Wahlwerbung Kanzleramtschef Altmaier erklärt Trump zum Twitter-Lehrmeister

Mittwoch, 04. Januar 2017
Auf Twitter zuhause: Donald Trump
Auf Twitter zuhause: Donald Trump
© Flickr/Gage Skidmore

Ende September wird der 19. Deutsche Bundestag gewählt. Nachdem die politischen Parteien die ersten Weichenstellungen hinsichtlich ihrer Agenturpartner getroffen haben, drängt sich nun die Frage auf, mit welchen Werbestrategien CDU, SPD, Grüne, FDP und AfD in den Wahlkampf ziehen und welche Rolle die einzelnen Kanäle spielen. Nachdem im US-Wahlkampf 2016 erhebliche Budgets ins Netz gewandert sind, ist auch hierzulande ein Bedeutungszuwachs des Digitalen sehr wahrscheinlich.
Dass die digitale Wahlkampfmaschinerie des designierten US-Präsidenten Donald Trump im politischen Berlin mächtig Eindruck gemacht hat, dafür sprechen aktuelle Aussagen von Kanzleramtsminister Peter Altmaier. Aus Sicht des CDU-Politikers ist der künftige US-Präsident zumindest in Sachen Twitter ein guter Lehrmeister. "Donald Trump hat Twitter zu einem mächtigen Instrument während des Wahlkampfs gemacht", sagte Altmaier dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". "Ich würde allen empfehlen, sich sehr genau anzusehen, wie er dieses Medium gebraucht." Man könne davon lernen - im Guten wie im Schlechten.
Altmaier ist selbst begeisterter Twitterer und bringt es inzwischen auf 134.000 Follower. Er gilt als einer der ersten Spitzenpolitiker, die den 140-Zeichen-Dienst aktiv nutzten. Der Plattform misst er für Politik und Gesellschaft große Bedeutung bei: Schon 2014 twitterte Altmaier: "Twitter ist heute die schärfste Waffe der Demokratie: Wir haben es nur noch nicht bemerkt!" Dass diese Waffe auch einen US-Präsidenten Donald Trump ermöglichen würde, hätte aber wohl auch Altmaier 2014 nicht für möglich gehalten.
Trump, dessen Online-Team am Ende rund 100 Leute stark gewesen sein soll und vom kalifornischen San Antonio aus agierte, war während des Wahlkampfs ums Präsidentenamt auf Twitter sehr präsent - und nutzte den Kanal nicht zuletzt, um seiner Mitbewerberin Hillary Clinton mit 140 Zeichen langen Einwürfen in die Parade zu fahren. Mit seinen meinungsstarken Tweets stößt Trump auf ein großes Interesse. Inzwischen hat er auf dem Kurznachrichtendienst 18,6 Millionen Follower, die seine Botschaften direkt erhalten. Diese ungefilterte Kommunikation zwischen ihm und den Wähler ist offenbar genau das, was Trump an dem Medium so schätzt. Denn mit vielen klassischen Medien, die kritisch hinterfragen und Dinge einordnen, steht der Milliardär bekanntlich auf Kriegsfuß. 

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Bild: Grafik: Fotolia

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So ist es auch keine Überraschung, dass Trump nach dem Einzug ins Weiße Haus weiterhin direkt per Twitter kommunizieren will, wie sein Sprecher kürzlich ankündigte. Aus Sicht seiner Kritiker will sich Trump damit vor allem kritischen Nachfragen der Medien auf Pressekonferenzen entziehen und seine Sicht der Dinge verbreiten. "Er will die absolute Deutungshoheit für seine Politik", sagte kürzlich Evan McMullin, einer seiner gescheiterten Gegenkandidaten aus Utah und ehemaliger CIA-Agent. Auch sein Sprecher macht daraus kein Geheimnis. "Es macht die etablierten Medien verrückt, dass ihm (Trump) mehr als 45 Millionen Menschen in den sozialen Netzwerken folgen und dass sie eine direkte Konversationen haben können. Sie müssen sie nicht durch die Medien filtern. Das normale Tagesgeschäft ist damit vorbei", sagte Spicer kürzlich dem Sender ABC. mas
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