Werbeblocker-Debatte So kontert Adblock-Plus-Chef Till Faida die Attacke von Thomas Port

Donnerstag, 23. Januar 2014
Till Faida (c) Adblock Plus
Till Faida (c) Adblock Plus

Mit seiner Kampfansage an Werbeblocker hat Thomas Port offenbar in ein Wespennest gestochen. Der Digital-Chef von SevenOne Media hatte Adblocker in einer Kolumne für HORIZONT.NET kürzlich als "hochgradig unseriös", "verlogen", "mafiös" und "erpresserisch" bezeichnet - und die Branche aufgefordert, gemeinsam gegen Anbieter von Werbeblockern vorzugehen. Mit Till Faida meldet sich jetzt der prominenteste Vertreter der "schwarzen Schafe" (Port) zu Wort. Der Chef von Adblock Plus wirft Port und Co vor, sich vor nutzerfreundlichen Innovationen zu verschließen. HORIZONT.NET veröffentlicht Faidas Stellungnahme im Wortlaut.

Till Faida: Warum Kritik an Adblock Plus fehlgeleitet ist

Thomas Port hat einen Auftrag: Als Digitalchef des ProSiebenSat.1-Vermarkters SevenOne Media hat er Adblock Plus den Kampf angesagt. Durch die stumpfe Polemik lenkt Port die Diskussion jedoch in die falsche Richtung. Das eigentliche Problem: Einige Firmen verschließen sich vor nutzerfreundlichen Innovationen, damit gefährden sie die Nachhaltigkeit des werbefinanzierten Internets.

Adblock Plus ist umstritten. Das ist auf den ersten Blick nicht verwunderlich, denn schließlich ist es ein Tool, dass dem Nutzer die Wahl lässt, welche Werbung er sehen möchte und welche nicht. Doch das Internet funktioniert anders als die alten Medien, auch wenn einige Manager in Deutschland das noch nicht wahrhaben wollen. Denn ob es einem passt oder nicht, im Web entscheidet der Nutzer darüber was er sieht, wer ihn tracken darf und welche Inhalte er konsumieren möchte. Wer es verpasst, attraktive (Werbe-)Angebote zu erstellen, der wird von den Nutzern blockiert. Entweder mit Adblock Plus oder einem der zahlreichen anderen Tools.

Doch diese Tools sind nur ein Symptom und nicht die wahren Verursacher von Einnahmeverlusten, das wirkliche Problem liegt in der verlorenen Akzeptanz der Nutzer. Laut einer Adobe Studie wird Online-Werbung von 62 Prozent der Deutschen als nervig" bezeichnet, nur 7 Prozent finden sie überzeugend". Wer Banner, Popups und Overlays nicht mit einem Werbeblocker blockiert, der hat oft einfach eine Bannerblindheit dagegen entwickelt. Geklickt wird auf Banner sowieso schon lange nicht mehr, die durchschnittliche Klickrate ist inzwischen auf 0,11 Prozent gesunken. Das Resultat sind sinkende Werbeeinnahmen, was Websites oft mit noch mehr und aufdringlicherer Werbung auszugleichen versuchen. Doch genau das führt wiederum zu gesteigerter Ablehnung, durch dieses kurzfristige Denken wird eine gefährliche Negativspirale befeuert.

Diese Negativspirale kann man nicht einfach ignorieren. Herr Port tut es trotzdem, denn natürlich ist es einfacher, ein kleines Startup mit einem innovativen Ansatz die Schuld zu geben, anstatt langfristiger zu denken, innovativer und vor allem nutzerfreundlicher zu werden. Thomas Port fordert in seinem Gastbeitrag das Ende der plumpen Störung des Nutzers" sowie die ehrliche Aufklärung" über Werbung. Die Realität bei SevenOne Media sieht jedoch ganz anders aus. Hier überwiegen Formate wie Flash Layer, die fast den gesamten Screen des Nutzers überlagern. So wird auf der Firmenwebsite wie folgt geworben: Noch mehr Awareness! Das Wallpaper ist Ihnen noch zu klein? Dann ist das Expandable Wallpaper Ihre Lösung...". Für den Nutzer bleibt als Notwehr nur der Werbeblocker.

Acceptable Ads - was steckt wirklich dahinter?

Doch Werbung wird laut einer Umfrage unter Adblock Plus Nutzern nicht generell abgelehnt, eine klare Mehrheit von 75% ist bereit diese zu akzeptieren, wenn sie nur nicht so aufdringlich wäre. Adblock Plus wird hauptsächlich von technik-affinen und einkommensstarken Anwendern genutzt. Diese schnell wachsende Zielgruppe (jede Woche wird Adblock Plus zwei Millionen Mal heruntergeladen) wird aber zu oft noch ignoriert. Denn mit primitiven blinkenden Bannern kann man diese aufgeklärten und selbstbestimmten Nutzer nicht erreichen, wirkungsvolle Werbung erfordert hier eine intelligentere Ansprache.

Aus diesem Grund haben wir die Acceptable Ads Initiative ins Leben gerufen. Wir möchten Webseitenbetreibern trotz steigender Nutzerzahlen von Adblock Plus die Möglichkeit geben, für ihre Arbeit gerecht entlohnt zu werden und weiter zu wachsen. Gleichzeitig schaffen wir für alle Beteiligten einen Anreiz, auf nutzerfreundlichere Werbeformate umzusteigen.

Die Kriterien der Acceptable Ads sind nicht starr. Wir laden alle Beteiligten - von Nutzern, über Technologie-Anbietern, Publishern und Advertisern - ein, die Kriterien für akzeptable Werbung gemeinsam weiterzuentwickeln und einen konstruktiven Mittelweg zu erarbeiten. Durch die Teilnahme an der Initiative können Websites signifikante und messbare Einnahmesteigerungen erzielen. Im Gegenzug für diese Einnahmesteigerungen beteiligen sich einige große Firmen auch finanziell, für 90 Prozent der Websites ist die Teilnahme aber absolut kostenlos.

Thomas Port nennt das Erpressung. Das ist nicht nur Verleumdung (Adblock Plus ist komplett legal, wie z.B. durch Prof. Hören, einem der führenden deutschen Internet-Juristen, in Kommunikation & Recht bestätigt), es verkennt auch völlig, warum sich einige Firmen neben den messbaren Einnahmesteigerungen an der Initiative beteiligen. Diese wollen nämlich nicht, dass das Feld den Werbeblockern überlassen wird, die an keinem konstruktiven Kompromiss arbeiten. Sie haben außerdem verstanden, dass eine langfristige Strategie für den richtigen Umgang mit einer hoch interessanten Zielgruppe sinnvoller ist, als die aussichtslose Bekämpfung des Nutzerwillens.

Die Chance für einen nachhaltigen Mittelweg

Immer mehr Firmen verstehen die Acceptable Ads Initiative als eine Chance, die Nutzer, die sich Bannern verweigern, stattdessen mit transparenter, unaufdringlicher, also insgesamt besserer Werbung zu erreichen. Nur durch attraktivere Werbung kann das ganze Ökosystem nachhaltiger werden - doch dazu müssen einige noch einsehen, dass langfristig Werbung im Internet nicht gegen, sondern nur mit den Nutzern funktionieren wird. Adblock Plus kann dabei ein Teil der Lösung sein.
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