Wechsel an der Focus-Spitze Quoos geht, Reitz kommt

Dienstag, 26. August 2014
Muss seinen Sessel räumen: Jörg Quoos
Muss seinen Sessel räumen: Jörg Quoos


Seit Anfang 2013 steht Jörg Quoos an der Spitze des "Focus", und nach gerade einmal anderthalb Jahren kommt für den 51-Jährigen das Aus. Nach HORIZONT-Informationen wird Quoos das Magazin verlassen, bereits am 1. Oktober soll Ulrich Reitz die Chefredaktion übernehmen. Reitz war neun Jahre lang Chefredakteur der WAZ in Essen, bevor ihn die Gesellschafter der Funke-Gruppe im Mai dieses Jahres auf brüske Art aus dem Amt entfernten.
Von Reitz wird erwartet, dass er den zuletzt blassen "Focus" wieder zu einer relevanten Magazin-Marke macht. Unter Quoos, so heißt es bei Burda, sei der Titel im journalistischen Mainstream der Republik mitgeschwommen, habe aber kaum eigene inhaltliche Akzente gesetzt. Die Auflagenentwicklung ist ohnehin desaströs: Aktuell hat der "Focus" nur noch 175.000 Abonnenten, vor zehn Jahren waren es deutlich über 300.000. Am Kiosk gingen im zweiten Quartal dieses Jahres nur noch 77.000 Exemplare je Ausgabe über die Ladentheke, vor zehn Jahren waren es noch beinahe 200.000.

Der 53-jährige Reitz kehrt beim "Focus" gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurück. Er gehörte 1993 als Leiter der Parlamentsredaktion in Bonn zum Gründungsteam von Helmut Markwort. Seit dieser Zeit genießt er auch die Wertschätzung des Verlegers Hubert Burda. Reitz gilt sowohl als energischer Blattmacher wie auch als politischer Kopf. Seine journalistische Laufbahn hat er bei der "Welt" begonnen. 1997 wechselte er vom "Focus" als Chefredakteur zur "Rheinischen Post", 2005 zur "WAZ". Sein Wechsel nach Essen wurde skeptisch beäugt, weil er als vermeintlich Konservativer an die Spitze des traditionell sozialdemokratisch ausgerichteten Blattes rückte. Tatsächlich erwies sich Reitz dort als Reformer, der den inhaltlich verstaubten Titel zu einer modernen Regionalzeitung entwickelte und zugleich die Titel der WAZ-Gruppe enger zusammenführte.

Reitz ist beim "Focus" bereits der vierte Chefredakteur der Nach-Markwort-Ära. Der Gründer und Herausgeber des Magazins hatte sich vor vier Jahren aus der Chefredaktion zurückgezogen. Neben seinem Vertrauten Uli Baur sollte Wolfram Weimar dem Magazin Glanz verleihen, der "Cicero"-Gründer verließ das Blatt aber bereits nach einem Jahr im Streit. Zu abgehoben, zu intellektuell sei sein "Focus" gewesen, hieß es damals. Jörg Quoos, zuvor Stellvertreter von "Bild"-Chef Kai Diekmann, wurde geholt, um die traditionelle Stärke des "Focus", den Nutzwert-Journalismus, wieder in den Vordergrund zu rücken und die nachrichtliche Qualität zu stärken offenbar ohne durchschlagenden Erfolg, wie sein Abgang zeigt. uv
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