Wegen Anzeige gegen umstrittenen Tierforscher Uni Bremen kritisiert "FAZ", "Zeit" und Co

Mittwoch, 23. April 2014
Die umstrittene Anzeige der Tierversuchsgegner (Foto: Verein)
Die umstrittene Anzeige der Tierversuchsgegner (Foto: Verein)

Es ist die erwartbare Antwort auf die provokative Anzeige der Tierversuchsgegner Bundesrepublik Deutschland: Auf einer ganzen Seite in der "Zeit", "FAZ", "Tagesspiegel" und dem "Weser-Kurier" griff die Organisation zunächst den umstrittenen Zoo-Physiologen und Professor Andreas Kreiter wegen seiner Tierversuche mit Rhesusaffen unumwunden an. Doch jetzt bekommt der Verein genauso wie die Tageszeitungen, die die Anzeige abgedruckt haben, Gegenwehr von der Universität Bremen. "Kreiter macht eiskalt weiter" - so lautet die populistisch anmutende Überschrift der Anzeige. Darunter steht ein Zitat des berühmten deutschen Neurologen Herbert Stiller: "Tierexperimentatoren sind Wesen besonderer Art - man sollte sie nicht leichtfertig Menschen nennen". Im ausführlichen Anzeigentext über vier kleingedruckte Spalten schildert die Organisation die vermeintliche Vorbereitung der Tierversuche, bei denen den Affen "der Schädel aufgefräst, Führungsrohre für die Elektroden angelegt und eine Haltevorrichtung im Kopf einzementiert" werde. Anschließend müssten die fixierten Tiere für mehrere Stunden auf Monitore starren und Tasten drücken, während ihre Hirnströme gemessen würden.

Doch die abschließende Aufforderung der Tierversuchsgegner an die Universität Bremen, "sich von den mittelalterlichen Foltermethoden [...] zu verabschieden und stattdessen einer innovativen und echten Wissenschaft an seiner Hochschule eine Chance zu geben" ist beim Adressaten verpufft. Zunächst einmal muss man wissen, dass Kreiters Arbeit vom Bundesverwaltungsgericht im Februar als wissenschaftlich bedeutsam und ethisch vertretbar eingestuft wurde. Noch dazu stellt sich die Frage, ob ein auf seinem Fachgebiet anerkannter Forscher in einer solchen Weise persönlich angegriffen werden darf.

Mit diesem Vorwurf sehen sich nun auch die "FAZ", "Die Zeit", "Der Tagesspiegel" und "Weser-Kurier" konfrontiert. Denn Bernd Scholz-Reiter, Direktor der Universität Bremen, hat die Zeitungen in einem offenen Brief für das Abdrucken der Anzeige scharf kritisiert und diese unter anderem als "Angriff auf die Menschenwürde" bezeichnet. "Man versucht, dem Forscher bei Tierversuchen das Menschsein abzusprechen", heißt es in dem Schreiben wörtlich. Zudem sei die "Grenze zulässiger öffentlicher Meinungsbildung und -äußerung" überschritten worden.

Die von Scholz-Reiter angekündigten Beschwerden sind beim Deutschen Werberat unterdessen bereits eingegangen (drei an der Zahl), wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Das Problem: Der Werberat ist als Einrichtung zur Selbstkontrolle der werbetreibenden Wirtschaft schlichtweg nicht für Anzeigen von Parteien, Verbänden und Vereinen zuständig. Schließlich sei auch der Presserat eine Anlaufstelle bei redaktionellen Grenzüberschreitungen - und nicht in Sachen gekaufter Anzeigenplatz.

Konsequenzen für die Medien und die Tierschutzorganisation sind deshalb vorerst nicht zu erwarten. Auch weil Andreas Kreiter selbst die neuerlichen Vorwürfe, die er in einem Interview mit der "Bild" lapidar als "dümmlich" bezeichnete, eher kalt lassen. Seine Erklärung: "Wenn meine Arbeit so wie in der Anzeigen-Kampagne gegen mich geschildert wird, kann ich verstehen, dass es Menschen aufregt. Ich habe aber noch niemanden erlebt, der das nach genauer Erklärung grausam findet". tt
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