Wegen Diskriminierung eines Mannes "taz" muss Entschädigung zahlen

Freitag, 06. Juni 2014
Will in Berufung gehen: "taz"-Chefredakteurin Ines Pohl (Foto: taz)
Will in Berufung gehen: "taz"-Chefredakteurin Ines Pohl (Foto: taz)


Diskriminierung mal anders: Die "taz" hat nach Ansicht des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen. Die linksalternative Tageszeitung hatte eine Volontariatsstelle ausschließlich für Frauen mit Migrationshintergrund ausgeschrieben.
Männer wurden bei der Stellenausschreibung nicht berücksichtigt. Die Zeitung wollte damit Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöhen. Ein männlicher Bewerber, der sich trotzdem auf die Stelle bewarb und abgelehnt wurde, klagte gegen die Ausschreibung - und bekam nun Recht.

Nach Auffassung des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg hat die "taz" den Bewerber wegen seines Geschlechts in unzulässiger Weise benachteiligt. Es sei nicht statthaft, Bewerbungen von Männern grundsätzlich nicht zu berücksichtigen. Außerdem sei die Maßnahme nicht dazu geeignet, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen, da es sich lediglich um eine Volontariatsstelle gehandelt habe. Das Gericht sprach dem Kläger eine Entschädigung in Höhe von drei Monatsgehältern zu.

Die "taz" will gegen das Urteil Berufung einlegen, kündigte Chefredakteurin Ines Pohl im "Tagesspiegel" an: "Wir wollen Vielfalt nicht nur predigen, sondern auch leben." Der Ausschreibungstext werde geändert, das Streben der "taz" nach "Diversity" gehe aber weiter.

Auch die "taz" selbst hat in punkto Gleichberechtigung offensichtlich noch Nachholbedarf: Laut einer internen Auswertung, die die "taz" in ihrem Hausblog veröffentlicht hat, schreiben Frauen bislang lediglich 35,5 Prozent der Texte in der Tageszeitung. dh
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