Wechsel Ex-"Stern"-Chef Thomas Lindner wird "FAZ"-Geschäftsführer

Donnerstag, 05. September 2013
Thomas Lindner heuert bei der "FAZ" an
Thomas Lindner heuert bei der "FAZ" an

Von der hoch profitablen Wundertüte zu den zuletzt defizitären klugen Köpfen: Thomas Lindner, 48, bis vor kurzem Geschäftsführer von Gruner + Jahrs "Stern", wird ab Januar 2014 Vorsitzender der Geschäftsführung der "FAZ" und damit Nachfolger des scheidenden Tobias Trevisan. Zeitgleich mit Lindner soll Burkhard Petzold in der zweiköpfigen "FAZ"-Geschäftsführung Nachfolger von Roland Gerschermann werden, der bekanntlich zum Jahresende in den Ruhestand tritt. Petzold, 58, soll die Bereiche Finanzen und kaufmännische Verwaltung übernehmen - zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der Mediengruppe Frankfurter Societät ("Frankfurter Rundschau", "Frankfurter Neue Presse"). Diese Personalunion könnte darauf hindeuten, dass die Gruppe ihre Titel "FAZ", "FR" und "FNP" künftig kaufmännisch mehr vernetzen will.

Zurück zu Lindner: Mit der Entscheidung für den langjährigen Gruner + Jahr-Manager hat sich der "FAZ"-Aufsichtsrat um Karl Dietrich Seikel ("Spiegel"-Geschäftsführer 1991 bis 2007) einen ausgewiesenen Vermarktungsexperten ins Haus geholt. Lindner stand seit über 18 Jahren in Diensten von G+J. Der Diplomkaufmann stieß 1994 zum Verlag und wurde nach Stationen in der "Stern"-Anzeigenleitung (1996 bis 1999), als Anzeigenleiter von "Brigitte" (2000 bis Ende 2002), "Stern" (2003/2004) und der damaligen Gruppe Stern/Geo/Art (2005 bis 2007) im Jahr 2008 Geschäftsführer dieser größten G+J-Sparte. In dieser Zeit erwirtschaftete Lindner zum Teil Rekordergebnisse (2010 honoriert mit dem Bertelsmann-Unternehmerpreis) und verantwortete zuletzt verlagsseitig die Umpositionierung des "Stern" sowie den Umbau der Redaktion.

Nach den zweistelligen Umsatzrenditen beim "Stern" erwartet Lindner bei der "FAZ" eine gänzlich andere Situation: In den vergangenen Jahren hat das Blatt immer mal wieder Verluste eingefahren; 2012 war es ein Minus von 4,3 Millionen Euro. Gründe waren unter anderem das schrumpfende Werbegeschäft und starke Rückgänge im Stellenmarkt von "FAZ" und "FAS". Zwar verfügt der Verlag über "ausreichend Rücklagen", aber auch die halten sicher nicht ewig.

Lindner könnte sich als erstes den Vermarktungsbereich anschauen. Hier war Vorgänger Trevisan zuletzt etwa mit der Meinung aufgefallen, das Viererbündnis "Quality Alliance" mit "Süddeutscher Zeitung", "Zeit" und dem "Handelsblatt" in Print ausschließlich für Gattungsmarketing nutzen zu wollen - und niemals für eine gemeinsame Vermarktung, etwa, um das Genre der überregionalen Zeitungen in manche Mediapläne zurückzubringen und in den eigenen Vermarktungsapparaten Kosten zu sparen. Auf Seiten der Allianzpartner war man da teils anderer Meinung, ebenso auf Kundenseite (HORIZONT 5/2013). Möglich, dass auch Lindner hier anders denkt. rp
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