jahren gab es aus dem Privatradiolager immer wieder Forderungen, die Werbezeiten bei den öffentlich-rechtlichen Sendern einzuschränken. Dies wäre eigentlich ein Thema für eine Änderung des Rundfunkstaatsvertrages, rutschte aber immer wieder von der Tagesordnung. In Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, steht aktuell eine Änderung des sogenannten WDR-Gesetzes an. Bis vor zwei Wochen sah es so aus, dass die Landesregierung das Thema Werbung nicht antasten würde, obwohl es im Koalitionsvertrag vereinbart war. Das hat sich nun offensichtlich geändert.

Die Werbungtreibenden - vertreten durch die Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) - hatten sich in der Vergangenheit stets deutlich gegen eine Reduzierung der Werbezeiten ausgesprochen. Die Kunden fürchten, dann mit Radio keine relevanten Reichweiten mehr aufbauen zu können. In Nordrhein-Westfalen ist die Situation zudem eine Spezielle: Es gibt mit Radio NRW nur einen privaten Konkurrenten, der jedoch keine landesweite Radiokette ist, sondern das Rahmenprogramm für Lokalsender liefert.

Vergangenes Jahr gab es Ansätze, aus frei werdenden Frequenzen eine private Kette aufzubauen. Der Zuschlag ging dann jedoch überraschend an den türkischsprachigen Sender Metropol FM. Gegen die Vergabe läuft allerdings mittlerweile eine Klage. Doch egal wie das Verfahren ausgeht - von einem Wettbewerb wie er in anderen Bundesländern, zum Beispiel Baden-Württemberg oder Niedersachsen der Fall ist, ist NRW weit entfernt. Daran, dass das frei werdende WDR-Geld komplett zu Radio NRW geshiftet werden würde, gibt es daher erhebliche Zweifel.

Auch daran, dass die Budgets zu den Zeitungen wandern - wie viele Verleger, die auch häufig große Beteiligungen an privaten Radiosendern halten, es hoffen - gibt es bei Mediaagenturen und OWM Zweifel. Die Verlage hatten lange auf eine Beschränkung der Werbezeiten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gedrängt. Die großen Profiteure könnten stattdessen wieder einmal Google und Facebook sein, die schon jetzt einen guten Teil ihres Umsatzes in regionalen und lokalen Märkten machen.

Elke Schneiderbanger, Geschäftsführerin der ARD-Werbung Sales & Services, warnt denn auch von einem solchen Szenario. "In einem Jahr, in dem Radio im harten Wettbewerb mit den anderen Mediengattungen nur mit zurückhaltenden Erlöserwartungen operiert, den Werbekunden massiv essentielle Werbeflächen zu entziehen, offenbart eine gefährliche Unkenntnis des Marktes. Die größte Konkurrenz für die Umsätze der privaten und öffentlich-rechtlichen Radiosender ist das Internet." 2015 war Radio brutto gerade mal um 2,2 Prozent gewachsen. Netto stagnierte die Gattung voraussichtlich. pap

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