Wegen Hitlergruß Stern verteidigt umstrittenes Cover mit Donald Trump

Freitag, 25. August 2017
Das umstrittene Cover des Stern
Das umstrittene Cover des Stern
Foto: Gruner+Jahr

Das aktuelle Titelbild des Stern sorgt für Aufregung. Das Cover zeigt Donald Trump, der die Hand zum Hitlergruß erhebt. Die Schlagzeile lautet "Sein Kampf - Neonazis, Ku-Klux-Klan, Rassismus: Wie Donald Trump den Hass in Amerika schürt". Unter anderem der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Darstellung scharf kritisiert. Stern-Chefredakteur Christian Krug verteidigte das Bild. 
"Die Darstellung von Präsident Trump als vermeintlich neuer Hitler ist geschmacklos und völlig deplatziert", sagte Zentralratspräsident Josef Schuster dem Berliner Tagesspiegel (Freitag). Trumps Umgang mit den antisemitischen und rassistischen Aufmärschen in Charlottesville lasse sich zu Recht kritisieren. "Präsident Trump aber mit Hitlergruß und dem Untertitel 'Sein Kampf' abzubilden, verharmlost das eliminatorische Wirken der Nationalsozialisten und relativiert Hitlers ideologische Propagandaschrift 'Mein Kampf'", so Schuster weiter.
Das umstrittene Cover des Stern
Das umstrittene Cover des Stern (Bild: Gruner+Jahr)
Auch FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld äußerte sich kritisch. Das Cover zeuge von fehlendem historischem Bewusstein: "Bei einem Blatt, das vor Zeiten (1983) den gefälschten Hitler-Tagebüchern aufgesessen ist und damit die journalistische Pleite der Nachkriegszeit gelandet hat, scheint weder das historische Bewusstsein gewachsen zu sein noch ein Sinn für Distinktion", schreibt Hanfeld in einem Kommentar. Mit dem Titelbild sei das Magazin nicht mehr weit entfernt von den Darstellungen von Angela Merkel in Nazi-Uniform, mit denen nationalistische Blätter in Polen und der Türkei in letzter Zeit häufiger aufmachen. "Dass derartige reißerische Aufmachung Trumps Unterstützer in ihrer Meinung über die Presse nur bestärkt, scheint in Hamburg auch keiner kapiert zu haben", so Hanfeld weiter. 

Der Stern verteidigte seine Darstellung. In einem per Twitter verbreiteten Statement erklärt Chefredakteur Christian Krug: "Die rechtsnationalen Demonstranten in Charlottesville haben ihre Arme zum Nazigruß erhoben, und der amerikanische Präsident hat sich weder von dieser Geste noch von der Gesinnung der Menschen distanziert." Trump habe in manchen von ihnen 'gute Leute' gesehen. "Mit dieser Haltung macht er sich mit den Demonstranten gemein und grüßt sie im übertragenen Sinne zurück - genau dies visualisiert der Stern-Titel", erklärt Krug. Es liege dem Magazin fern, die Gräueltaten der Nationalsozialisten verharmlosen zu wollen. 

Das Time-Magazine hatte in der vergangenen Woche übrigens mit einem ganz ähnlichen Titelbild aufgemacht - allerdings ohne Donald Trump zu zeigen. Der Spiegel entschied sich ebenfalls für einen Aufmacher zu der Reaktion von Donald Trump auf die rechtsradikalen Demonstrationen und zeigte den US-Präsidenten mit Ku-Klux-Clan-Kapuze. dh/dpa 
Das Time-Magazine wählte ein ähnliches Motiv - allerdings ohne Donald Trump
Das Time-Magazine wählte ein ähnliches Motiv - allerdings ohne Donald Trump
Das aktuelle Titelbild des Spiegel
Das aktuelle Titelbild des Spiegel (Bild: Der Spiegel)
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