"Washington Post" Warum Amazon-Boss Bezos Print guttut

Dienstag, 06. August 2013
Die Zentrale der "Washington Post" (Foto: Daniel X. O'Neil/Wikimedia Commons)
Die Zentrale der "Washington Post" (Foto: Daniel X. O'Neil/Wikimedia Commons)


Der Bezos-Post-Deal ist kein Bankrott der Verlagswelt, sondern vor allen Dingen eine große Chance für die "Washington Post". Und: Auch Mathias Döpfner wird vom Amazon-Gründer lernen können.
Manchen Kritikern kann Print es in diesen Tagen nirgendwo auf diesem Planeten recht machen. Ob Axel Springer profitable Marken in Deutschland an ein angesehenes Printhaus verkauft oder in den USA der Amazon-Boss Jeff Bezos die "Washington Post" übernimmt - für manche Beobachter sind beide Vorgänge grelle Beispiele für den vermuteten beispielslosen Niedergang von Print. Doch so wenig man Axel Springer pauschal den Ausverkauf journalistischer Ideale vorwerfen kann, so wenig kann man den Bezos-Post-Deal zum Bankrott der Verlage stilisieren, wie dies beispielsweise "Meedia" versucht.

Eine amerikanische Verlegerfamilie ergreift eine aus ihrer Sicht sinnvolle Opportunity und verkauft ihr Unternehmen an eine der wichtigsten Unternehmerpersönlichkeiten des frühen 21. Jahrhunderts. Was ist daran verwerflich? Und warum soll der Verkauf einer Zeitung gleich das Ende eines ganzen Wirtschaftszweiges bedeuten? Vielleicht sollte man den Deal etwas unaufgeregter und pragmatischer interpretieren: Weder als Apocalypse Now noch als Beweis für die Borniertheit der Verlage, sondern eher als ein Indiz dafür, dass das Zeitalter der Verlegerdynastien in den USA vorbei ist. 2007 verkauften die Bancrofts ihren Verlag Dow Jones ( Wall Street ) an Rupert Murdoch. Auch die in den USA berühmte Chandler-Familie hat sich aus der Los Angeles Times zurückgezogen. Bleibt also noch die Familie Ochs-Sulzberger ( New York Times ), die aber gerade angekündigt hatten, den Boston Globe in fremde Hände geben zu wollen.

Nun wird Jeff Bezos der Besitzer der "Washington Post". Das wird der Zeitung guttun. Bezos ist weder ein Hasardeur, der mit 250 Millionen Dollar zocken geht. Er ist aber auch kein Mäzen, der sich aus gelangweilten Gutmenschentum, reiner Sentimentalität - die "Washington Post" brachte seinerzeit die Watergate-Affäre ins Rollen - , oder purer Langeweile eine Zeitung zulegt wie andere Milliardäre einen Fußballclub. In Statements von Bezos, aber auch in den Einschätzungen vor allen Dingen von US-Kommentatoren schimmert durch, dass der Gründer von Amazon es durchaus ernst meint mit Schlagworten wie "liberale Öffentlichkei". (Dass dieses Idealbild nicht immer kongruent geht mit der knallharten Amazon-Strategie, soll hier nicht betrachtet werden.) Entscheident ist an dieser Stelle, dass hier jemand zu Werke geht, der eine Printmarke am Leben halten will (im ersten Halbjahr 2013 machte die Post angeblich fast 50 Milllionen Dollar Verlust), und diese Lebenshilfe verbindet mit dem Festhalten an Qualitätsjournalismus.

Die internationale Printszene sollte sich also glücklich schätzen, einen wie Bezos in ihren Reihen begrüßen zu dürfen - selbst wenn Bezos offen zugibt Nicht-Zeitungsleser zu sein. Wenn jemand auf diesem Planeten weiß, wie man aktiv altes Business und alte Geschäftsmodelle dekonstruiert und ins digitale Zeitalter transferiert, dann der Mann, der mit Amazon nicht nur den Buchhandel und Musikversand, sondern Handel überhaupt revolutioniert hat. Möglicherweise hilft Bezos ja den deutschen Medienhäusern wie ihren Kritikern drei Fragen (bei denen es hierzulande immer um mehr geht als um Leben oder Tod) ganz pragmatisch zu beantworten: Wie sieht eine erfolgreiche Zeitung im 21. Jahrhundert aus? Wie kann im Netz Geld verdient werden? Und was bringen Tablets den Verlegern? Vielleicht gibt Mathias Döpfner irgendwann die Devise aus: Von Jeff Bezos lernen, heißt siegen lernen. vs
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