Werbekunden zur GWB-Novelle "Verkaufskartelle sollte der Gesetzgeber nicht zulassen"

Montag, 25. Juli 2016
Joachim Schütz, OWM
Joachim Schütz, OWM
Foto: Hoffotografen

Wenig Lust auf Liberalisierung: Die Werbungtreibenden kritisieren die möglichen Absprachefreiheiten, die der Entwurf des künftigen Wettbewerbsrechts den Verlagen verheißt. Die Mediaagenturen sind da allerdings viel entspannter.

„Aus unserer Sicht ist die geplante Kartellverbotsausnahme kritisch zu bewerten“, sagt Joachim Schütz, Geschäftsführer der Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM), auf HORIZONT-Anfrage. Während eine mögliche Effizienzverbesserung für Verlage gerade im Verhältnis zu TV und Online durchaus positiv sei, halte die OWM „die Möglichkeit der Bildung von Verkaufskartellen für äußerst kontraproduktiv“.

Denn die Zusammenarbeit mehrerer Verlagshäuser im Anzeigenvertrieb werde zu weniger Angebotsvielfalt und so „mit hoher Wahrscheinlichkeit zu steigenden Anzeigenkosten für die werbende Wirtschaft“ führen. Allerdings glaubt Schütz wohl, dass seine Klientel dies kaum akzeptieren würde, denn es sei „nicht davon auszugehen, dass die Verlage mit einem Buchungsplus rechnen können“. Letztlich sei dies eine Frage des Preis-Leistungs-Verhältnisses. „Die Bildung von Vertriebskartellen sollte der Gesetzgeber aus Sicht der OWM jedenfalls nicht zulassen“, so Schütz.

Eine viel entspanntere Tonart schlägt dagegen die Organisation der Mediaagenturen (OMG) an. „Wir begrüßen jede Liberalisierung, die den Verlagen hilft, ihr Geschäft besser als in der Vergangenheit zu gestalten“, erklärt OMG-Geschäftsführer Klaus-Peter Schulz. Vor allem dann, wenn die größeren Handlungsspielräume der Verlage zu Anzeigenkombis führten, die für Werbekunden sinnvoll seien. Doch was, wenn die Verlage nur unattraktive teure Zwangskombis auflegen? „Dann würden die Kunden eben woanders buchen“, entgegnet Schulz. Er denkt aber nicht, dass es so weit kommt: „Denn wenn ein Kunde nur einen Teil eines Portfolios belegen möchte – oder sonst gar nichts –, dann wird wohl kein Verlag dies ablehnen.“

Mit harschen Worten lehnt hingegen der Handelsverband HDE die „unbeschränkte Legalisierung der Kartellbildung“ bei Verlagen ab – wohl deshalb, weil er Nachteile für Händler befürchtet, wenn sie als Vertriebs- und als Anzeigenkunden einer gestärkten Verlagsfront gegenüberstehen. rp

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