Webradio Antenne Bayern kehrt RMS den Rücken und baut eigene Vermarktung auf

Mittwoch, 12. November 2014
Rühlicke baut den nationalen Digitalvermakrter auf
Rühlicke baut den nationalen Digitalvermakrter auf
Foto: Antenne Bayern

Deutschlands größter Radiosender Antenne Bayern holt die Onlinevermarktung ins eigene Haus. Ab 2015 wird nicht mehr der nationale Hamburger Radiovermarkter den Verkauf der Internetangebote erledigen. Stattdessen übernimmt die hauseigene Spotcom. Die Bayern stellen sich damit im Onlinebereich als überregionaler Vermarkter auf und könnten eine dritte Kraft neben RMS und dem Webradio-only-Vermarkter Audimark werden.

Für RMS ist das ein Schlag ins Kontor, der Vermarkter verliert rund über 40 Prozent der Brutto-Kontakte. "Es ist keine Entscheidung gegen RMS, sondern es geht um die Gesamtstrategie von Antenne Bayern", beschwichtigt Spotcom-Geschäftsführer Sven Rühlicke. Spotcom will den digitalen Audiomarkt künftig selbst entwickeln. Antenne Bayern ist mit 1,35 Millionen Hörern in der Durchschnittsstunde in der Media-Analyse 2014 Radio II der reichweitenstärkste UKW-Sender Deutschlands und bringt es mit dem Schwestersender Rock Antenne auf 9,5 Millionen Sessions in der MA 2014 IP Audio. Das entspricht rund 30 Prozent des gesamten werberelevanten Inventars.

Die in den vergangenen Monaten entwickelte digitale Roadmap von Antenne Bayern umfasst drei Säulen: erstens die Inhalte. Die Qualität soll besser werden und das Portfolio um neue Angebote ergänzt werden wie zuletzt um die mobile Quiz-App "Schlaubayer", die binnen sechs Wochen mehr als 200.000 User holte. Es ist das erste Produkt aus dem neu geschaffenen Bereich Digitale Unternehmensentwicklung, dem Florian Fritsche vorsteht, seit Mai in Diensten von Antenne Bayern. Fritsche bringt viel digitales Know-how mit. Er war zuvor Geschäftsführer von Regiocast Digital und Gründer des rein digitalen, nach dem Verlust der Bundesliga-Rechte eingestellten Fußballradios 90elf.

Zweitens ist es Rühlicke wichtig, eigene Expertise bei den Technologien aufzubauen. Ab 1. Januar 2015 arbeitet Spotcom daher mit einem eigenen Adserver. "Technologie und Vermarktung sind immer enger verflochten. Um spannende Produkte zu kreieren, müssen wir die Technologien besser verstehen können", sagt Rühlicke. Und drittens entwickelt sich die digitale Radiovermarktung von einem rein regionalen Feld weiter auf nationales Terrain. "Unsere Webradioangebote werden deutschlandweit gehört. Das wollen wir für die Kunden nutzen", so Rühlicke.

Eine eigene Digital-Unit mit vorerst zwei Mitarbeitern innerhalb der Spotcom soll für Werbungtreibende innovative, vernetzte Angebote entwickeln, die die verschiedenen digitalen Kanäle miteinander verknüpfen. Das fängt bei der Werbung auf Webradio-Channeln wie Chillout an, geht über den Newsletter mit seinen rund 500.000 Empfängern und endet bei den 425.000 Facebook-Fans. "Wir können unsere Marke einfach besser nach außen tragen", sagt Rühlicke mit Blick auf RMS, das zahlreiche Online-Angebote im Portfolio hat und damit einzelne weniger gut herausstellen kann.

Beim Aufbau der Vermarktung will Rühlicke wie RMS der Online-Vermarktungslogik treu bleiben – im Gegensatz zu Audimark, das Werbung auf Webradios wie UKW-Spots vermarktet und damit droht, das klassische Geschäft der Sender zu kannibalisieren.

Spotcom wird angesichts der hohen digitalen Reichweiten von Antenne Bayern und Rock Antenne aus dem Stand ein wichtiger Player im nationalen Radiomarkt. Rühlicke fühlt sich klar einer Premium-Positionierung verpflichtet. Er will nicht ausschließen, dass mittel- bis langfristig auch Mandanten hinzukommen. pap

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