"Washington Post" Amazon-Gründer Jeff Bezos kauft Traditionsblatt für 250 Millionen Dollar

Dienstag, 06. August 2013
Jeff Bezos wird nun auch Zeitungsunternehmer (Bild: Amazon)
Jeff Bezos wird nun auch Zeitungsunternehmer (Bild: Amazon)

Noch während die hiesige Medienbranche den jüngsten Paukenschlag verdaut, ertönt in den USA bereits der nächste: Die "Washington Post" hat bekannt gegeben, dass Amazon-Gründer Jeff Bezos neuer Eigentümer des Traditionsblattes wird. Der Internetunternehmer kauft die Zeitung für 250 Millionen Dollar. Bezos fungiert dabei als Privatmann und nicht als CEO des Internetversandhauses Amazon. "Der Werte der 'Post' müssen sich nicht ändern. Das Blatt ist nach wie vor den Lesern verpflichtet und nicht seinen privaten Besitzern", erklärte Bezos in einem ersten Statement. Nur wenigen Menschen sei bekannt gewesen, dass die Eigentümer der 1877 gegründeten "Washington Post" auf der Suche nach einem Käufer waren, wie es in einem Bericht über den Verkauf auf der Homepage der "Post" heißt. Doch offensichtlich wurde der renommierte Titel, der unter anderem 1972 den Watergate-Skandal aufdeckte, stärker von den Umwälzungen durch das Internet betroffen als befürchtet. So sei der operative Gewinn der Zeitungssparte des Unternehmens in den vergangenen sechs Jahren um 44 Prozent gesunken, im 2. Quartal 2013 wurden mit dem Segment 138,4 Millionen Dollar Umsatz generiert (2012: 139,2). "Die 'Post' wäre unter den jetzigen Eigentümern auch in der nächsten Zukunft noch profitabel gewesen", sagte Aufsichtsratschef Donald E. Graham. "Aber wir wollten mehr als nur überleben. Ich sage nicht, dass nun der Erfolg garantiert ist, aber die Chancen auf Erfolg sind nun größer."

Der Deal soll in 60 Tagen abgeschlossen sein, Stellenstreichungen seien nicht geplant, auch das Management bleibe unverändert. So wird Grahams Nichte Katharine Weymouth auch künftig Verlegerin der "Post" bleiben. Zu der zukünftigen Ausrichtung der "Washington Post" erklärte der neue Eigentümer, dass die Zeitung den Lesern verpflichtet bleiben werde. "Journalismus spielt eine wichtige Rolle in einer freien Gesellschaft, und die 'Washington Post', als Heimatzeitung der Hauptstadt der Vereinigten Staaten, ist besonders wichtig", so Bezos in einem Schreiben an die Mitarbeiter.

Darin heißt es zwar auch, dass der rund 25 Milliarden Dollar schwere Amazon-Gründer nicht ins Tagesgeschäft eingreifen wolle ("Ich lebe gerne im 'anderen Washington'). Gleichwohl muss sich die Belegschaft wohl dennoch auf Umwälzungen einstellen. "Es gibt keine Karte in die Zukunft und einen Weg zu finden, wird schwer", so Bezos. "Wir müssen erfinderisch sein, was bedeutet, dass wir experminetieren müssen." ire
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